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Eishockey

Sechs Mal «The Final Countdown»: Biel geht in Bern unter

0:6-Niederlage in Bern. Beim EHC Biel passt einiges nicht zusammen.

Symbolbild: pixabay.com

Zwei Dekaden verband Lars Leuenberger die eingängige Synthesizer-Melodie von «The Final Countdown» mit Glückseligkeit. Seit dieser Saison ist der frühere Spieler und Trainer des SC Bern jedoch für den EHC Biel zuständig. Und gestern wuchs sein Frust mit jedem Neuerklingen des Berner Tor-Songs ins Unermessliche. Allein im zweiten Drittel konnte der Stadion-DJ die zeitlose Komposition innert zehn Minuten vier Mal auflegen. 4:0 – das zweite Derby innert drei Tagen, das vorerst letzte vor 1000 Fans, war gelaufen. Am Ende siegten die Mutzen 6:0.

Die Stadtberner gingen mit ihren Möglichkeiten wie schon dienstags effizient um. Und hinten liessen sie den Bielern kaum Raum zur Entfaltung. Wobei, Berns Effizienz und Kompaktheit war das eine, Biels Fehlerquote und fehlende Durchschlagskraft das andere. Immer wieder stimmte die Zuordnung nicht. Immer wieder standen sich die Seeländer auf engstem Raum auf den Schlittschuhen, anstatt die Weite und Breite des Eisfelds unter Kontrolle zu bringen. Beim 0:3, zum Beispiel, war Mika Henauer völlig vergessen gegangen. Einzig der erste Gegentreffer war unglücklich zustande gekommen. Goalie Elien Paupe, der erneut den Vorzug erhielt, war von einem Puck an der Maske getroffen worden und kurzzeitig desorientiert. Doch Gleiches galt für seine Vorderleute, die in dieser Szene zwar ohne am Kopf getroffen worden zu sein, kopflos agierten. Das 0:2 musste Paupe auf seine Kappe nehmen, das 0:4 war in der jungen Saison gleichwohl schon ein Klassiker unter den Bieler Gegentoren: Konter.

Das Coaching-Team hatte im Vorfeld auf die ungenügenden Darbietungen in der Defensive mit Rochaden in der Aufstellung reagiert. Das ging nicht auf. Das neue Duo Forster/Lindbohm stand bei drei Gegentreffern auf dem Eis, Forster sogar noch bei einem weiteren. Desaströs liest sich auch die Bilanz der ersten Sturmlinie: minus 3.
Null Punkte aus zwei Spielen gegen Bern – das ist zu wenig gegen einen Gegner, der davor bescheiden in die Saison gestartet war. Zeit, um über die Bücher zu gehen, bleibt dem EHCB nur begrenzt. Morgen Sonntag trifft er im Cup-Achtelfinal auswärts auf Lausanne. Gegen denselben Gegner also, gegen den die Bieler mit einem 6:0 so glamourös in die Meisterschaft gestartet waren. Nach dem gestrigen 0:6 scheint das ewig her. bil

Ausführlicher Bericht mit Reaktionen des EHC Biel zum jüngsten Entscheid der Berner Regierung im BT vom Samstag

Telegramm:

Bern - Biel 6:0 (0:0, 4:0, 2:0)
Postfinance Arena. - 999 Zuschauer. - SR Salonen/Müller, Fuchs/Obwegeser.
Tore: 23. Pestoni 1:0. 28. Jeremi Gerber (Jeffrey) 2:0. 31. Henauer (Pestoni) 3:0. 34. Scherwey (Jeffrey) 4:0. 41. (40:33) Brithén (Praplan, Simon Moser) 5:0. 52. Sciaroni (Bader, Thiry) 6:0.
Strafen: je 2mal 2 Minuten.
Bern: Karhunen; Untersander, Henauer; Andersson, Beat Gerber; Thiry, Zryd; Burren; Scherwey, Jeffrey, Pestoni; Praplan, Brithén, Simon Moser; Sciaroni, Neuenschwander, Ruefenacht; Berger, Heim, Jeremi Gerber; Bader.
Biel: Paupe; Lindbohm, Forster; Kreis, Janis Moser; Fey, Rathgeb; Sartori; Hofer, Ullström, Rajala; Brunner, Cunti, Künzle; Fuchs, Nussbaumer, Hügli; Kohler, Gustafsson, Tanner; Schläpfer.
Bemerkungen: Bern ohne Blum (verletzt), Haas (krank) und Colin Gerber (überzählig). Biel ohne Lüthi, Pouliot (beide verletzt), Ulmer (vorsorgliche Quarantäne) und Kessler (Isolation). 30:02 Timeout Biel. 54. Künzle scheidet verletzt aus.

 

 

Stichwörter: Eishockey, EHC Biel, SC Bern, Derby

Kommentare

Biennensis

Von der finanziellen Achterbahnfahrt (@powerplay) ganz zu schweigen. Die brutale 0:6-Schlappe in Bern ist das weitaus kleinste Problem. Mit den angekündigten vier Wochen „Lockdown light“ hat der finanzielle Überlebenskampf definitiv an Fahrt zugelegt. Wer glaubt, dass es in vier Wochen weitergeht, der lebt wohl in einer eigens zusammengebastelten Traum- und Fantasiewelt. Wir haben erst Oktober und der Winter mit seiner Schnupfen- und Hustenzeit steht erst noch vor der Tür. „Meine schlimmste Befürchtung ist“, dass die Saison 2020/2021 bereits Geschichte ist. Für die nächste Woche sind drei Geisterspiele geplant. Für mich stellt sich die Frage nach dem Sinn und Zweck der Übung, weil ein Durchspielen der Saison unter allen Umständen bei allen Klubs rote bis tiefrote Zahlen verursacht. Das Problem: Sind keine oder ist nur eine limitierte Anzahl Zuschauer erlaubt, dann müssen alle Saisonticket-Inhaber für die Spiele entschädigt werden, die sie nicht besuchen können. Entweder durch Rückzahlung oder Übertragung auf die nächste Saison. Ich jedenfalls möchte in der jetzigen Situation nicht in der Geschäftsleitung des EHCB sitzen.


powerplay

Was für eine Achterbahnfahrt! 6:0 gegen Lausanne, 0:6 gegen Bern - dazu CORONA, das die ganze Welt verrückt macht. Die Sportklubs, die auf Zuschauer angewiesen sind, tun mir wirklich leid.


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