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Reusser ist trotz des Regens WM-Sechste

Obwohl sie im Vorfeld des Rennens gesagt hatte, dass sie keinesfalls auf englisches Wetter hoffe, erreichte Marlen Reusser im WM-Zeitfahren in Harrogate den hervorragenden 6. Rang. Das U23-Duo Stefan Bissegger und Marc Hirschi hatte keine Chance 
auf einen Spitzenplatz.

Symbolbild: Keystone

Die 28-jährige Bernerin Marlen Reusser, nach einem Trainingssturz Ende Juli erst seit kurzem wieder genesen von einem gebrochenen Kreuzbein, teilte sich die über 30,3 km führende Prüfung gegen die Uhr in der nordenglischen Region Yorkshire ausgezeichnet ein. In der zweiten Rennhälfte konnte sich Reusser noch um drei Positionen verbessern. Unter anderen liess sie auch die stark eingeschätzten Lucinda Brand (8.) aus den Niederlanden und Lisa Brennauer (10.) aus Deutschland hinter sich.

Mit dem 6. Rang unter den 53 gestarteten und klassierten Fahrerinnen sicherte sich die Schweizerin zugleich den Quotenplatz für die Olympischen Spiele in Tokio – neben der Heim-WM in Aigle/Martigny ihr ganz grosses Ziel für nächstes Jahr. «Ich bin extrem zufrieden, umso mehr, als mir solche Bedingungen nicht wirklich behagen», sagte Reusser nach dem komplett verregneten WM-Zeitfahren. Sie sei auf sicher und ohne Risiko gefahren, «damit ich nicht wieder stürze. Das hat mir vor allem in den Abfahrten und in den Kurven einige Zeit gekostet», so die Schweizerin, die erst seit 2017 Radrennen bestreitet. Die Amerikanerin Chloe Dygert wurde sensationell Weltmeisterin. Die 22-Jährige setzte sich im Regen mit dem Vorsprung von mehr als eineinhalb Minuten vor den favorisierten Niederländerinnen Anna van der Breggen und Annemiek van Vleuten durch. Reussers Rückstand auf Dygert betrug 3:02 Minuten. Die Genferin Elise Chabbey (22.) verpasste mit 5:09 Minuten Rückstand den Vorstoss in die Top 20 knapp.

Im Zeitfahren der U23-Kategorie gewann der Däne Mikkel Bjerg wie schon in den letzten zwei Jahren WM-Gold. Marc Hirschi und Stefan Bissegger hingegen verpassten die Top 10. Der 21-jährige Berner Hirschi, 2018 in Innsbruck U23-Strassenweltmeister geworden, klassierte sich im völlig verregneten Wettkampf mit 1:51 Minuten Rückstand auf den gleichaltrigen Bjerg im 13. Rang. Bissegger, der nach einem Sturz mehr als zweieinhalb Minuten einbüsste, blieb gar nur der 23. Platz. An den Europameisterschaften im August in den Niederlanden hatte der 21-jährige Thurgauer noch mit dem Gewinn der Bronzemedaille überzeugt. sda

Harrogate (ENG). Strassen-Weltmeisterschaften. Zeitfahren. Ripon - Harrogate (30,3 km). Männer. U23: 1. Mikkel Bjerg (DEN) 40:20 (45,1 km/h). 2. Ian Garrison (USA) 0:26 zurück. 3. Brandon McNulty (USA) 0:27. Ferner: 13. Marc Hirschi (SUI) 1:51. 23. Stefan Bissegger (SUI) 2:33. - 60 Fahrer gestartet, 59 klassiert.

Frauen: 1. Chloe Dygert (USA) 42:11 (43,1 km/h). 2. Anna van der Breggen (NED) 1:32. 3. Annemiek van Vleuten (NED) 1:54. Ferner: 6. Marlen Reusser (SUI) 3:02. 22. Elise Chabbey (SUI) 5:09. - 53 Fahrerinnen gestartet und klassiert.

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Gute Beine, frischer Kopf

Stefan Küng kommt im Formhoch an die Strassen-WM in der nordenglischen Region Yorkshire. Die viertägige Slowakei-Rundfahrt beendete er nach seinem Sieg im Zeitfahren im 3. Rang, wenige Tage zuvor hatte er das französische Eintagesrennen Tour du Doubs gewonnen.

Auch wenn es keine Rennen der World Tour, also der obersten Kategorie, gewesen seien, «so muss man diese immer zuerst auch gewinnen», sagt Stefan Küng, der nach dreiwöchigem Höhentrainingslager in St. Moritz über «gute» Beine verfügt und umgehend wieder in den Rennmodus zurückfand. «Ich bin in der besten Verfassung dieser Saison und im Idealfall kann es weit nach vorne reichen.» Auch der 25-jährige Thurgauer selbst findet die Zeit reif dafür, dass er heute in einem WM-Einzelzeitfahren erstmals in die Top 10 fährt. «Dieses Mal reicht es.» Die Ränge 19 (in Richmond 2015), sowie 25 (Bergen 2017) und 12 im Vorjahr in Innsbruck werden dem ausgewiesenen Zeitfahr-Spezialisten aus Wilen bei Wil nicht gerecht.

Anders als dieses Mal sei er in der Vergangenheit allerdings selten mit der nötigen körperlichen und mentalen Frische zu den Weltmeisterschaften gereist, sagt Küng im Vorfeld des Rennens in Harrogate im SRF-Interview. Zudem galt der Fokus von seinem langjährigen Arbeitgeber, dem Team BMC, jeweils dem Mannschafts- und nicht dem Einzelzeitfahren. Diese WM in England sei für ihn deshalb fast ein bisschen wie Neuland, erzählt der Ostschweizer, der nun bei der französischen Equipe Groupama-FDJ unter Vertrag steht.

Als Topfavoriten nennt der Schweizer Zeitfahr-Meister nach dessen Vuelta-Sieg Primoz Roglic, «wenn er denn noch über die mentale Frische verfügt», sagt Küng. Insbesondere zu beachten gelte es auch die Belgier Remco Evenepoel und Victor Campenaerts sowie den australischen Titelverteidiger Rohan Dennis. sda

 

 

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