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Filmkritik

"Ocean's 8": Glanz und Gloria im Museum

Nun dürfen die Frauen rauben: Sandra Bullock und Cate Blanchett führen in "Ocean’s Eight" eine Bande von Meisterdiebinnen direkt an New Yorks heissesten Anlass. Dabei beweisen sie eindrücklich, dass man als Frau über 40 noch für Hauptrollen gut ist.

Vorbereitung ist alles: Bald schlagen die Meisterdiebinnen zu.
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von Roger Duft

Alle Jahre lädt das New Yorker Metropolitan Museum, oder genauer dessen illustres Costume Institute, am ersten Montag im Mai zur Benefiz-Sause, die gemeinhin als Met Gala bekannt ist.

Der wohl grösste Anlass an der Ostküste für alles, was in Film, Mode, Kunst und Musik Rang und Namen hat, lockt jedes Jahr spendefreudige Gäste an, die sich für den Abend natürlich so richtig schön machen. Und das bedeutet nicht zuletzt, dass der Gesamtwert der Schätze im Metropolitan Museum an diesem Abend um ein paar Millionen Dollar höher ist.

Kein Wunder, will Debbie Ocean (Sandra Bullock), die Schwester des legendären Danny Ocean, kaum aus dem Knast, da unbedingt rein, um sich eine millionenschwere Diamant-Kette unter den Nagel zu reissen. Zusammen mit Ganoven-Freundin Lou (Cate Blanchett) stellt sie eine Truppe von versierten Trick- und Meisterdiebinnen zusammen – denn das Vorhaben ist wahrlich kein einfaches: Die Met Gala ist ein Hochsicherheitstrakt, den es zuerst zu überwinden gilt, und besagte Halskette liegt nicht einfach irgendwo, sondern hängt am Hals der blasiert-betuchten Daphne Kluger (Anne Hathaway) – inklusive Sicherheitsschloss.

Regisseur Gary Ross («The Hunger Games») tritt für die Fortsetzung der «Ocean»-Reihe in die Fussstapfen von Steven Soderbergh, der die ersten drei Filme mit George Clooney in der Hauptrolle inszenierte und hier lediglich als Produzent fungiert.

Ross erreicht mit «Ocean’s Eight» aber nicht die Qualität der Vorgängerfilme. Dazu ist er zu wenig im Autorenkino heimisch;eine Qualität, die Soderbergh sogar bei den für seine Verhältnisse relativ leichtfüssigen Gaunerstücken immer wieder durchblicken liess. Auch ist das Drehbuch für die nun vorliegende Frauen-Variante zu simpel gestrickt, die Neben-Charaktere, welche bei Soderbergh eben gerade das Salz in der Suppe ausmachten, sind zu einsilbig, um im Gedächtnis haften zu bleiben.

Immerhin: Ross gelingt ein schwungvoller, witziger und temporeicher Kino-Diebeszug durch New Yorks berühmtestes Museum, mit ein paar mehr oder weniger überraschenden Wendungen. Der Film ist zudem vollgestopft mit Kurzauftritten von vielen Stars, die sich an der Met Gala tummeln. Heiteres Gesichter-Raten dürfte bei einigen Kinobesuchern Programm sein.

Dass «Ocean’s Eight» am Ende für einen launig-unterhaltsamen Kinoabend sorgt, liegt vordergründig an den beiden Hauptdarstellerinnen. Bullock und Blanchett sind der perfekte Beweis dafür, dass man in Hollywood als Frau weit über 40 nicht auf Kostümfilme und kauzige Nebenrollen fixiert sein muss. Die beiden Frauen sind immer noch bildschön und gehören wahrlich nicht zum «alten Eisen». Wenn der Film ein paar Produzenten, die für die weibliche Hauptrolle in ihrem nächsten Film allein der optischen Reize wegen mal wieder eine (zu) junge Aktrice verpflichten wollen, ihr Vorhaben überdenken lässt, dann hat er am Ende sogar noch etwas bewirkt, was weit über seine Mittelmässigkeit hinausreicht.

So ist es am Ende doch bezeichnend, dass man Steven Soderbergh damals vorhielt, mit seinem Remake von «Ocean’s 11» aus dem Jahr 1960 nicht an dessen Grösse herangekommen zu sein. Gary Ross wird sich die Kritik anhören müssen, nicht an die Qualität der «Ocean»-Trilogie von Soderbergh heranzukommen. Aber er hat nun wenigstens die Met Gala weltweit bekannt gemacht.

Info: In den Kinos Lido 1, Rex 1/2 und Cinedome, Biel. Auch in Grenchen und Lyss.

BEURTEILUNG BT-FILMKRITIKER
- Roger Duft: *** (von 5 Sternen)
- Nadine A. Brügger: *** (von 5 Sternen)
- Sonja Wenger: *** (von 5 Sternen)

Stichwörter: Filmkritik

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