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WM 2014

Sepp Blatter: Heil oder Unheil für Brasilien?

Telebielingue-Moderator Sandro Sabatini war während drei Monaten in Brasilien unterwegs und hat dabei seinen ersten Film „Joseph Blatter: Heil oder Unheil für Brasilien?“ produziert. Darin zeigt er die Meinungen des brasilianischen Volkes zu Sepp Blatter, der Fifa und der bevorstehenden WM im eigenen Land. Heute feiert der Film Premiere – direkt hier bei uns.

Brasiliens Fussballer Dante Bonfim Costa Santos im Gespräch mit Sandro Sabatini, Bild: zvg Sandro Sabatini

„Ein Dieb ist er! Ein Schlitzohr! Nichts wert. Ein Schlingel!“ Das ist die Reaktion von Alberto, als ihm Sandro Sabatini das Foto von Sepp Blatter in die Hand drückt. Er erwarte überhaupt nichts Schönes an diesem Horror-Festival, hier in Brasilien.

Dies ist eine Szene aus dem Film „Joseph Blatter: Heil oder Unheil für Brasilien?“, der heute Premiere feiert. Am Ende dieses Artikels können Sie sich den Film anschauen, er steht in sechs Sprachen zur Verfügung. Realisiert hat den Film Sandro Sabatini, Moderator bei unseren Kollegen von Telebielingue.

Eine Schnappsidee

Interessant ist nicht nur der Film selber, sondern auch, wie er entstanden ist. Denn eigentlich sollte es diesen Film gar nie geben. Sabatini hatte nämlich geplant, eine dreimonatige Reise durch Kuba und die Karibik zu machen. Ein Versprechen verschlug ihn aber nach Brasilien. „Ich hatte Freunde zum Abendessen zu Besuch, als wir vom Elektrofestival <Universo Paralelo> im Süden von Salvador da Bahia zu sprechen kamen. Ich versprach ihnen - nach ein paar Gläsern Wein intus – dieses Jahr wieder zu gehen.“ Dies war der eigentliche Grund für die Reise nach Brasilien. „Ich hatte zuerst wirklich kein Bock, nach Brasilien zu reisen. Doch Versprechen ist Versprechen!“ Wenn er sich heute aber das Resultat ansieht, war dies das beste Versprechen, dass er gegen seinen Willen eingegangen war.

Von seiner dreimonatigen Reise wollte er nicht nur mit Erinnerungen zurückkehren, sondern wollte eine Film-Produktion wahrmachen.

Anfangs wollte Sabatini gar nicht die WM thematisieren, denn er war überzeugt, dass jeder Fernsehsender und Journalist darüber berichten würden und sein Film somit einer von vielen wäre.

Ein guter Freund gab ihm den Tipp, nicht planlos nach Brasilien zu gehen, da würde er sich nur verlieren und damit das Risiko eingehen, ohne Resultat in die Schweiz zurück zu kehren. Ein Tag vor der Abreise überzeugte ihn sein Schwager dann doch, die WM zu thematisieren.  „ Am Tag meiner Abreise habe ich ein Bild von Sepp Blatter ausgedruckt und mitgenommen.“ Sepp Blatter war immer im Rucksack dabei, sein Reisepartner.

Sabatini suchte sich seine Protagonisten im Film anhand der Gespräche aus, die er mit den Einheimischen führte. „ Als ich mit den Leuten im Gespräch war, wusste ich sofort, welche dieser bestimmten Personen im Film haben wollte und welche nicht. Ich habe ihnen danach nur das Bild von Sepp Blatter gezeigt und die Reaktion darauf gefilmt.“ Alle Interviews waren spontan. „Ich wollte die Meinungen frisch von der Leber weg. Das ist authentischer.“

Was dieser Protagonist wohl über Sepp Blatter denkt?

 

Sandro Sabatini, wie sah ihre Filmcrew in Brasilien aus?

(lacht). Ich hatte keine Crew dabei, sondern war alleine mit dem Bild von Sepp Blatter unterwegs. Einzig die Szene mit Fussballer Dante hatte eine Freundin gefilmt. Auch meine Kamera war natürlich immer dabei, da die Aufnahmen und Interviews immer spontan gefilmt wurden. Die Kamera war eine Canon 60 D.

Was wollen Sie mit diesem Film vermitteln?

