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Bieler Lauftage

Vorbereitung mit Schwimmen im Bielersee, Nudeln, Haferflocken und viel Flüssigem

Nach wie vor finden viele deutsche Läuferinnen und Läufer den Weg nach Biel. So auch Heike Marzahl. 2015 nahm sie als knapp 
50-Jährige erstmals am 
100-km-Lauf teil. Nun möchte sie das Abenteuer anlässlich des Jubiläumslaufs noch einmal erleben.

Fühlt sich in den Ferien: Heike Marzahl ist seit Mittwoch und bis Sonntag auf dem Sutzer Campingplatz. Bild: bmb
  • Dossier

«Irgendeinmal musst du nach Biel». Diesen Spruch hat Heike Marzahl vor Jahren in Deutschland gehört. «Der Bieler 100er ist dort nach wie vor sehr beliebt», sagt sie. 2015, nach einer längeren Zeit der Vorbereitung, war es dann auch für sie selber soweit. «Ich nehme nicht aus einer Laune heraus an einem Wettkampf teil, schon gar nicht über eine solch lange Distanz», blickt sie auf ihren Entschluss zurück. In 15:36 kam sie ins Ziel. Genau an ihrem 50. Geburtstag, am 14. Juni 2015, reiste sie zufrieden zurück.

 

Lieber baden als massieren
Drei Wochen Urlaub hat Heike Marzahl nun genommen. Mit dem Auto ist sie am Mittwoch 100 Kilometer von ihrem Wohnort Kränzlin nach Berlin gefahren, hat dort den Easy-Jet nach Basel genommen und ist mit dem Zug nach Biel gefahren. «Die Bahnfahrt ist im Startgeld inbegriffen. Das könnten sich die Organisatoren bei uns als Vorbild nehmen.» Schliesslich landete sie wie vorgesehen auf dem Camping Sutz am See. «Das ist für mich hier wie Urlaub», sagt sie freudenstrahlend bei einem Latte macchiato mit dem BT im «Bel Lago». Zuvor ging sie bereits in den Bielersee schwimmen. «Das lockert die Muskulatur.» Das wiederholte sie gestern Morgen und am Abend und das wird sich auch heute vor dem Lauf tun. «Das ist besser als eine Massage, bei der ich nie weiss, wie man mit den Muskeln umgeht.» Gestern ging sie sich den Kids Run anschauen («da kommt erstmals das Kribbeln auf, und das braucht es»), ging zum Pastafestival die Reserven auftanken und schliesslich die Startnummer abholen. Immer dabei die Trinkflasche. «Ausreichend trinken wird helfen, den Lauf zu überstehen», sagt die in einer Dialyse-Praxis arbeitende Norddeutsche. Heute wird sie den Tag geniessen, den Körper mit Nudeln und Haferflocken füllen, auch die dann nach Kirchberg transportierte Tasche mit Laufschuhen, Socken, Blasenpflaster, Sonnencreme, Energiegels sowie MP-3-Player bereitstellen. «Vor drei Jahren verzichtete ich darauf, die Laufschuhe zu wechseln. Zwei Kilometer nach dem Depot schmerzten auf einmal meine Zehen. Ich ging zurück und wechselte die Schuhe.» Heike Marzahl lief am Ende also 104 Kilometer. Warum aber den MP3-Player erst ab Kirchberg? «Es gibt dir einen mentalen Schub», ist die knapp 53-Jährige vom Team «Erdinger Alkoholfrei» überzeugt.

 

Regelmässige SMS an die Eltern
Zu Hause, da fiebern Arbeitskollegen und die Familienmitglieder mit. «Es gibt schon Kollegen, die mir den Vogel zeigen, aber der Chef, der glaubt an mich.» Der Sohn wird das Rennen über den neu zur Verfügung stehenden Live-Track verfolgen. «Die Eltern können das nicht tun. Ihnen schreibe ich bei den Verpflegungsstopps jeweils eine SMS. Das erwarten sie von mir.» Was erwartet Heike Marzahl von sich selber? «Ich weiss, dass es nach Kilometer 70 irgendeinmal zu schmerzen beginnt. Aber ich fühle mich gut vorbereitet und bin zuversichtlich.»

