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Vereinsgeschichte «Wir waren halt alle sehr gute Kameraden»

Fredy Kehrli war in den besten Jahren des FC Biel nicht nur ein wertvoller Spieler, sondern so etwas wie die gute Seele - und Godi Stäuble derjenige, der für den Spass sorgte.

Fredy Kehrli: Auf seinem Lieblingsplatz vor dem Bild seines FC Biel. Bild: Adrian Streun

«Wir spielten in Luzern», kramt Fredy Kehrli aus seinen Erinnerungen, «und lagen zehn Minuten vor Schluss mit 1:2 hinten.» Sein Gesicht erhellt sich, wenn er von den guten, alten Zeiten des FC Biel spricht. Einige der Zuschauer seien bereits enttäuscht zum Bahnhof gewandert. «Aber wir rissen uns nochmals zusammen, schossen zwei Tore und gewannen schliesslich mit 3:2.» Die letzte Viertelstunde, da hätten sie mehrmals noch zulegen können, «denn wir hatten eine gute Kondition.»<br><br><span style="font-weight: bold;">Zweimal zwei Stunden</span><br>Und das, obwohl in den sechziger Jahren im Vergleich zu heute wenig trainiert wurde. «Vor der Saison dreimal wöchentlich, während der Saison dann noch zweimal.» Allerdings betont der ehemalige Bieler Spieler: «Das Training war hart und dauerte zwei Stunden.» Den jetzigen Fussball stuft er als technisch nicht besser ein, «aber es wird viel schneller gespielt.» Man habe früher noch Zeit gehabt, den Ball anzunehmen und weiterzuspielen. Und: «Athletischer ist er natürlich geworden.» Im «Falken» hätten sie sich nach den Spielen jeweils getroffen, wo auch die Fans auf ihre Stars warteten. «Nach dem Spiel in Luzern trafen wir fast nur enttäuschte Gesichter», lacht Kehrli, «aber als wir ihnen das Resultat mitteilten, spendete der eine oder andere ein Bier für den Sieg.» Die Stange, fügt er noch an, kostete damals nur 45 Rappen. Es sei immer lustig zu und her gegangen nach den Spielen - und auch nach den Trainings: «Wir waren halt alle sehr gute Kameraden.» Und der Godi Stäuble, der von Basel zur erfolgreichen Bieler Mannschaft kam, habe dann immer für Spass gesorgt: «Er war eben ein typischer Basler.»<br><br style="font-weight: bold;"><span style="font-weight: bold;">Cup vor 22'000 Zuschauern</span><br>Kehrli selber hat auch ein Jahr in Basel gespielt, «aber die erfolgreichen Jahre waren diejenigen mit dem FC Biel.» Der Cupfinal vor 22'000 Zuschauern im Berner Wankdorf gegen La Chaux-de-Fonds ist ihm in bester Erinnerung geblieben - obwohl er 0:1 verloren ging. «Diese Zuschauermenge und dann nur schon die Ehre, einen Final zu spielen, das erfährt nicht jeder Fussballer.»<br>Und zur Niederlage: «Wir hatten zwei Verletzte, die schwer zu ersetzen waren.» Jupp Derwall wurde von den Kollegen fast genötigt, bei einem Ausflug mit auf die Skipiste zu gehen - «und er riss sich dabei die Achillessehne.» Er selber hat sich auch einmal verletzt: «Campeleoni hat mir mal die Faust aufs Auge geschlagen.» Daraufhin habe ihn der Trainer, ihn, den klassischen Verteidiger, für einige Spiele im Sturm eingesetzt: «Er fürchtete wohl, dass ich bei Kopfbällen in der Defensive zu ängstlich zu Werke gehen würde.» Und als er sich ein weiteres Mal im Spiel verletzt habe, «hat man mich auf den rechten Flügel versetzt, wo ich stehend Bälle annehmen und weiterleiten konnte - denn Auswechseln, das gab es zu dieser Zeit noch nicht.» Heute schaut sich Ehrenmitglied Kehrli die Spiele des FC Biel auf der Tribüne an - wenn es nicht zu heiss oder zu kalt ist: «Nach meinen zwei Herzinfarkten», so der 73-Jährige, «habe ich bei solchen Verhältnissen Mühe mit dem Atmen.»