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FC Biel

«Stelle kein Nachlassen fest»

In der Rückrunde kann das Baumann-Team bislang nicht an ansprechende Vorrunde anknüpfen. Das hat Gründe, sei aber gemäss Präsident Dietmar Faes nicht beim Trainerwechsel zu suchen.

Dietmar Faes. Bildquelle: Bieler Tagblatt

Interview: Beat Moning
Dietmar Faes, die Rückrunde verläuft harzig und noch bleiben sechs Partien. Wie sehen sie diesen Spielen entgegen?
Dietmar Faes:Die Vorrunde war wirklich gut, die Rückrunde entspricht nicht unseren Vorstellungen. Trotzdem, wir lassen es jetzt nicht einfach «fahren». Ziel war Rang sieben, an sich sind wir mit dem fünften Platz im Soll.

Ziel war aufgrund der Ausgangslage aber auch die Teilnahme an den Aufstiegsspielen. Zumindest teamintern. Platz eins und zwei wird schwierig, Platz drei bei entsprechender Punktezahl noch möglich.
Da müssen wir jetzt einfach realistisch bleiben. Zehn Punkte Rückstand auf die beiden Erstklassierten, sind viel. Black Stars wie Solothurn empfangen wir allerdings noch in Biel. Die Chance bleibt, aber viele Punktverluste leidet es nicht mehr. Eigentlich gar keine mehr.

Der FC Biel hat entschieden, mit Trainer Kurt Baumann nicht zu verlängern, und er hat mit Anthony Sirufo, der mit dem FC Bassecourt im Abstiegskampf steckt, bereits den neuen Trainer präsentiert. Sehen Sie einen Zusammenhang, dass die Resultate nicht stimmen?
Nein, da mache ich nun wirklich keinen Zusammenhang aus. Der Siegeswille ist nach wie vor da, das Engagement im Training und im Spiel auch. Uns fehlen derzeit wichtige Spieler verletzungsbedingt oder nach Sperren, Kastriot Sheholli kam erst wieder zurück, einigen Spielern fehlt die Spielpraxis. Es kommt gerade viel auf uns zu und wir büssen für die fehlende Erfahrung in dieser Liga, die bedeutend mehr Qualität aufweist als die vorhergehenden Ligen in der 2. Liga.

Jene Spieler, die nicht viel zum Einsatz gelangten, und seien wir ehrlich, da fehlt auch teilweise die Qualität, können sich zeigen und sich für die nächste Saison empfehlen. Tun Sie das?
Wie gesagt, der Einsatz stimmt. Die Fehlerquote ist einfach zu hoch und vorne machen wir die Tore nicht. Für mich ist es vor allem die fehlende Erfahrung.
Es geht nun um die Zusammensetzung des nächsten Kaders. Wie sieht die Planung aus?
Die meisten Spieler wollen bei uns bleiben. Das haben diverse Gespräche gezeigt und das freut uns grundsätzlich. Sie können sich jetzt nicht nur aufdrängen, sondern sie können sich auch beim abtretenden Trainer mit Leistung bedanken. So sehe ich das jedenfalls. Aber es bleibt natürlich nicht verborgen, wenn das jemand nicht oder ungenügend tut.

Den Trainer für die nächste Saison haben Sie unter Vertrag. Was sind die nächsten Schritte in diesem Prozedere 2019/20?
Unser Sportchef spricht mit den Spielern und auch mit neuen Kandidaten. Er steht diesbezüglich mit dem neuen Trainer in Kontakt. Sogar Kurt Baumann, der ein gutes Netzwerk hat, ist in diesem Prozedere eingespannt.
Sie wollen Spieler, die die Mannschaft, die den Verein, weiterbringen. Was heisst das?
Weiterbringen heisst, dass der FC Biel in dieser 1. Liga vorne wird mitspielen und eines Tages auch ernsthaft um den Aufstieg in die Promotion League wird spielen können. Wir wissen um unsere Baustellen und bemühen uns nun darum gezielt, diese zu bearbeiten.