 

Zwei Jahre nur auf dem Velo
So ganz reibungslos ging diese Vorbereitung allerdings nicht über die Bühne. Nach dem Lauf 2015 hatte sie mit Achillessehnenproblemen zu kämpfen und konnte 2016 nicht starten. «Danach fuhr ich fast zwei Jahre nur noch Velo.» 2017 auch an einem Rennen von Paris nach Hamburg über 1200 Kilometer. «Nach 800 Kilometer musste ich wegen eines Sturmes aufgeben», erinnert sie sich. Und erzählt, dass schon vor drei Jahren beim 100-km-Lauf eine Sturmwarnung herausgegeben wurde. «Damals zog das Gewitter vorzeitig ab.» Nach Ostern hatte sie in Rom den Marathonlauf als Generalprobe für den 100er bestritten, der erste Lauf nach der Velozeit. «Geglückt», war ihr Fazit und der Teilnahme in Biel stand nichts mehr im Wege. Jetzt freut sie sich auf den Start. Gegen 20 Uhr wird Heike Marzahl nach einem letzten Bad im Bielersee beim Kongresshaus auftauchen. «Ich bin mir sicher, dass ich einige Läuferkollegen wieder treffen werde. Die Welt ist klein.» Den Lauf wird sie behutsam angehen. «Die ersten fünf Kilometer sind wie ein Einlaufen. Ich freue mich auf die Atmosphäre entlang der Strecke. Überall wird gefeiert. Das muntert auch uns Läuferinnen immer wieder auf.» Am Sonntagabend geht es zurück in die Heimat. Mit einem Erlebnis mehr und erholsamen Ferientagen vor sich.

Beat Moning

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Gibt es 5000 Teilnehmer?

Bis zu den Nachmeldungen hin, die seit gestern um 18.30 Uhr möglich sind, haben sich für den heutigen 60. 100-km-Lauf 882 Männer und 193 Frauen eingeschrieben. Und dies aus 26 Ländern. Wie immer nimmt Deutschland hinter der Schweiz einen Spitzenplatz ein. Teilnehmer kommen aber auch aus Aserbaidschan oder Brasilien und Kanada. Bis 2017 weist der 100er 99 017 Finisher auf. Ob von den derzeit 1075 Startenden 983 das Ziel erreichen, ist aufgrund der Erfahrungswerte (Aufgaben bis zu 30 Prozent) wenig wahrscheinlich. Der 100 000. Finisher dürfte also aller Voraussicht nachh erst bei der
61. Austragung gefeiert werden.

44 Läufer beteiligen sich am Militär-Patrouillenlauf, 220 Läuferinnen und Läufer haben sich für die verschiedenen 100-km-Staffelläufe eingeschrieben. 584 Teilnehmer sind für den Halbmarathon nach Aarberg gemeldet, 137 für den Nachtlauf über 56 Kilometer. 639 Personen starten bereits um 21 Uhr zum Erlebnislauf nach Aarberg über rund 13 Kilometer. Vor den Nachmeldungen von gestern bei den Kids Run (840) teilen die Bieler Lauftage 4397 eingeschriebene Läuferinnen und Läufer mit. Gemäss OK-Präsident Martin Reber sei das Ziel 5000. 2017 waren es am Ende 3917 Gemeldete, 2016 4367. bmb

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Rekordsieger und Seeländer Rekordhalter am Start

  • Der wohl bekannteste 100-km-Läufer von Biel hat sich zum Jubiläumslauf angemeldet: 33-mal schon hat der Kölner Helmut Urbach den Lauf erfolgreich beendet, siebenmal als Sieger (1967, 1969, 1973, 1974, 1977, 1979, 1980). 1974 und 1979 blieb er knapp unter sieben Stunden. Die letzte Teilnahme geht auf das Jahr 2016 zurück. Da brauchte der heute 76-Jährige 18:33.
  • Gemeldet ist auch der Ammerzwiler 
Rudolf Schneider. Der 75-Jährige nähert sich mit grossen Schritten seiner 
50. Teilnahme. 48-mal startete er bisher, 48-mal kam er ins Ziel (nicht wie im BT von gestern gemeldet 46-mal). bmb

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