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Einwurf

Start zum Schlussspurt

Mit Beginn der Nationalmannschaftswoche anfangs Februar startet bei uns in der Schweiz die entscheidende Phase der Qualifikationsphase der National League im Eishockey.

Patrick von Gunten

Patrick 
von Gunten

Für die Spieler, die nicht mit den verschiedenen Nationalmannschaften unterwegs gewesen sind, war die vergangene Woche die letzte Möglichkeit, noch einmal intensiv an der physischen Leistungsfähigkeit zu arbeiten. Auf und neben dem Eis. Die über die ganze Saison hindurch einstudierten taktischen Grundlagen konnten repetiert und verfeinert werden. Oder die Mannschaft tüftelte an neuen Varianten. Sobald die Natipause vorbei ist, gilt der Fokus dann ganz den Spielen. Dieses Jahr ist der Unterbruch noch kürzer als sonst, denn es wird an diesem Wochenende schon wieder gespielt.

Für die Coaches ist es in den letzten drei Wochen eine sehr schwierige Aufgabe, die Balance zu finden. Einerseits sollten die Leistungsträger genug Eiszeit erhalten, um ihre Form für die Playoffs zu halten oder zu finden. Andererseits sollten die Kräfte gut verteilt werden, um trotzdem frisch zu sein. Eine Ausgewogenheit zwischen kurzfristiger Sicht auf das nächste Spiel und langfristiger Sicht, um die Mannschaft «playoffready» zu machen, ist gefragt.

In den Strichkampf ist natürlich kein Team freiwillig involviert. Aber ein grosser Abstand, und damit verbunden schon früh «grün» zu sein, ist für die Playoffs nicht immer von Vorteil. Denn es ist schwierig, die Spannung der Spieler in den letzten Runden aufrecht zu erhalten. In den vergangenen Jahren gab es dazu genügend Beispiele, als der Qualifikationssieger im Viertelfinal gegen eine Mannschaft verlor, die bis zum Schluss um einen Playoff-Platz hatte kämpfen müssen.

Dieses Jahr ist die Ausgangslage spannend wie noch nie. Nur der Playoutfinal zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und dem HC Davos ist schon fast sicher.

Der SC Bern und der EV Zug haben sich an der Spitze der Rangliste abgesetzt und werden den Qualifikationssieg im Fernduell unter sich ausmachen. Die grösste Spannung herrscht deshalb im Kampf um die verbleibenden sechs Playoffplätze.

Den Teams und Coaches wird das oben angesprochene Dilemma zwischen kurz- und langfristiger Sicht daher mehr oder weniger freiwillig abgenommen. Für alle Teams zwischen Rang 3 und 10 zählt immer nur das nächste Spiel. Weiter nach vorne zu schauen, können sie sich nicht erlauben. Jeder Punkt, und vielleicht sogar jedes Tor kann am Schluss die Differenz ausmachen.

Als fast neutraler Zuschauer freue ich mich auf die entscheidende Phase und bin gespannt, wer in der Euphorie der im letzten Moment erreichten Playoff-Qualifikation die grossen Favoriten SC Bern und EV Zug fordern wird.

Info: Patrick von Gunten absolvierte während 16 Jahren 759 Nationalliga-Spiele für den EHC Biel und den EHC Kloten. Eine Saison spielte der 94-fache A-Nationalspieler in Schweden bei Frölunda. Zweimal nahm der Verteidiger an Olympischen Spielen teil, 2013 gewann er WM-Silber. Der Orpunder besitzt einen Bachelor in Betriebsökonomie und studiert derzeit an der EHSM Spitzensport.

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