<br><br>Aber informiert ist er immer. «Ich gebe dieser Mannschaft in der Challenge League gute Chancen.» Die Zuzüge dank der Zusammenarbeit mit den Berner Young Boys würden das Team verstärken. «Wichtig ist bloss, dass sie von _Anfang mitspielen können, denn als Schwanzklub verliert man das Interesse der Zuschauer.» Aber er bewundere die Leute im Vorstand, die diese Riesenarbeit mit viel Herz erledigten. Da habe er nur ein Wort: «Chapeau!»<br><br><span style="font-weight: bold;">Der Aufstieg und der Abstieg</span><br>Das Auf und Ab in der Meisterschaft habe er als junger Spieler auch erfahren: «Aufstieg in die Nationalliga A in der Saison 1956/57 und Abstieg in der Saison 1957/58. «Dabei fehlte uns nur ein Punkt zum Ligaerhalt», ärgert er sich noch heute. Mit 19 Jahren war er ins Team gekommen und spielte zuerst drei Jahre in der Nationalliga B. Verdient habe man zu dieser Zeit kaum etwas: «Wir hatten 50 Franken Spesen, um mit dem Bus zum Training zu fahren.» Aber er selber sei immer mit dem Velo ins Training pedalt. «Als Prämien gab es dann pro Punkt bei Heimspielen 50 Franken und bei Auswärtsspielen 60.» Aber da sie in erster Linie zur Freude Fussball gespielt hätten, «war uns das nicht so wichtig.»<br><br><span style="font-weight: bold;">Von 1952 bis 1959</span><br>1951/52: Als Letzter Abstieg in die Nationalliga B<br>1952/53: Als Zweiter Aufstieg in die NLA<br>1953/54: Als Letzter Abstieg in die NLB<br>1954/55: Dritter in der NLB<br>1955/56: Sechster in der NLB<br>1956/57: Aufstieg in die NLA als Erster in der NLB<br>1957/58: Abstieg als Letzter in der NLA<br>1958/59: Aufstieg in die NLA als Zweiter der NLB<br><br><br><span style="font-weight: bold;">1952–59: Stägeli uf – Stägeli ab</span><br>pr. Nach 19 Jahren in der 1933 gegründeten Nationalliga A «tauchte» der FC Biel 1952 erstmals in die NLB. Allerdings dauerte der erste Bieler NLB-Aufenthalt nur ein Jahr, stieg er doch 1953 bereits wieder auf, wozu der Deutsche Kurt Voigt 16 Tore beisteuerte. Bereits 1954 stieg der FCB wieder ab. Dafür sorgte ein Freundschaftsspiel vor 8000 Zuschauern gegen die brasilianische WM-Equipe mit Nilton, Djalma Santos und Didi für einen Höhepunkt. <br>Der NLB-Aufenthalt sollte länger dauern, liess sich doch Trainer Hans Rüegsegger drei Jahre Zeit zum Aufbau einer promotionsreifen Equipe. Ein Punkt fehlte 1955 vor dem letzten Heimspiel gegen Urania, um in die NLA zurückzukehren, doch verpasste man fünf Minuten vor Schluss eine Penaltychance zum 3:3-Ausgleich und damit zur Promotion. Im Entscheidungsspiel gegen Schaffhausen verlor Biel 1:2. Eine allzu rigorose Verjüngungskur stand auch 1956 dem Wiederaufstieg im Wege, ehe diverse Verstärkungen wie YB-Verteidiger Flühmann, der deutsche Stratege Edenhofer und die Stürmer Mollet und Koller 1957 bei einem Zuschauerschnitt von 3540 Kiebitzen die ersehnte Rückkehr ins Oberhaus brachten. Eine lange Zeit ungewisse Trainerfrage, nicht ins Team integrierte Spieler, das Fehlen eines Regisseurs und schliesslich auch Verletzungen führten zur sofortigen Relegation. Besser vorbereitet war der für längere Zeit letzte Aufstieg 1959, welcher die legendäre Derwall-Zeit mit einem Vizemeistertitel und einer Cupfinalteilnahme einläuten sollte. Unter dem Wiener Trainer Willy Hahnemann und mit den Zuzügen von Goalgetter Edgar Graf und Laufwunder Gerhard Studer stieg man zusammen mit Winterthur in die NLA auf, in welcher man in der Folge 13 Jahre lang verblieb.<br><br><span style="font-weight: bold; font-style: italic;">Beat Gehri</span><br>

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