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„Krawattenzwang“

Olympia-Promotoren kriegen auf die Mütze

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Olympia-Promotoren kriegen auf die Mütze.

Krawattenzwang: Bernhard Rentsch
  • Dossier

Das war zu erwarten – ist in der Heftigkeit aber doch erstaunlich: Der positive Entscheid des Bundesrates zur Kostenbeteiligung mit Blick auf Olympische Winterspiele 2026 hat in den letzten Tagen einigen Staub aufgewirbelt. Dies vor allem bei Journalisten und bei Politikern. Die in Aussicht gestellte Summe von rund einer Milliarde Franken aus dem Bundesbudget lässt einzelne Kreise energisch werden. Ob die veröffentlichte Meinung allerdings der Mehrheit der öffentlichen Meinung entspricht, ist für mich nicht zweifelsfrei gegeben. Es ist normal, dass in dieser Situation die Gegner sich lauter melden als die Befürworter. Man muss sich ja auch fast schämen, für Olympischen Spiele 2026 in der Schweiz einzustehen. Eine sachliche Diskussion mit nachvollziehbaren und stimmigen Argumenten ist gefragt.

Denn: Wir sprechen von der Kostenbeteiligung im Fall einer positiven Beurteilung der Kandidatur durch das IOC 2019. Vorerst werden acht Millionen investiert. Und: Wir sprechen von einer Kostenbeteiligung, die auf mehrere Jahre verteilt wird. Die Vergleiche mit Ausgaben für die Landesverteidigung oder die Diskussionen um Krankenkassenprämien oder Vaterschaftsurlaub werden nicht tangiert. Bitte kein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Ein Verzicht auf die Olympia-Unterstützung heisst nicht, dass eine Milliarde zusätzlich für andere Bereiche zur Verfügung steht. Der Kampf um die Verteilung geht in jedem Fall weiter wie bisher.

Die erbrachten „Beweise“, dass sich das Kandidatur-Komitee und der Bundesrat insbesondere bei den Sicherheitskosten kläglich verkalkulieren, wurden und werden von immer mehr „Experten“ betont. Die Arbeit von anderen Experten wird in der Luft zerpflückt, als ob da einfach eine Milchbüechli-Rechnung gemacht worden sei. Ich bin – wie viele andere – verunsichert, glaube aber den Gegnern nicht einfach so. Persönlich bin ich ein klarer Befürworter des „Projekt OS 2026“ und glaube an nachhaltige Wirkung auf Land und Bevölkerung. Auch in Biel. Ich glaube an die Kraft von grossen Endzielen. Mein „Ja, aber“ ist bekannt. Wir dürfen nicht blind vorwärtsmachen, sondern jeden Schritt gut prüfen. So betrachtet sind die kritischen Stimmen wichtig und willkommen. Aber bitte: Doch nicht mit einem absoluten Nein. Gebt den Visionen Platz! Und den Promotoren, die in den letzten Tagen tüchtig auf die Mütze gekriegt haben, möchte man zurufen: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Also: Ich bin Olympia-Promotor und stelle mich der Kritik. Schlagen Sie zu!


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

Kommentare

Biennensis

"Bitte kein Vergleich von Äpfeln mit Birnen". Sehr geehrter Herr Rentsch: 1 CHF-Milliarde fällt nicht einfach so vom Himmel herab, "egal" für was man es letztendlich verwendet. Auch bin ich der Meinung, dass Sion 2026 schlussendlich viel teurer wird als ihre "Macher" das behaupten. Nach dem Leckerli (alles zu haben für "nur" 1 Milliarde) kommt das bittere Erwachen. Nein, solche Spiele (Spielereien) brauch ich definitiv nicht! PS: Heute im Tages Anzeiger auf Seite 5: Zwei Wirtschaftsprüfer rechnen die Kosten von Sion 2026 durch. Die Ergebnisse (317 Millionen Franken Differenz) liegen weit auseinander. Die budgetierten Sicherheitskosten von 300 Millionen Franken bezeichnet der ehemalige Chef der SBB (Benedikt Weibel) in der "Sonntags-Zeitung" als "völlig" unrealistisch" und "viel zu tief".


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