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Filmkritik

"Film Stars Don't Die in Liverpool": Bewegtes Leben, gelebte Liebe

Ein alternder Filmstar verliebt sich in einen jungen Schauspieler: Annette Bening und Jamie Bell überzeugen als ungleiches Paar in einem bemerkenswert leidenschaftlichen Film im Film.

Das Alter spielt keine Rolle:Fast drei Jahrzehnte liegen zwischen Peter Turner (Jamie Bell) und Gloria Grahame (Annette Bening).

von Beat Felber

Sie stand mit Humphrey Bogart vor der Kamera, war viermal verheiratet, ihr vierter Ehemann war der Sohn des zweiten und sie gewann einen Oscar: Gloria Grahame hatte definitiv ein bewegtes Leben, und es erstaunt schon sehr, dass ihre Geschichte erst jetzt auf die Leinwand gelangt.

Ende der 70er-Jahre wachsen Gloria Grahame (Annette Bening) die Turbulenzen rund um ihre Person und ihr Leben in Hollywood über den Kopf, weshalb sich der alternde Filmstar für ein Theater-Engagement in London entscheidet. Dort mietet sich die 54-Jährige ein Zimmer in einem Haus, in dem meist junge, unbekannte Künstler leben – unter ihnen auch Glorias Zimmernachbar Peter Turner (Jamie Bell).

Als der 26-jährige Brite seine neue Nachbarin das erste Mal bei Stimmübungen beobachtet, ist es um ihn geschehen: Knall auf Fall verliebt er sich in die rund drei Jahrzehnte ältere exzentrische Schauspielerin. Kaum hat die nun folgende Affäre Fahrt aufgenommen, begleitet Turner Grahame auch schon zurück nach Los Angeles und später nach New York. Doch dort wird die Liebe hart geprüft.

Der schottische Regisseurs Paul McGuigan («Victor Frankenstein», «Lucky Number Slevin») springt in seinem Film in der Zeit zwischen 1978 und 1981 hin und her und stützt sich dabei auf die 1987 erschienenen Lebens- und Liebeserinnerungen von Peter Turner. Heraus kommt weit mehr als eine leidenschaftliche und traurige Beziehung eines ungleichen Paares. Es ist auch das Porträt einer kontroversen, zerbrechlichen und manchmal verstörenden und absurd handelnden Frau, welche ihren glamourösen früheren Tagen hinterherläuft und manchmal erstaunlich unsicher wirkt in Bezug auf ihre Ausstrahlung.

Entstanden ist aber auch das Porträt eines Freigeists, einer faszinierend eigenwilligen Frau, die sich aus dem Korsett Hollywoods zu befreien versucht und ihren unkonventionell eigenen Weg geht, ohne Rücksicht auf berufliche oder familiäre Knicks. Sie handelt intuitiv und schonungslos – andern, aber auch sich selber gegenüber.  So auch, als sie schwerkrank auf einer Tournee zusammenbricht und den einige Monate zuvor verlassenen Peter Turner anruft und ihn inständig bittet, sie in sein Elternhaus in Liverpool zu bringen, um wieder zu Kräften zu kommen. Dort kümmern sich dann tatsächlich – fantastisch gespielt – die spröd-grummelige Bella (Julie Walters) und der trocken-liebenswürdige Joe Turner (Kenneth Cranham) hingebungsvoll um die Todkranke.

Das chronologische Hin- und Herspringen beim Erzählen der Geschichte ist ebenso faszinierend wie verstörend. Denn kaum weiss man, dass die beiden ein Liebespaar sind, sind sie auch schon wieder getrennt, um gleich darauf wieder zusammen zu sein. Dies erschwert es auf den ersten Blick, die Beziehung und deren Entwicklung hautnah mitzuverfolgen. Gleichzeitig ermöglicht es jedoch auch überraschende Perspektivenwechsel, Übergänge und Spannungsmomente. Und ja, natürlich lebt der Film auch von der grandiosen Schauspielkunst Annette Benings und Jamie Bells – beeindruckend glaubwürdig und ein wahres Vergnügen, ihnen bei der Arbeit zuzuschauen.

Info: Im Kino Rex 1, Biel. Nur 12.15 Uhr, Lunchkino.

BEURTEILUNG BT-FILMKRITIKER
- Beat Felber: **** (von 5 Sternen)

- Roger Duft *** (von 5 Sternen)
 

Stichwörter: Filmkritik

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