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2. Liga regional

Seeländer gehen gefestigt oder gekränkt in die Winterpause

Besas neue Tugend, gewohnte Aussetzer bei Azzurri, Mühsal in Aarberg, Nidaus Langsamstart und Aurores Transformation: eine Zwischenbilanz.

Freude beim FC Azzurri Biel, Frust beim FC Aarberg: Die Italobieler mischen dank vieler Tore an der Spitze mit, die Aarberger taumeln in der unteren Tabellenhälfte. copyright: Susanne Goldschmid/BT

Moritz Bill

Dieses Wochenende streifen die Regionalfussballer ein letztes Mal in diesem Kalenderjahr ihr Trikot über. Es ist die letzte Möglichkeit, sich mit einem positiven Erlebnis in die lange, fünfmonatige Winterpause ohne Wettspiel zu begeben. Die einen Mannschaften der Seeländer Zweitligisten haben das nötig, die anderen können schon vor der letzten Runde mit einer erfolgreichen Konklusion auf die erste Saisonhälfte zurückblicken. Denn eines gilt in jeder Saison:Wenn die Tage kürzer werden, nimmt die Aussagekraft der Tabelle zu. Eine Zwischenbilanz.

Schwäche wird zur Stärke
Eine Überraschung ist der FC Besa Biel. Nicht, dass das Längfeld-Team über seinen Verhältnissen spielen würde – die Biel-Albaner verfügen über ein starkes Kader. Doch das war schon in den letzten Jahren der Fall. Dennoch hatte Besa in der Vergangenheit Saison für Saison Mühe bekundet, aus den Startlöchern zu kommen. Zudem war das Team von Einzelspielern abhängig. Fehlten diese, litt die Performance des Kollektivs.
Nun ist die Ausgeglichenheit zu Besas Stärke geworden. Die Mannschaft tritt als Einheit auf und steckt Rückschläge mental besser weg als früher. Dank dieser neuen Tugenden führen die Biel-Albaner punktegleich mit dem FC Kirchberg die Tabelle an. Wenn das Murtaj-Team auch im Frühling einen Fehlstart vermeiden kann, ist es ein valabler Aufstiegskandidat.

Problemzone Nachspielzeit
Ebenfalls eine positive Bilanz weist der FC Azzurri Biel auf. Überraschend ist das im Gegensatz zu Besa nicht. Die Italobieler hatten schon vor einem Jahr eine starke Vorrunde gezeigt und verpassten den Aufstieg schliesslich nur knapp. Trainer Roberto De Feo hat dem Team in nunmehr drei Jahren ein solides Spielsystem und eine Winner-Mentalität eingeimpft.
Es bedarf jetzt aber eines weiteren Arzneimittels, wenn die Promotion Ende dieser Saison geschafft werden soll. Azzurri verzeichnete erneut Aussetzer gegen vermeintlich schwächere Gegner. Beim Schlusslicht Schönbühl resultierte nach einer unkonzentrierten Nachspielzeit bloss ein Unentschieden. Und auch gegen Develier liess man zuletzt daheim nach einem Gegentor kurz vor Schluss Punkte liegen. Solche Ausrutscher hatten schon letzte Saison den Gipfelsturm gebremst. Äusserst ärgerlich war die 0:1-Heimniederlage gegen den späteren Absteiger Grünstern, die Azzurri in der Endabrechnung den Aufstieg kostete.

Brand ohne Feuerwehrmann gelöscht
Zwar will der FC Nidau nicht primär um den Aufstieg mitspielen, dennoch läuteten nach der Startphase auf der Burgerallee bereits die Alarmglocken. Drei Spiele, ein Punkt und ein Tormissverhältnis von 1:8 waren die Gründe zur Sorge. Die Erinnerung an den letzten Trainerwechsel trugen dabei nicht zur Beruhigung bei. Als der langjährige Chef an der Seitenlinie David Meister ein erstes Mal davongezogen war, überwinterten die Nidauer im Tabellenkeller. Heuer gelang der Umschwung aber ohne weitere Trainerentlassung und noch in der Vorrunde. Der FCN hat Fahrt aufgenommen und sich im Mittelfeld festgesetzt.

Ratlosigkeit beim einstigen Spitzeteam
Dort, oder eigentlich ganz vorne, hatte man den FC Aarberg erwartet. Doch die Aarolina-Kicker bekunden unvermutet Mühe. Die harzigen Auftritte führten zum derzeitigen 9. Platz und – das wiegt derzeit am schwersten – zu Ratlosigkeit. Denn offensichtliche Mängel sind keine auszumachen, die Probleme sind im ungreifbaren mentalen Bereich zu suchen. Die Verunsicherung des sonstigen Spitzenteams nahm zuletzt mit jedem weiteren sieglosen Wochenende zu. Ein Sieg zum Abschluss wäre für das angekratzte Selbstvertrauen deshalb umso wichtiger.

Die Auferstehung des Aufsteigers
Was ein Erfolgserlebnis bewirken kann, zeigte sich beim FC Aurore Biel. Nach sieben Runden hatte es danach ausgesehen, als blühe dem Aufsteiger dasselbe Schicksal wie seinem Vorgänger. Der FC Schüpfen war mit nur einem einzigen Punkt zurück in die 3. Liga gestürzt. Im zweiten Match unter dem neuinstallierten Trainer David Casasnovas siegte Aurore dann aber erstmals und liess darauf sogleich vier weitere Punktgewinne folgen. Die Linden-Equipe ist damit wieder aktiv in den Abstiegskampf eingebunden.
Die Zwischenbilanz zeigt:An der Tabellenspitze wie auch unter dem Strich sind noch keine Vorentscheidungen gefallen. Eine spannende Rückrunde ist also garantiert, wenn im Frühjahr die Tage wieder länger werden und die Regionalfussballer erstmals im neuen Kalenderjahr das Trikot für ein Meisterschaftsspiel anziehen.

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Wer überwintert an der Spitze?
Die letzte Runde vor der Winterpause steht im Zeichen der Spitzenkämpfe. In Kirchberg treffen sonntags mit dem Heimteam und Azzurri der Leader und der Viertplatzierte aufeinander. Bereits morgen messen sich mit Besa und Courgenay der Co-Leader und der Drittplatzierte. Für jedes der vier Teams besteht die Möglichkeit, auf der Leaderposition zu überwintern.
Nidau will morgen daheim gegen Courtételle seinen Aufwärtstrend bestätigen. Aarberg möchte sich derweil mit einem Sieg in Develier mit der Vorrunde einigermassen versöhnen.  
Aurore könnte in Folge eines Heimsiegs gegen Boncourt am Sonntagmorgen über dem Strich überwintern. Dazu müsste aber am Samstag Courroux gegen Schlusslicht Schönbühl Punkte liegen lassen. bil

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