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Filmkritik

"Ant-Man And The Wasp": Kleiner Held - ganz gross

Es wird wieder munter geschrumpft. «Ant-Man» ist zurück auf der Leinwand und erhält diesmal nicht nur tatkräftige Unterstützung von Ameisen: Superheldenkollegin Wasp feiert ihren gelungenen Einstand.

Einen solchen Gegner wünscht man sich nicht: Ant-Man in Aktion.

von Yannik Leibacher

Nachdem Marvel-Fans in «Avengers: Infinity War» mit einem Ende konfrontiert wurden, dass einem Schlag in die Magengegend gleichkommt, geht es im Folgefilm lockerer zu und her. Auf das bisher grösste Spektakel im Marvel-Universum folgt ausgerechnet der zweite Solofilm des wohl kleinsten Superhelden. Chronologisch ist «Ant-Man And The Wasp» vor «Infinity War» angesiedelt, folglich spielt die kosmische Bedrohung keine Rolle – passend für den Helden geht es in einem wesentlich kleineren Rahmen zu und her.

Erzwungenermassen hat Scott Lang (Paul Rudd) seine Superheldenkluft an den Nagel gehängt. Nachdem er vor zwei Jahren dem abtrünnigen Captain America nach Berlin folgte («Captain America: Civil War»), wurde er von der amerikanischen Regierung mithilfe einer elektronischen Fussfessel unter Hausarrest gesetzt.

Zwar vertreibt er sich mit Zaubertricks die Zeit, doch andere Sachen wären ihm wichtiger: seine Tochter, seine Securityfirma, seine Freunde. Glücklicherweise dauert es nur noch knapp 72 Stunden, bis er seine Strafe abgesessen hat. Da sollte eigentlich nichts mehr schiefgehen. Wäre da nicht Hank Pym (Michael Douglas), der Erfinder des Ant-Man-Anzugs, der seinen Träger schrumpfen und wachsen lässt. Gemeinsam mit seiner Tochter Hope (Evangeline Lilly) ist dieser auf der Suche nach seiner Frau (Michelle Pfeiffer), die vor Jahren in der subatomaren Quantenrealität verschwunden ist. Dazu benötigt er natürlich Scotts Hilfe. Und die Zeit drängt, diverse Gegenspieler wollen den Helden an den Kragen.

Bereits der erste Teil lebte vom Geplänkel zwischen den Darstellern und dies funktioniert in der Fortsetzung immer noch genauso gut. Wenn Scotts infantiler Humor auf die mürrische Sturheit von Hank Pym trifft, macht sich ein Grinsen auf dem Gesicht breit, das nicht so schnell von dort zu vertreiben ist.

Überhaupt bewegt sich die Komik grösstenteils auf dem inzwischen bekannten Marvel-Niveau, auch wenn dieser für einige Zuschauer etwas zu kindisch und einfach gestrickt sein dürfte. Zudem verlässt sich Regisseur Peyton Reed, der auch für das Drehbuch verantwortlich war, zu häufig auf Callbacks auf den ersten Film.

Zwar kommt die aus Kinderbüchern bekannte Figur «Thomas – die Lokomotive» zu keinem zweiten Gastauftritt, dafür erschweren riesige Pez-Spender den (leider langweiligen) Bösewichten in den Strassen von San Francisco das Leben.

Wie es sich für eine Comicumsetzung gehört, kommt die Action schnell und heftig daher. Nur dass diesmal Hope van Dyne am meisten abbekommt. In ihrem Alter-Ego als Superheldin Wasp stiehlt sie dem eigentlichen Hauptcharakter mehr als einmal die Show, egal ob sie nun in einer Restaurantküche einen Haufen Gauner neutralisiert oder in Autoverfolgungsjagden involviert ist.

Dank der Schrumpftechnik können überdies auch Fahrzeuge auf die Grösse von Spielzeugautos verkleinert werden, wodurch sich für die Actionszenen ganz neue – und sehr unterhaltsame – Möglichkeiten ergeben. So gross und massig wie Ant-Man zum Schluss der Handlung auch wird, der Film bleibt bis ans Ende leichtfüssig und gut verdaulich.

«Ant-Man And The Wasp» macht Spass. Dem Film fehlt aber die emotionale Wucht von «Avengers: Infinity War» und die thematische Tragweite von «Black Panther». Für einmal ist dies durchaus als Kompliment zu verstehen.

Info: In den Kinos Rex 1 und 2 und Cinedome, Biel. Auch in Grenchen.

BEURTEILUNG BT-FILMKRITIKER
- Yannik Leibacher: *** (von 5 Sternen)
- Simon Dick: *** (von 5 Sternen)
- Roger Duft: **** (von 5 Sternen)

 

Stichwörter: Filmkritik

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