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Schwingen

Zwei Favoriten geschlagen - Wicki, Stucki und Orlik auf Kurs

Nach dem ersten Tag des Eidgenössischen Schwingfests sind zwei der fünf Favoriten überraschend bereits geschlagen. Samuel Giger und Pirmin Reichmuth verabschieden sich nach dem 3. Gang aus dem Rennen.

(sda) Kaum jemand hätte gedacht, dass Giger gegen den Luzerner René Suppiger, der nicht einmal innerhalb des Innerschweizer Verbandes eine besondere Stellung einnimmt, platt auf dem Rücken landen würde. Genauso wenig hätte man damit gerechnet, dass sich Reichmuth vom Berner Nichteidgenossen Dominik Roth in einen Gestellten zwingen lassen würde.

Diese Enttäuschungen allein hätten Giger und Reichmuth nicht aus dem Rennen geworfen. Aber sie hatten davor schon gegen je einen Favoriten verloren: Giger - für viele überraschend - gegen den erst aufs Fest von einer Verletzung zurückgekommenen Nick Alpiger und Reichmuth nach einem Plattwurf des grossartig auftrumpfenden 34-jährigen Christian Stucki.

Wer an einem Eidgenössischen über acht Gänge zwei Gänge nicht gewinnt, hat so gut wie keine Aussichten, in den Schlussgang zu kommen. Samuel Giger und Pirmin Reichmuth sind aber Böse von einer besonderen Güte. Sie müssen sich nichts anderes als den Königstitel zum Ziel setzen.

So bleiben von den ursprünglich fünf seriösen Kronprinzen noch drei im Rennen. Diese drei schwangen dafür umso imposanter: Joel Wicki, Armon Orlik und Christian Stucki, die alle vier Gänge gewannen und sich als Co-Leader nur je einen Viertelpunkt abziehen lassen mussten.

Wenn man bedenkt, dass er von Anfang Mai bis Anfang August wegen einer Bänderverletzung im Knie nicht hatte schwingen können, kam man bei den Leistungen des 34-jährigen Christian Stucki am ersten Wettkampftag nicht aus dem Staunen heraus. Nach dem anfänglichen platten Sieg gegen den Pirmin Reichmuth bettete der Seeländer Riese drei weitere Gegner auf unwiderstehliche Art ins Sägemehl, zuletzt den Urner Matthias Herger.

Von den vier jungen Königsanwärtern Giger, Orlik, Reichmuth und Wicki hatte Armon Orlik im 1. Gang eine besondere Aufgabe. Er musste sich gegen Matthias Glarner zur kleinen Revanche für den Schlussgang von Estavayer 2016 stellen. Glarner hielt sich lange wacker, landete aber dennoch auf dem Rücken.

Der Kurzarbeiter des Tages war indessen Joel Wicki. Der nicht sehr grosse, aber über eine ungewöhnlich grosse Muskelmasse im Oberkörper verfügende Entlebucher begann gegen den recht hoch gehandelten Matthias Aeschbacher, den dreifachen Saisonsieger aus dem Emmental. Wicki liess Aeschbacher nur ein paar Sekunden stehen, genau wie die drei nachfolgenden Gegner. Im Gesamten stand der Sörenberger nur etwas mehr als eine Minute auf dem Platz.

Der noch bis Sonntagabend regierende König Matthias Glarner erlebte einen mühseligen Tag. Nur dank der Maximalnote im 4. Gang gegen Urs Doppmann erreichte der Berner Oberländer den Wettkampf des zweiten Tages. Nach der anfänglichen Niederlage gegen Orlik ärgerte sich Glarner vor allem über die beiden nachfolgenden Gestellten gegen Gegner, die er nach Papierform hätte bezwingen müssen, auch wenn man die schwierige Zeit des Meiringers nach dem furchtbaren Sturz von der Gondel im Juni 2017 berücksichtigt.

Nick Alpiger - für den Nordwestschweizer Verband ist der gedrungene Schwinger aus Staufen bei Lenzburg der erste echte Hoffnungsträger seit vielen Jahren - hätte an dem von Festwetter verwöhnten, stimmungsvollen Fest vor 56'500 Zuschauern in der Zuger Arena eine grosse Figur werden können. Aber nach seinem vielbeachteten Sieg gegen Samuel Giger wurde er erneut von einer Verletzung heimgesucht. Er war sichtbar handicapiert, sodass er im weiteren Tagesverlauf zweimal verlor.

Noch ist nicht sicher, ob Arnold Forrer, der Schwingerkönig von 2001 in Nyon, seine Karriere fortsetzen wird. Das Eidgenössische jedenfalls ist für den bald 41-jährigen Toggenburger zu Ende. Gegen nicht überragende Gegner brachte er es nur auf drei Gestellte, nebst einer Niederlage. Es scheint möglich zu sein, dass Forrer noch eine Zeitlang schwingen wird, um bei 150 Kränzen anzulangen. Drei fehlen ihm noch. Die 147 Kränze sind bereits ein einsamer Rekord.

Zug. Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest (ESAF). Rangliste (Zwischenstand nach 4 von 8 Gängen): 1. Joel Wicki (Sörenberg), Christian Stucki (Lyss) und Armon Orlik (Maienfeld) je 39,75. 2. Marcel Bieri (Edlibach) 39,25. 3. Fabian Staudenmann (Guggisberg) 38,75.

4. Kilian Wenger (Horboden), René Suppiger (Sursee), Thomas Sempach (Heimenschwand), Severin Schwander (Riggisberg), Patrick Räbmatter (Uerkheim), Lario Kramer (Galmiz), Benjamin Gapany (Marsens), Andreas Döbeli (Sarmenstorf), Michael Bless (Gais), Michael Wiget (Wünnewil), Sven Schurtenberger (Buttisholz), Patrick Schenk (Koppigen), Jonas Lengacher (Aeschi BE) und Steve Duplan (Ollon VD) je 38,50.

5. Martin Roth (Waldstatt), Dominik Roth (Meikirch), Fabian Kindlimann (Fischenthal), Marco Fankhauser (Hasle LU), Remo Vogel (Hasle LU), Martin Rolli (Riggisberg), Thomas Kropf (Rüegsauschachen), Matthias Herger (Bürglen UR) und Willy Graber (Bolligen) je 38,25.

6. u.a. Daniel Bösch (Zuzwil SG) und Matthias Aeschbacher (Rüegsauschachen) je 38,00. Ferner: 9. Pirmin Reichmuth (Cham) 37,25. 10. Samuel Giger (Ottoberg) 37,00. 14. Matthias Glarner (Meiringen) 36,00. 19. Arnold Forrer (Stein SG) 34,75.

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