Sie sind hier

„Krawattenzwang“

Playoffs und der Redaktionsschluss

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Playoffs und der Redaktionsschluss.

Krawattenzwang: Bernhard Rentsch
  • Dossier

Heute Abend startet der EHC Biel in die Playoff-Halbfinals. Halb Biel fiebert mit, halb Biel träumt von mehr. Auch wir beim "Bieler Tagblatt" widmen dem Eishockey aktuell viel Zeit und Platz –  für einige zu viel, was wir dann auch immer wieder in aller Deutlichkeit zu hören bekommen.

Mit den Playoffs haben sich für Printmedien neue, bisher in diesem Mass unbekannte Schwierigkeiten ergeben. Die Druckdaten müssen täglich minutengenau in der Druckerei eintreffen. Im Druckzentrum Bern werde jede Nacht mehrere Zeitungen gedruckt und spediert, das Minütelen ist entscheidend.

Was tun, wenn der Eishockeyverband die Anspielzeiten einheitlich auf 20.15 Uhr festlegt und im Reglement bei unentschiedenem Spielstand unlimitierte Verlängerungen in Aussicht stellt? Vorausplanen, Szenarien für die unmöglichsten Situationen erstellen –  so unsere Reaktion. Konkret:

Die Spiele werden einigermassen zeitig fertig, das heisst bis etwas 22.30 Uhr: Der Sportredaktor verfasst im Stadion einen normalen Bericht und die Seiten werden „in time“ abgeschlossen.

Das Spiel dauert zu lange oder geht in die Verlängerung –  für eine Vollversion in der Printausgabe reicht es nicht: Der Sportredaktor schliesst seine Berichterstattung um 22.45 Uhr ab. Der Artikel wird mit dem Hinweis ergänzt, dass die Endversion der Berichterstattung auf der Webseite gelesen werden kann.

In diesem Fall und bei unendlicher Veränderung bis nach Mitternacht: Der Sportproduzent bleibt in der Redaktion und aktualisiert die Webseite laufend, bis zum Ende irgendwann.

Wir sind bereit –  und mehr noch: Es gibt einzelne, die sich sehr gerne auf ein solches Abenteuer einlassen würden und sich eine erste Verlängerung schon fast herbeisehnen. Dabei bin ich überzeugt, dass auch da eine Superleistung erbracht würde. Auch deshalb: Die Prämie des Chefs bei dieser ausserordentlichen Situation wäre ein T-Shirt mit der Aufschrift „ja, ich war dabei“. Versprochen.

 

brentsch@bielertagblatt.ch
Twitter: @BernhardRentsch

Nachrichten zu Sport »