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Vor Ort

Mutige Fans in Moskau

Nach dem starken Weltmeisterschafts-Auftakt der Schweizer am Sonntag musste doch einfach eine kleine Schweizer Delegation unsere Farben am Fifa-Fan-Fest im Zentrum von Moskau vertreten.

Bild: Susanne Goldschmid
  • Dossier

Die Fans haben die Fussgängerzone unmittelbar beim Kreml bereits anfangs letzter Woche in Beschlag genommen, um jeweils ihr Team und auch ein wenig sich selbst zu feiern.

Die Befürchtungen der Fifa, dass die russischen Ultras die Fanszene und die Weltmeisterschaft stören könnten, hatte zur Folge, dass die örtliche Polizei bereits Tage vor der WM zahlreiche Exponenten sicher verwahrte. Andere, friedliche Fans, wie zum Beispiel die Argentinier, reisten teils ohne Tickets und vielfach auch ohne Übernachtungsreservierung an. Eine Gruppe erzählte, dass sie im äussersten Kreis der Moskauer Metro eine Wohnung mieten konnten. Die Tagesmiete der Vierzimmer-Wohnung von 300 Franken pro Tag sei nur erschwinglich, weil sie die Kosten durch acht Personen teilen können. Deutsche Fans sind zwar mit Tickets angereist, hatten aber auch nach dem abklappern aller Hotels in Zentrumsnähe keine Unterkunft finden können. Die erste Nacht mussten sie wohl oder übel unter freiem Himmel verbringen.

Als dann gegen Mitternacht auch noch die Geldversorgung im Zentrum zusammen brach und jeder Bankomat leer geräumt war, wurde das in der Schweiz gekaufte Tomtom aktiv, um die Richtung nach Nischni-Novgorod überhaupt zu finden. Die russische Hauptstadt und die Millionenstadt sind lediglich von einer zweispurigen Schnellstrasse erschlossen und die zahlreichen angrenzenden Dörfer zwingen den Verkehr immer wieder das Tempo auf 60 km/h zu drosseln, was die Fahrzeit für die 400 km lange Fahrt massiv erhöht. Erleichtert wurde der Transfer mit der um 2 Uhr morgens früh einsetzenden Dämmerung und eine Stunde später mit einem imposanten Sonnenaufgang. Nach einem Tankstopp unterwegs, ein Liter Benzin kostet ungefähr 65 Rappen, erreichen wir unser Ziel um 5 Uhr.

Das gebuchte Hotel liegt in unmittelbarer Nähe des wunderschönen Stadions direkt an der Wolga und die Zufahrten sind schon stark eingeschränkt. Hunderte von Helferinnen und Helfer haben Ihre Aufgaben bereits zehn Stunden vor dem Anpfiff aufgenommen. Auch das wiederum riesige Heer von uniformierten Sicherheitskräften, rekrutiert aus Polizei und Armee, wies bereits eine hohe Präsenz auf. Erleichtert, die Fahrt gut bewältigt zu haben, blieben noch ein paar wenige Stunden Schlaf bis zum Spiel Schweden - Südkorea.

Info: Hermann Vögtli, Präsident des Curling-Clubs Touring Biel, verfolgt die WM in Russland vor Ort. In unregelmässigen Abständen berichtet er von seinen Erlebnissen. Am Freitag, 15. Juni, erschien im «Bieler Tagblatt» das Porträt «Ein Curler 
reist dem Fussball hinterher» über 
Hermann Vögtli.

Stichwörter: WM 2018, Sport, Fussball, Moskau, Biel

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