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2. Liga regional

Vertauschte Rollen

Grünstern und Azzurri Biel haben sich 2:2-Unentschieden getrennt. Nicht der Leader aus Ipsach, sondern die Italobieler hinterliessen den gewillteren Eindruck und machten mehr fürs Spiel.

Das Unentschieden machte niemanden glücklich: Für die Grünstern-Spieler (hinten) ist das 2:2 im Aufstiegsrennen eine gefühlte Niederlage und Azzurri ist aufgrund der grösseren Spielanteile enttäuscht. copyright: anita vozza/bieler tagblatt

Audiobeitrag

Interview mit Grünstern-Spieler Dimitri Schär

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von Moritz Bill

Die Rollen vor diesem Derby schienen klar verteilt. Auf der einen Seite der angeschlagene und dringend auf Punkte angewiesene Aufstiegskandidat Grünstern. Auf der anderen Seite der seit fünf Runden ungeschlagene FCAzzurri Biel, der sich damit aus dem Abstiegskampf so gut wie sicher verabschiedet hat. Doch es war nicht der vor Heimpublikum antretende FCGrünstern, der das Spieldiktat übernahm. Der Leader sah sich vom starken Pressing der Italobieler in der eigenen Platzhälfte eingeengt. Grünstern fand kein Mittel, sich gegen das gutstehende Azzurri nach vorne zu kombinieren – Anspielmöglichkeiten waren Mangelware. Anstatt um jeden Preis den im Aufstiegsrennen so wichtigen Sieg anzustreben, übernahm Grünstern im Derby während der Starthalbstunde nur die Nebenrolle.

Heuers «Frustschuss»
Der Leader hinterliess einen verunsicherten Eindruck, während Azzurri vor Selbstvertrauen strotzte. Auch an der Seitenlinie dirigierte Interimstrainer Rocco Cinotti seine Spieler in gewohnt lautstarker Manier, während Grünstern-Coach Markus Weidmann beinahe lethargisch auf der Bank sass. So benötigte es einen Weckruf, für welchen sich Grünsterns Timon Heuer verantwortlich zeigte. Wenn die Räume eng sind, gibt es nur ein Mittel, schien sich der Ex-FC-Biel-Nachwuchs-Spieler gedacht zu haben. Aus rund 30 Meter Entfernung platzierte er einen «Frustschuss» ins linke obere Eck – wohl schon drei Runden vor Schluss das unbestrittene schönste Tor der Saison.

Makengo passiv und aktiv
Nun ging ein Ruck durch die Mannschaft. Zwar erspielte sich Grünstern danach nicht viel mehr Torchancen, doch die Überlegenheit Azzurris war nach Heuers Ausgleichtreffer verflogen. Das Cinotti-Team war in der 23. Minute verdient durch Christian Rodriguez in Führung gegangen. Die gesamte Hintermannschaft Grünsterns hatte sich auf den mitlaufenden Topskorer Sergio Makengo konzentriert, worauf der ballführende Rodriguez freie Bahn hatte.
Nach der Pause sahen die zahlreichen Zuschauer in Ipsach ein ausgeglicheneres Derby als zu Beginn der Partie. So war dann ein Fehler der Verteidigung der Italobieler für den nächsten Treffer verantwortlich. Grünsterns einzige Sturmspitze Stéphane Palmiste konnte davon profitieren. Er spielte anstelle des am Knie verletzten Topskorers Olivier Gueisbühler.
Sollte es nun doch noch klappen mit der Aufstiegsparty, vorausgesetzt Aarberg würde gegen Delsberg Punkte liegen lassen? Lange Zeit sah es danach aus, als dass Grünstern seinen Anteil mit einem Dreier dazu beitragen würde. Heuer hätte sich beinahe mit einem weiteren Distanzschuss, der aber an die Latte prallte, unsterblich gemacht. Ansonsten waren es aber die Gäste, die wiederum drückten und schliesslich in der 86. Minute durch einen Foulpenalty Makengos den verdienten Ausgleich erzielten.

«Wie eine Niederlage»
«Ein gerechtes Resultat. Aber mit Blick auf das Aufstiegsrennen fühlt sich dieses Unentschieden wie eine Niederlage an», sagte Dimitri Schär, nachdem der 4:0-Sieg Aarbergs feststand (siehe Zweittext). Auch er fand sich in einer neuen Rolle. Schär trug anstelle des abwesenden Christian Bütikofers zum ersten Mal im Grünstern-Trikot die Captainbinde.
Auf der anderen Seite trauerte Azzurri-Coach Cinotti dem aufgrund der grösseren Spielanteile verpassten Sieg hinterher. «Ich habe Grünstern stärker erwartet», sagte er. Auf das überzeugende Stellungsspiel angesprochen, antwortete Cinotti:«Wir haben uns genau auf den Gegner vorbereitet. Und meine Mannschaft hat wie gewöhnlich bis zum Schluss gekämpft.»
Nächsten Samstag hat Grünstern zuhause gegen Aegerten Brügg den nächsten «Matchball». «Gegen Aegerten muss niemand speziell motiviert werden», sagte Schär, und fügte an, dass man den Aufstieg immer noch in den eigenen Füssen habe. Da der Vorsprung nur noch drei Punkte beträgt, muss Grünstern aber gegen Aegerten zwingend über 90 Minuten die Hauptrolle übernehmen.

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