Sie sind hier

Abo

EHC Biel

Die Suche nach dem geeigneten Mix

In der Liga spricht man gerne von einer Zweiklassen-Gesellschaft. Und bei der «zweiten Klasse» gerne von einem Ausbildungsklub. Beim EHCBiel hört man es nicht so gerne. Teil 3 der vierteiligen Serie «Vor der 10. NLA-Saison».

EHC Biel: Es geht um das Team, aber eben auch um Personen. Bildquelle: Bieler Tagblatt
  • Dossier

Beat Moning

Wie stellt man eine Mannschaft mit dem bestmöglichen Mix zusammen? Eine Frage, die sich der EHCBiel nicht zuletzt aus finanziellen Gründen stets überlegen musste. Als Aufsteiger hatten es die Seeländer nicht leicht, auf dem Markt eine konkurrenzfähige Truppe zusammenzustellen. Zweimal landete man so in der Ligaqualifikation, zweimal rettete man sich 2009 und 2010 gegen Lausanne im siebten Match und etlichen Feuerwehrübungen im Trainerbereich. Seither haben die Bieler immer wieder Pflöcke eingeschlagen und mit Talenten und NLA-Überzähligen ein gutes Händchen auf dem Transfermarkt glänzen können. Dass diese Akteure dann früher oder später wieder wegziehen, ist nicht weiter verwunderlich. Sportchef Martin Steinegger wie Manager Daniel Villard wissen: Es braucht einen Stamm und darum herum kann «gearbeitet» werden. Über Jahre hinweg bildeten Spieler wie Gossweiler, Wellinger, Fröhlicher, Steinegger, Gloor, Peter, Ehrensperger, Wetzel und Tschantré das Gerippe schlechthin. Das bröckelte in den letzten Jahren, zumal es die treuen Spieler unabhängig von Ambitionen und Lohn nur noch selten in einem Klub über eine längere Zeitspanne hält.

Fehler korrigieren
Das kann sich ändern, wenn der Nachwuchs entsprechend stark ist und Spieler auch seriös «nachgezogen» werden. In den letzten Jahren hat der EHCBiel diesbezüglich nicht immer geglänzt. Akteure wie Weisskopf, Sataric, Rouiller, Stoller, Wyss, Mosimann oder Horansky, der diesen Frühling nicht verlängert werden konnte, könnte man sich durchaus als Eigengewächse in Biel vorstellen.

«Es sind Fehler begangen worden», gibt Daniel Villard zu. «Wenn wir ehrlich mit uns sind, dann hat Biel gerade mal Gaëtan Haas in den letzten Jahren herausgebracht. Das ist natürlich zu wenig und das wollen wir künftig auch anders angehen.» Mit anderen Worten: Biel hat im Nachwuchs Erfolge vorzuweisen. Die Teams sind in den höchsten Ligen vertreten und einzelne Spieler schaffen den Sprung in die Junioren-Nationalmannschaften. An der ganz grossen Breite fehlt es zwar nach wie vor, aber es gibt sie, die Lichtblicke.

Neue Strategie
Der EHCBiel verfolgt in Zukunft eine klare Strategie. Villard: «Mittelfristiges Ziel ist, die dritte und vierte Linie mit eigenen Spielern zu füllen.» Es stecken auch wirtschaftliche Gründe dahinter. Einerseits die Identifikation mit der Region, andererseits kann man Kosten einsparen. Derzeit zahlen die Bieler anderen Klubs bedeutend mehr Ausbildungsentschädigungen als sie zum Beispiel von Spielern wie von Gunten und Haas einnehmen. Im Moment geht es da um eine sechsstellige Summe. «Um mitzuhalten, müssen wir diesen Weg gehen, damit wir in die beiden ersten Formationen weiter investieren können», sagt Martin Steinegger. Nur so könne man sich künftig mehr als einen Hiller oder einen Forster und gute Ausländer leisten.» Villard geht noch weiter: «Wir waren die Bettler der Liga und zahlen noch heute vielen Spielern Löhne unter dem Durchschnitt. Aber nur so ist es im Moment möglich, ein NLA-Team zusammenzustellen.» Dass unter diesem Aspekt vor allem die Trainer gefordert sind, versteht sich von selbst. Biel hat in den letzten Jahren allein mit den vier Playoff-Teilnahmen mehr als ein Optimum herausholen können.