Vermitteln will ich nicht viel, ich will den Zuschauer unterhalten. Der Zuschauer soll sich ein Bild machen, was Brasilien über Sepp Blatter denkt. Zudem will ich den Zuschauer auf eine Reise mitnehmen und das Interesse an Brasilien wecken. Zeigen, das Brasilien mehr ist als nur Rio de Janeiro und São Paolo.

Sind Sie mit dem Ziel nach Brasilien gereist, einen Publikums-Hit zu produzieren?

Das Wichtigste für mich war, mich nicht selber zu enttäuschen! Das ist mir immer am wichtigsten, wenn ich etwas anpacke. Jetzt sieht es so aus, dass verschiedene Medien grosses Interesse an meinem Film zeigen. Das ist natürlich die Kirsche auf der Torte. Ein kleines bisschen habe ich natürlich schon auf eine solche Reaktion gehofft, das ist ja normal wenn man ein Projekt in Angriff nimmt. Aber der Ansporn war es sicher nicht.

Ein grosses Thema rund um die WM in Brasilien waren stets die Verzögerungen der Bauarbeiten. Wie war Ihr Eindruck vor Ort?

Der Verzug auf den Baustellen ist spürbar. Man spürt die Mentalität der Latinos deutlich: Das termingerechte Fertigstellen von Bauten oder der Infrastruktur ist schier unmöglich. Ein Beispiel dafür ist eine Metro in Salvador mit einer Länge von etwa drei bis sechs Kilometern: Die Bauarbeiten dazu haben vor 14 Jahren angefangen, und nun wird sie wohl einen Tag vor Beginn der WM eröffnet. Sie wird – wie der Rest- auf den letzten Drücker für die WM fertig gestellt sein. Beispiele für diese Vorgehensart sind auch die Befriedungsaktionen der Favelas, etwa in Rio. Solche Projekte brauchen normalerweise 20-30 Jahre, um nachhaltig umgesetzt zu werden. Jetzt werden sie einfach von der Regierung für den Terminplan der WM schnell hereingepresst.

In Ihrem Film spalten sich die Meinungen über Sepp Blatter, die Fifa und den Ertrag der WM für Brasilien. Was ist Ihre Meinung?

Ich hüte mich davor, Meinungen über Personen zu äussern, die ich nicht persönlich kenne. Ich kümmere mich auch nicht wirklich darum was Medien über ihn sagen oder schreiben. Ich habe ihn noch nie hinter den Kulissen getroffen, deswegen kann ich da auch nichts dazu sagen. Bezüglich der Fifa denke ich, dass an den Korruptionsgerüchten sicherlich was Wahres dran ist. Die Fifa ist eine Weltmachtfirma und sicher nicht die einzige, die korrupte Geschäfte betreibt. Brasilien wird sicherlich in einigen Bereichen profitieren können. Ich denke vor allem im Bereich Tourismus. Ich hoffe, dass mehr Leute Brasilien entdecken und bereisen wollen. Denn Brasilien hat so viel zu bieten und ist eine Reise wirklich wert! Sie werden aber trotzdem arm bleiben. Das Bildungs- und Gesundheitswesen werden von der WM leider nicht profitieren können.

Was verpasst man wenn man nicht nach Brasilien reist?

Sehr viel! Der Geschmack roter Erde, der Geschmack nasser Wälder, frische Kokosnüsse, die lockere und gastfreundliche Umgangsart. Man wird immer sehr nett aufgenommen, als würde man zur Familie gehören. Das ist ein grosser Unterschied zu unserer Kultur, da könnten wir Schweizer viel lernen. Wenn ich einen Vergleich machen müsste, ist Brasilien für mich wie die Hauptschlagader des Körpers: Sie lebt am meisten, blutet hingegen auch am meisten.

Was muss man unbedingt gesehen haben?

Sehenswert ist der Nationalpark Chapada diamantina Bahia. Bahia ist das Afrika von Brasilien.

Das war ihr erster Film, wird es eine Fortsetzung davon geben, wenn Sie für die WM wieder nach Brasilien reisen?

Wenn ich am 6. Juni, kurz vor der Abreise an die WM, wieder eine Idee habe, komme ich sehr wahrscheinlich nicht mit leeren Händen nach Hause.

Zuletzt noch die Frage: Wer wird Weltmeister?

Ich hoffe, dass Brasilien Weltmeister wird. Ich denke aber Deutschland wird’s packen!

Den Film gibt es in sechs verschiedenen Sprachen: Portugiesisch, Spanisch, Englisch, Französisch, Hochdeutsch und Mundart. Bei der Youtube-Version kann man zwischen diesen Sprachen wählen. ame

 

 

 

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