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Filmkritik

"Love, Simon": Liebeserklärug an die Liebe

In der romantischen Komödie «Love, Simon» steht ein junger Mann im Fokus, der sich mit seiner homosexuellen Neigung auseinandersetzen muss. Das alles berührt und entlässt die Zuschauer mit einem guten Gefühl.

Freunde durch und durch: Leah (Katherine Langford) und Simon (Nick Robinson) erzählen sich (fast) alles.

von Simon Dick

Liebe ist wunderschön, aber auch schön kompliziert. Noch komplizierter ist es für jemanden, der Angst hat, seine sexuelle Neigung, die von der Gesellschaft kritisiert wird, zu offenbaren. Wie reagieren die Familienmitglieder? Und wie geht man selber damit um, wenn man sich endlich treu ist?

Der 17-jährige Simon Spier (Nick Robinson, ein eher unbekanntes Gesicht) besitzt eigentlich ein perfektes Umfeld. Seine lieben und witzigen Bilderbucheltern könnten nicht besser sein. Auch Simons Freunde kann man sich nur wünschen. Stets da, hören zu und gehen mit dem Protagonisten durch dick und dünn. Allen voran seine beste Freundin Leah (Katherine Langford, bekannt aus der Serie «13 Reasons Why»). Auch in der Schule läuft alles nach Plan. Der Rektor ist ein Kumpeltyp und auch die Schulschurken sind noch tolerierbar. Doch auch wenn in dieser Welt alles perfekt scheint, brodelt es tief im Innern.

Simon steht auf Männer. Besonders angetan ist er von einem Nachbarn, den er stets durchs Fenster beobachtet. Doch so richtig wohl fühlt er sich dabei nicht. Simon weiss, früher oder später muss er sein Umfeld damit konfrontieren, dass er nun halt etwas anders ist. Doch vorerst findet er Trost in einer anonymen Email-Freundschaft. Denn per Zufall lernt er jemanden online kennen, der dieselben Probleme hat und auch dieselbe Schule besucht. Wer versteckt sich bloss hinter dem Pseudonym?

Es kommt, wie es kommen muss: Durch die geteilte Intimität mit dem Unbekannten werden Gefühlsbarrieren gebrochen und das Herz schlägt plötzlich schneller. Simon verliebt sich und möchte den Schritt ins reale Leben wagen. Doch als er durch ein Missgeschick mit kopierten Liebes-Emails erpresst wird, muss er sich langsam aber sicher für sein Coming-out entscheiden.

Was sich dramatisch anhört und nach Online-Terror riecht, ist aber in der filmischen Wahrheit eher harmlos. Schliesslich befinden wir uns in einer romantischen Komödie, in der alles irgendwie gut wird. Auch wenn es die einen oder anderen dramatischen Szenen gibt, man muss nie wirklich Angst um Simon haben. Alleine durch sein sicheres Umfeld ist ein Scheitern der Figur fast unmöglich.

Die Buchverfilmung konzentriert sich auf das Wesentliche. Auch wenn die Homosexualität im Fokus steht, geht es in erster Linie um die Liebe und die ersten Schritte in eine Welt voller Gefühle und Gefahren. Dabei wird das Anderssein, die Anziehungskraft zum eigenen Geschlecht, nie überspitzt dargestellt. Überdrehte Stereotypen und die bekannten Gags unterhalb der Gürtellinie bleiben erfreulicherweise draussen.

«Love, Simon» ist ein leichtfüssiger Film über die Liebe und zeigt wunderschön, in was für ein Strudel ein junger Mensch geraten kann, wenn er sich richtig verliebt und mit seinen Gefühlsausbrüchen umgehen muss. Dabei spielt es keine Rolle, wo die Liebe hinfällt. Manchmal ist sie halt einfach da.

Info: In den Kinos Beluga, Rex 1/2 und Cinedome, Biel.

BEURTEILUNG BT-FILMKRITIKER
- Simon Dick: **** (von 5 Sternen)
- Roger Duft: **** (von 5 Sternen)

 

Stichwörter: Filmkritik

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