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Filmkritik

"Solo: A Star Wars Story": Keine miesen Gefühle

Der neue "Star Wars"-Film erzählt die Vorgeschichte zur Kultfigur Han Solo. Trotz teils turbulenter Produktion entstand ein eigenständiges Werk, das man nicht missen möchte. Bis der Sog beginnt, braucht es aber etwas Geduld.

Freunde fürs Leben: Han Solo (Alden Ehrenreich) und sein Kumpel Chewbacca (Joonas Suotamo) erleben ihr erstes Abenteuer.

von Simon Dick

Schon wieder ein neuer «Star Wars»-Film? Ja! Gerade sass man noch im Kino, hat den umstrittenen «The Last Jedi» (im letzten Dezember) verdaut und schon gibt es ein paar Monate später das nächste Werk aus der «Krieg der Sterne»-Saga. Genau wie «Rogue One» (2016) steht auch dieser Film für sich alleine, respektive ist kein Fortsetzungsfilm, der die Irrungen und Wirrungen der Skywalker-Familie im Fokus hat.

Die Produktion dieses Films war etwas problematisch: Alden Ehrenreich, der den jungen Han Solo verkörpern darf, wurde im Voraus heftig kritisiert. Schliesslich musste er in die riesigen Fusstapfen von Harrison Ford treten, der die Figur in der ersten Trilogie (1977 bis 1983) verkörperte. Doch damit nicht genug. Während den Dreharbeiten kam es zu einem Regiewechsel. Das Duo Phil Lord und Christopher Miller wurde entlassen, da es angeblich unüberbrückbare Differenzen mit der Produktionsabteilung gab.

Man munkelt, dass die beiden, die schon bei den witzigen Streifen «The Lego Movie» oder «22 Jump Street» Regie führten, zu sehr auf der Humor-Welle ritten und die Verantwortlichen bei Disney die Notbremse zogen. Schliesslich nahm Ron Howard, der Blockbuster wie «Inferno» oder «Apollo 13» drehte, Platz auf dem Regiestuhl. Es gab einige Nachdrehs und Alden Ehrenreich musste sogar die Bank in der Schauspielschule drücken.

Zurück zum Film: Wir lernen einen noch sehr jungen Han Solo (Alden Ehrenreich) kennen, der sich in das Mädchen Qi’Ra (Emilia Clarke) verliebt. Natürlich werden die beiden getrennt und Han macht sich auf den Weg, seine Geliebte zu retten. Dafür tritt er sogar in den Dienst des Galaktischen Imperiums und landet schliesslich Jahre danach auf einem Schlachtfeld, auf dem er die Bekanntschaft mit seinem zukünftigen Freund und Weggefährten Chewbacca (Joonas Suotamo) macht.

Doch damit fängt das Abenteuer erst an. Han verdingt sich mit ein paar anderen Schurken zu einer Raubmission, bei der die Truppe, angeführt von Beckett (Woody Harrelson), auf den Glückspieler Lando Calrissian (Donald Glover) treffen. Parallel zieht ein Gangsterboss im Hintergrund die Fäden, die alte Liebe taucht wieder auf und natürlich gibt es zünftige Schiessereien und Verfolgungsjagden.

Die ersten Minuten sind etwas harzig. Dafür kann man Ehrenreich aber nicht die Schuld geben. Er liefert eine ordentliche Performance ab. Aber das Abenteuer will nicht richtig in die Gänge kommen. Mit angezogener Handbremse wird die Geschichte erzählt. Erst als Han auf seinen haarigen Kumpel Chewbacca trifft, nimmt alles an Fahrt auf und man kann sich zurücklehnen und geniessen.

Auch wenn Ehrenreich der Figur seinen eigenen Stempel aufdrücken darf, leidet der Film unter zu vielen Zitaten, die oft zu verkrampft vermitteln werden. Legendäre Sätze des Schmugglers aus der Originaltrilogie müssen ebenso herhalten wie bekannte Gesten. Es scheint fast so, als ob Regisseur Ron Howard mit erhobenem Zeigefinger mitteilen möchte, dass er sich mit der Franchise besonders gut auskennt.

Trotz vielen Referenzen und zahlreichen versteckten Anspielungen: «Solo: A Star Wars Story» funktioniert auch, wenn man die Filme nicht kennt oder die eine oder andere Lücke hat. Es gibt intensive Gänsehautmomente, witzige Dialoge und Überraschungen.
Und besonders in den letzten Filmminuten werden Fans ihren Augen kaum trauen.

Info: In den Kinos Apollo, Rex 1/2 und Cinedome, Biel;auch in Grenchen.

BEURTEILUNG BT-FILMKRITIKER
- Simon Dick: *** (von 5 Sternen)
- Mario Schnell: *** (von 5 Sternen)

 

Stichwörter: Filmkritik

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