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«Wir können neben Kraft auch Nerven sparen»

Eishockey Nach dem geglückten Einzug in den Playoff-Halbfinal genossen die Spieler des EHC Biel gestern einen trainingsfreien Tag. Beat Forster erklärt, was in der Viertelfinal-Serie gegen den HC Ambri-Piotta zum Erfolg führte und warum die Pause dem Team guttut.

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Interview: Moritz Bill

Beat Forster, zuerst zum fünften und entscheidenden Spiel gegen Ambri-
Piotta: Wie fällt Ihr Fazit aus?

Beat Forster: Das war ein sehr anstrengendes Spiel. Sie kamen gut aus der Garderobe und setzten uns sofort unter Druck, wie sie das schon in den letzten Partien getan hatten. Da wurden wir ein bisschen überrumpelt. Danach fanden wir aber ins Spiel.

Gegen Spielende musste Biel wegen der knappen Führung noch brenzlige Situationen überstehen. Da war die Erfahrung von Spielern, wie beispielsweise von Ihnen, gefragt.

Ja, die letzten Minuten haben wir gut verteidigt. Wichtig war vor allem, dass wir die Scheibe einfach aus unserem Drittel brachten, anstatt den Treffer ins leere Tor vehement zu suchen.

Die Ausgangslage vor diesem Match war anders als vor den vorausgegangenen gewesen: Ambri hatte nach zuvor sieben Niederlagen erstmals in der aktuellen Saison gegen den EHCB gewonnen. Wie ging das Team im Vorfeld damit um? Besann man sich einfach auf sein eigenes Spiel und die Heimstärke oder wurden andere Taktiken besprochen?

Der McSorley (Chris, Trainer von Genève-Servette, Anm. d. Red.) hat das mal richtig gesagt: Jeder kennt den anderen. Ausser ein, zwei neuen Spielzügen kann man nichts mehr Neues bringen. Und gehen die beim ersten Versuch schief, ist ihr Überraschungseffekt auch schon wieder verpufft. Diese eine Niederlage machte uns nichts aus. Es kommt selten vor, dass man eine Serie zu Null gewinnt.

Aber mit einem weiteren Sieg Ambris drohte das Momentum vollends zu 
kippen.

Das Momentum hatte nach dem Samstagspiel auf keinen Fall die Seite gewechselt. Sie wurden von ihrem Publikum getragen und das machte sie stark. Aber innerhalb unserer Mannschaft kam nach der einen Niederlage nie ein ängstliches Gefühl oder etwas dergleichen auf. Letztes Jahr haben wir ja diesbezüglich genug Lehrgeld bezahlt … (gegen Lugano im Halbfinal, Anm. d. Red).

Diese Viertelfinal-Serie endete mit 4:1 deutlich. Die einzelnen Matches fielen hingegen stets knapp aus. Was waren die entscheidenden Punkte, die den Unterschied zugunsten Biels ausmachten?

Wir trafen auf ein sehr gutes Ambri. Aber bei fünf gegen fünf Feldspieler waren wir sicher besser. Die Resultate waren zwar immer eng, aber oft lag die Mehrheit der Spielanteile auf unserer Seite. In den wichtigen Momenten konnten wir ihnen unser Spiel aufdrängen und ihnen damit den Schneid abkaufen. Diese Schlüsselmomente waren entscheidend.

Speziell die Zwerger-Müller-Kubalik-Linie blieb bei Vollbestand weitgehend blass. Erhielten die Verteidiger gegen diesen vermeintlichen Paradesturm 
besondere Anweisungen der Trainer?

Ich bin mir nicht sicher, ob beim Coaching während der Spiele besonders darauf geachtet wurde. Aber klar ist: Wenn wir unserem Spielsystem treu bleiben, vermögen alle sieben Verteidiger gegen jede Linie in dieser Liga zu bestehen.

Noch die obligate Frage: Nun folgt fast eine ganzwöchige Pause, ist das ein Vor- oder Nachteil gegenüber einer Mannschaft, die sechs oder sieben Spiele für die Halbfinal-Qualifikation bestreiten muss und damit im Spielrhythmus bleibt?

Letztendlich lautet das Ziel in den Playoffs, so schnell wie möglich vier Spiele zu gewinnen, um in die nächste Runde zu kommen. Denn je mehr Matches du spielst, desto mehr Kraft wird dir abverlangt. Aber es ist natürlich entscheidend, wie man diese spielfreie Zeit nutzt. Wenn du einfach nichts tust, kommt das nicht gut.

Und auf mentaler Ebene dürfte das gute Gefühl innerhalb der Mannschaft infolge des Halbfinal-Einzugs während dieser Woche wachsen.

Ja sicher. Wir können neben Kraft auch Nerven sparen. Deshalb ist es umso wichtiger, eine Serie schnellstmöglich abzuschliessen. Im Sport kann es sonst plötzlich schnell gehen.

Sie haben sicherlich Präferenzen, 
was den Halbfinal-Gegner betrifft. 
Nur sagen werden Sie das wohl nicht.

Achtung Floskel (lacht): Wir müssen sowieso jeden schlagen und es liegt nicht in unseren Händen, wer es dann sein wird. Deshalb bleibt uns einzig, in dieser spielfreien Zeit an unserem Spiel zu feilen.

Weitere Artikel zum EHC Biel unter
www.bielertagblatt.ch/ehcb

Bern, Langnau, Lausanne oder Zug

  • Nach dem erfolgreichen Halbfinal-Einzug steht beim EHC Biel vor allem die Regeneration im Zentrum. Gestern hatten die Spieler des EHC Biel trainingsfrei. Heute steht eine Trainingseinheit an, am Freitag und Samstag ist wiederum frei. Sonntags und montags erfolgen die weiteren Mannschaftstrainings, ehe der Halbfinal am Dienstag beginnt.
  • Gegen welchen Gegner die Bieler die erstmalige Final-Qualifikation anstreben, ist offen. Setzen sich die in ihren Serien in Führung liegenden Bern und Lausanne durch, trifft Biel auf den SCB. Ansonsten sind je nachdem auch Zug, Langnau oder Lausanne als Gegner möglich, Genf in keinem Fall. bil