Zu diesen Baustellen gehört sicher die ganze Struktur. Der neue FC Biel ist eben noch neu. Es fehlt der Unterbau, beziehungsweise jene Spielklassen ab Juniorenbereich bis zu dieser 1. Liga. Was dann dazu führt, dass eben diese Spielpraxis bei jenen Akteuren, die nur trainieren und auf der Bank sitzen, fehlt.
Nicht zu vergessen, dass gewisse Zusammenarbeiten, etwa mit Xamax, bestehen. Aber klar, es fehlt uns eine 2. Mannschaft in einer entsprechenden Liga. Es ist schwierig, Spieler für einen Neubeginn in der 5. Liga zu finden. Da sind wir auch finanziell noch nicht so aufgestellt, um uns dies leisten zu können. Im Moment muss halt das Meiste in die 1.-Liga-Mannschaft fliessen. Aber ich kann mir vorstellen, dass wir noch enger mit einem 2.-Liga-Verein aus der Region zusammenspannen. Aber richtig ist, dass wir in verschiedener Hinsicht noch im Aufbau sind.

Könnte in diesem Aufbau nicht auch Kurt Baumann, der ein Herz für den FC Biel hat, weiterhelfen?
Absolut. Nach unseren Entscheidungen erlebe ich Kurt als Mensch und Trainer mit nach wie vor viel Leidenschaft. Ich verstehe, dass er nach unserem Entscheid traurig war, aber die Stimmung im Team ist weiterhin gut, er tut alles dafür, dass wir Erfolg haben. Wir stellen kein Nachlassen fest. Es würde mich freuen, könnten wir ihn in irgendeiner Funktion behalten.

Haben Sie schon Vorstellungen?
Nein, aber da gibt es schon verschiedene Möglichkeiten, die für beide Seiten interessant sein können. Ob im Nachwuchs, im Scouting, in den erwähnten Strukturbereinigungen usw.

 

Noch sechs Runden mit Ziel Platz 3

Noch stehen für den FC Biel sechs Runden in der 1. Liga, Gruppe 2 an. Die nächste Partie wird auswärts gegen die zweite Mannschaft des FC Luzern ausgetragen (morgen, 14.30 Uhr), bevor es nach Ostern mit dem Heimspiel gegen den aktuellen Leader und Cup-Bezwinger Black Stars weitergeht (28. April um 15 Uhr). Nach wie vor fehlen Kurt Baumann diverse Leistungsträger. «Das bessert sich erst nach Ostern», sagt der Ende Saison abtretende Trainer voller Hoffnung auf Besserung der aktuellen Lage. Bei diesem Substanzverlust sei es nicht einfach, zu punkten. «Aber wir haben jetzt keine Wahl mehr, wollen wir uns noch nach vorne orientieren. Es bleibt schon unser Ziel, diesen Aufstiegsrundenplatz noch zu holen.» Dabei seien Black Stars und Solothurn wohl inzwischen bei zehn Zählern Rückstand zu weit weg. «Aber es gibt eben noch diesen dritten Platz, wenn wir gegenüber den anderen Gruppendritten genügend Punkte holen können», so der Lengnauer.
Klar habe er in den letzten Wochen nach Bekanntgabe der Trennung und bei der Suche des neuen Coaches eine gewisse Unruhe ausgemacht. «Jetzt aber herrscht Klarheit und alle können sich danach richten. Es gibt keine Ausreden», sagt Baumann, nach dem die Mannschaft am letzten Samstagabend vom Trainerwechsel erfahren und am Sonntag nach dem Match noch näher orientiert worden ist.
Am 11. Mai um 18 Uhr wird Bassecourt, das Team des neuen Biel-Trainers Anthony Sirufo, in der Tissot Arena zu Gast sein. Baumann, der in dieser Woche in Thun als Instruktor für angehende Fussballtrainer auf dem Platz stand und sich künftig durchaus eine Funktion beim FC Biel vorstellen kann, meint: «Es kann mich unter dieser Besonderheit alter gegen neuer Trainer, der sich in der Liga mit dem Team halten will, nicht interessieren. Ich will einfach gewinnen. Für die Spieler ist es aber bestimmt eine gute Gelegenheit, sich zu zeigen.» Präsident Dietmar Faes erwartet ein emotionales Derby. «Das Spiel hat eine gewisse Brisanz», meint er. Zumal Biel weiterhin Ambitionen hat und der Gegner eben gegen den Abstieg kämpft. «Ich gehe davon aus, dass beide Teams dem Gegner ein Bein stellen will.» Die Saison, die dritte seit dem Neustart und den beiden Aufstiegen in die 2. Liga interregional und 1. Liga, geht am 25. Mai mit dem Heimspiel gegen Solothurn zu Ende. bmb

Stichwörter: FC Biel, Dietmar Faes

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