Sie sind hier

Abo

Tischtennis

Seeland-Cup kämpft um seine Zukunft

Das heutige Männer-Hauptturnier am Seeland-Cup in Brügg ist von der Qualität her ausgezeichnet besetzt. Die Frauen-Konkurrenz musste allerdings erneut wegen zu wenig Anmeldungen abgesagt werden.

Roman Rosenberg gehört im heutigen Hauptturnier am Seeland-Cup in Brügg zum engsten Favoritenkreis./Copyright: Adrian Streun/Bieler Tagblatt

Francisco Rodríguez

Die Absage des Frauen-Hauptturniers beim Seeland-Cup von diesem Wochenende in Brügg kommt nicht überraschend. Schon 2012, 2015, 2017 sowie letztes Jahr hatten sich nicht genügend Spielerinnen angemeldet. Diesmal waren es gerademal zwei Interessentinnen.

Turnierdirektor Patrick Wingeier sieht eine allgemeine Entwicklung im nationalen Frauentischtennis. Früher wurde es von einer Generation von starken Spielerinnen getragen, die inzwischen nicht mehr im Spitzensport aktiv oder vereinzelt im Ausland engagiert sind. Dahinter sind kaum Talente mit genügend Potenzial nachgerückt, um die entstandene Lücke an der Spitze zu füllen. Beim Blick auf die NLA-Kader fällt auf, dass die Führungspositionen von ausländischen Spielerinnen belegt sind.

Besser sieht es zwar bei den Männern aus. Dies täuscht aber nicht über die Tatsache hinweg, dass Tischtennis als Vereinssport seine besten Jahre längst hinter sich hat. Im Vergleich zu den boomenden achtziger Jahren zählt die Schweiz heute rund ein Drittel weniger Lizenzierte. Andere Sportarten sind nun eher im Trend, zudem hat sich das Freizeitverhalten stark verändert, was Verpflichtungen angeht. Viele Sporttreibende wollen sich nicht fest auf Vereinsaktivitäten festlegen und bevorzugen Hobbys, die sie individuell und zeitlich flexibel gestalten können.

Nur 127 Anmeldungen

Einhergehend mit dem Mitgliederschwund sind auch diverse Nationale Turniere aus dem Verbandskalender verschwunden. Tapfer hält sich indes der Seeland-Cup, obwohl auch Brügg deutlich weniger Teilnehmer verzeichnet als noch vor einigen Jahren. Für diese Ausgabe sind 127 Anmeldungen eingegangen, was in etwa dem Niveau der letzten beiden Jahre entspricht. Kein Vergleich aber zu den 180 bis 200 Spielerinnen und Spieler, die früher in den diversen Kategorien an den Tischen standen.

«Wir müssen uns wieder die Frage stellen, ob sich der grosse Aufwand noch lohnt und gegenüber unseren helfenden Mitgliedern zu rechtfertigen ist», sagt Wingeier. Vor einem Jahr habe man zwar dank einmaliger Zusagen von Sponsoren immerhin einen vierstelligen Gewinn realisiert, der beim organisierenden TTC Brügg wie üblich in die Nachwuchsförderung geflossen ist. 2017 waren es aber nur ein paar hundert Franken, und auch diesmal dürfte unter dem Strich nicht viel übrig bleiben.

Im OK habe man über einen neuen Turniermodus beraten, der den Teilnehmern mehr Einsätze und weniger Wartezeiten bescheren würde. Zum Beispiel mit der Austragung von Gruppenspielen, anstatt dem bis heute üblichen K.o.-System. Diese könnten mehr Spieler anlocken, würden jedoch auch mehr Tische nötig machen, um die deutlich höhere Anzahl an Partien in den Zeitplan zu packen. Die Mehrzweckhalle Erlen in Brügg ist allerdings vom Platz her beschränkt, weshalb man im Vorstand gleich wieder von der Idee abgekommen ist. Nach dem Turnier werde man sofort zusammensitzen und über die Zukunft des Anlasses diskutieren. Die Zeit für den Entscheid drängt, da die Turniereingabe beim Verband jeweils bis Ende Januar erfolgen muss. Ein Verschwinden des traditionellen Seeland-Cups aus der Turnieragenda würden in der Szene viele bedauern. Speziell das Männer-Hauptturnier vom Samstag zeigt qualitativ ausgezeichneten Tischtennissport.

Favorit Roman Rosenberg

Auch diesmal verspricht die A-Kategorie hochstehende Partien. Von den 36 Teilnehmern besitzen gleich fünf die höchste Klassierung A20 sowie sechs die zweithöchste A19. Vorjahressieger Csaba Molnar vom STT Lugano ist nicht dabei und hat wie 13 weitere Topspieler nicht auf die persönliche Einladung des TTC Brügg geantwortet. Die Favoritenrolle in diesem Jahr liegt nun am ehesten bei Roman Rosenberg. Der ehemalige Spieler aus der 2. Bundesliga steht beim TTC Singen in Deutschland unter Vertrag und war in Vergangenheit auch schon in Brügg angetreten, ohne bislang den Seeland-Cup gewinnen zu können.

Info: Heute ab 13 Uhr in Brügg die Hauptkategorien, morgen ab 8.15 Uhr die unteren Kategorien.

Nachrichten zu Aktuell »