Jahrgänge gut verteilt
Und dann wäre man eben bei diesem optimalen Mix, der über vier, fünf Linien stimmen muss. Im 10. NLA-Team figurieren drei Spieler bis 20 Jahre (Goalie Baud, Suleski, Nussbaum), sieben bis 25 Jahre (Dufner, Hächler, Jecker, V. Lüthi, Kreis hinten sowie Neuenschwander und Fuchs), sieben bis 30 Jahre (Fey, Maurer, Steiner hinten, F. Lüthi, Pedretti, Rajala, Schmutz im Sturm), sieben bis 35 Jahre (Forster als Verteidiger, Earl, Micflikier, Pouliot, Tschantré, Wetzel, Joggi im Sturm) sowie mit Fabian Sutter und Hiller zwei Spieler bis 40 Jahre. Ein guter Mix? Martin Steinegger ist überzeugt davon.

********************

Höhere Aufgaben

Biel hat in diesen ersten neun NLA-Jahren immer wieder junge Akteure aus der NLB und 4.-Linien-NLA-Spieler holen können, die den EHC als Sprungbrett betrachtet haben. Früher oder später musste man mit ihrem Abgang rechnen. Clarence Kparghai, Kevin Lötscher, Anthony Huguenin, Ramon Untersander, Dario Trutmann, Reto Berra, Thomas Wellinger, Marc Wieser, Steve Kellenberger sind so Namen, die dieser Kategorie zugeordnet werden können. Die meisten haben den Sprung geschafft, andere blieben stehen, weil sie nicht mehr die gleiche Aufgabe zugeteilt erhielten. Letzte Abgänge dieser Kategorie: Haas, Rossi, D. Sutter.

Finanziell uneinig

Der EHCBiel war über Jahre hinweg im Konkurrenzkampf um die Löhne unterlegen. Das begann bei den Verhandlungen, das endete damit, dass man Lohnforderungen nicht erfüllen konnte oder wollte. «Wir vergolden keine Spieler» ist etwa ein Satz von Sportchef und Manager. Oft aber ging es um eher wenig, denn um mehr (Trunz, Kamber, Miéville, Jelovac), bei anderen waren die Differenzen schlicht zu gross. Dave Sutter zum Beispiel wollte gar nicht erst verhandeln. Da riefen die ZSCLions. Auch Rossi konnte dem Gottéron-Angebot nicht widerstehen und bei Haas ist es halt, wie es ist. Wer Meister werden will, kann nicht in Biel bleiben.

Rückkehrer

Der EHCBiel hat einige Spieler weitergebracht und sie dann als komplettere Spieler verloren. Aber einige kamen auch wieder zurück und das könnte auch künftig der Fall sein. Zu den Rückkehrern gehörten zwei Spieler, die, inzwischen wieder gegangen sind. Teilweise der Kategorie «finanziell uneinig» zuzuordnen: Thomas Wellinger und Anthony Huguenin kehrten von Bern und Fribourg zurück, nun sind sie in Lugano und Langnau. Joël Fröhlicher kehrte kurz nach dem Aufstieg 2008 von Langnau zurück. Dann ging es um finanzielle Differenzen. Auch Miéville, der verlorene Sohn, tauchte in Biel zweimal wieder auf.

Getäuscht

Fünf bis zehn Transfers pro Jahr sind keine Seltenheit. Und da kann man sich dann auch mal täuschen. Oft holt man Spieler aus der Not heraus, hofft, dass sie unter einem anderen Trainer ihr Potenzial ausschöpfen. Claudio Neff wurde nicht verlängert, auch Nüssli nach einem allerdings starken ersten Jahr, Brägger, Seydoux, Moser, Berthon, Lauper, Meili und Daniel Steiner nicht mehr. Es sind auch Spieler darunter, bei denen man unter Umständen noch etwas hätte zuwarten können. Spieler, die heute in anderen Vereinen Leistungsträger sind: Fischer, Randegger oder Kamerzin. Bei einigen Akteuren war auch das Verhältnis mit dem Trainer zerrüttet.

 

Stichwörter: EHC Biel

Nachrichten zu Aktuell »