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EHC Biel

Grenzenlose Möglichkeiten

14 Millionen Franken setzt der EHC Biel um. 20 Millionen müssten es wohl sein, um ein Spitzenteam mit Meisterambitionen 
zu formen. Was ist in Biel noch möglich? Teil 2 der Serie «Vor der 10. NLA-Saison».

21. August 2015: Der EHC Biel bestreitet in der neuen Arena das erste Spiel und läutet eine neue Ära ein. Bild: Julien Lovens/a
  • Dossier

Beat Moning

Die früheren Marketingdirektoren beim EHC Biel (Adrian Marti, Pascale Berclaz) sprachen schnell einmal von «Knochenarbeit». Wer nicht auf Mäzene oder Grosssponsoren zurückgreifen kann, dem bleibt meist nichts anderes übrig, als «abzugrasen». Will heissen: Kundenpflege, und sind diese Kunden noch so klein. «Der EHC Biel lebt von seiner Breite», ist ein Satz von EHC-Manager Daniel Villard.

Zwar stieg das Interesse beim EHC Biel nach etwa zehn NLA-Betteljahren Ende der 80er-/Anfang der 90er-Jahre in der alten Ära und den 13 NLB-Jahren, die im Zeichen der Rettung und des Wiederaufbaus standen. Doch ein Quantensprung im finanziellen Bereich erreichte der EHC Biel nur, wenn entsprechend «grosse Ereignisse» anstanden, beziehungsweise verwirklicht wurden. Beim Aufstieg 2008 (Budget stieg von drei auf rund acht Millionen, auf einen Schlag über 1000 Stammzuschauer mehr) und beim Umzug in die neue Arena 2015. Auch da konnte das inzwischen schon erhöhte NLA-Budget noch einmal um drei Millionen auf 14 Millionen Franken hinaufgeschraubt werden, auch da konnte der Zuschauerschnitt gegenüber dem Eisstadion noch einmal erhöht werden.

Drei Säulen
Der EHC Biel verliess sich in den letzten Jahren stets auf das Drei-Säulen-Prinzip: Zuschauer, Donatoren, Sponsoren. In jedem Bereich wurden jährliche Steigerungen erzielt. Wenn auch mit Dämpfern verbunden: Nach der ersten Saison in der neuen Arena (mit Logo-Streit, Schläpfer-Nati-Diskussion, 12. Rang) gab es im Schnitt 400 Fans weniger. Auch bei den Donatoren und den Sponsoren hat der Kampf Einzug gehalten, zumindest den Stand zu halten. Dies nachdem die Möglichkeiten im alten Eisstadion völlig ausgeschöpft waren und neue Sponsoren kaum mehr akquiriert werden konnten.

Gastro in der Gewinnzone
Das Zuschaueraufkommen dürfte in der nächsten Saison wieder etwas grösser sein, mutmasst man beim EHC Biel. «Die Zeichen dafür stehen gut. Aber noch ist es zu früh, Bilanz zu ziehen», sagt Villard. Eine Saison mit einer Playoffteilnahme hat sich in der Regel auf die kommende Saison jedoch stets positiv ausgewirkt.

Die Frage, die sich für den EHC Biel in Zukunft stellt: Wo liegen noch merkliche Steigerungen drin, um den nächsten Schritt zu machen – oder auch nur mit der Konkurrenz ausserhalb der Grossklubs mitzuhalten? «Wir haben ohne Zweifel noch Potenzial», ist Daniel Villard beim Blick in die Arena überzeugt. Er weiss, man hat zwar personell in den letzten Monaten aufgestockt (siehe BT vom letzten Samstag), weitere Anstrengungen sind jedoch nötig. An Ideen fehlt es nicht. Namentlich im Gastrobereich. Der hat bislang gekostet (das BT berichtete) und muss nun in die Gewinnzone geführt werden. «Mit unserem neuen Geschäftsführer liegen schon einige Pläne vor.» Kommunizieren will man im August – und man darf wahrlich nach all den Problemen in den ersten beiden Jahren gespannt sein. Von Langnau ist zu hören, dass in diesem Bereich gegen eine Million Franken in den Klub fliesst. Villard: «Das muss auch unser mittelfristiges Ziel sein.» Ideen gibt es beim EHC Biel mit einer neuen VIP-Kategorie. «Wir wollen da aber keine Verlagerung im Donatorenbereich, sondern 20 bis 25 neue Leute, die sich mit 30 000 Franken jährlich im sogenannten Axes-Klub engagieren und so zu einer zusätzlichen Einnahmemöglichkeit beitragen.»

Kommerzieller Unterbruch
Bei den verschiedenen Vermarktungsmöglichkeiten sind nach wie vor neue Produkte gefragt – und auch umsetzbar. Aktuell konnte das Hintertor-Netz vermarktet werden. Andere Flächen wurden aber auch schon von der Betreiberin CTS AG abgelehnt. Wie etwa die Treppenwerbung. Da bringt Villard Verständnis auf, müssten diese doch bei jeder anderen Veranstaltung mit grossem Aufwand überdeckt werden.

Was kommen wird (wenn auch nicht für diese Saison), sind während den Eishockeyspielen das sogenannte «Commercial break», analog der Unterbrechungen für TV und Stadionwerbung an den WM-Partien. Und wo finden sich die neuen Sponsoren? «Wir strecken unsere Fühler nun mit einem neuen Verkäufer vermehrt auch Richtung Neuenburg und Berner Jura aus. Aber auch Richtung Solothurn sehen wir noch Möglichkeiten», sagt Villard. Zudem habe es in der Region selber noch immer viele Firmen, «die von uns noch gar nie etwas gehört haben.» Der Manager ist überzeugt: «Mit dem neuen Stadion und unseren Strategien auch im Nachwuchsbereich haben wir an Attraktivität gewonnen.» Das gelte es in Zukunft in die Waagschale zu werfen.

Wer weiss: Auch wenn Richtung (SC) Bern und den Grossstädten Zürich und Genf sponsorenmässig wenig möglich ist, die Fühler könnte der EHC Biel in diesem Fall noch international ausstrecken. Dazu muss er sich aber weiter vorne konstant klassieren können.

Info: Teil 3 der vierteiligen Serie folgt in der nächsten Woche. Thema: Der Ausbildungsklub.

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Entwicklung

Zuschauer im Schnitt

  • Letztes NLB-Jahr 07/08: 2289
  • Erstes NLA-Jahr 08/09: 5014
  • Letztes Eisstadion-Jahr 14/15: 4676
  • 1. Saison neue Arena 15/16: 5896
  • 2. Saison neue Arena 16/17: 5496

Budget

  • Letztes NLB-Jahr 07/08: 3,8 Mio
  • Erstes NLA-Jahr 08/09: 8 Mio
  • 1. Saison neue Arena 15/16: 10 Mio
  • Budget 16/17: 14 Mio

Donatoren

  • Letzte NLB-Saison 07/08: 0,8 Mio
Erste NLA-Saison 08/09 bis letztes Eisstadion-Jahr: zw. 1,7 und 2,7 Mio
  • In der neuen Arena: 3,7 Mio. bmb

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