Sie sind hier

Abo

2. Liga regional

Mit Geduld an die Tabellenspitze

Azzurri Biel ist neuer Leader. Dank einem etwas erknorzten 2:1-Auswärtssieg auf der Linde beim Aufsteiger FC Aurore übernehmen die Italo-Bieler erstmals die Tabellenspitze.

Diabanza steigt am höchsten: Loan Lippi, Luzubu und Loic Lippi (von links) bleibt das Nachsehen. Bild: Anne-Camille Vaucher

Daniel Martiny

Verkehrte Welt auf der Linde zu Beginn des Derbys zwischen dem heimischen Aurore und dem Favoriten Azzurri Biel. Das abstiegsgefährdete Aurore zollte nicht gross Respekt vor dem Gegner und spielte frisch, schnell und vor allem sehr mutig auf. Die Aussage von Azzurri-Trainer Roberto De Feo nach der Partie spricht eine deutliche Sprache: «Hätte Aurore dieses Tempo durchgezogen und mehr Wille zum Sieg gezeigt, wir hätten heute kaum drei Zähler geholt.» Aurore habe sich die Möglichkeiten auf einen Punktgewinn später quasi durch eigenes Unvermögen vermasselt.

Tatsächlich gingen die Platzherren nach druckvollem Beginn früh in Führung (siehe Infobox) und drosselten das hohe Anfangstempo auch danach nicht. Im Gegenteil: Mit der Führung im Rücken wurden die Welschbieler sogar fast übermütig. Diese Tatsache spielte jedoch genau in die Karten des Gegners. Mit langen Bällen auf ihre Sturmspitzen und gepflegtem Konterspiel, vermochten die Gäste je länger je mehr Nadelstiche zu setzen, kamen jedoch erst nach einer Viertelstunde zur ersten grossen Torchance.

Rückkehrer Scott Mbemba
Azzurris Topskorer Scott Mbema bestritt in der Rückrunde seine erste Partie. Der Mittelstürmer, der mit 15 Treffern die Torschützenliste der Liga anführt, schien Nachholbedarf zu haben und setzte sich gekonnt in Szene. Der Ausgleich für Azzurri Biel ging schon mal auf sein Konto. Der bullige Angreifer behielt nach einer hohen Flanke die Lufthoheit im Aurore-Strafraum und köpfte das Leder schier unbedrängt mit der ersten echten Azzurri-Chance ins Gehäuse.

Das Team von David Casasnovas liess sich davon vorerst aber nicht beeindrucken und suchte seinerseits weiter die Offensive. Mit dem Fehler, dass man die Defensive etwas vernachlässigte. Weil der FC Aurore verletzungsbedingt seine Abwehr umstellen musste und die Automatismen nicht sogleich griffen, kam es zu einigen Fehlzuspielen. Die Azzurri-Akteure griffen den ballführenden Verteidiger sehr schnell an und provozierten damit die Fehler geradezu. In der 24. Minute kam der Ball erneut zu Mittelstürmer Scott Mbemba. Dieser schüttelte seinen letzten Gegner gekonnt ab, legte sich den Ball kurz vor und erzielte mit einem wuchtigen Schuss in die Ecke die 2:1-Führung.

Aurore und Azzurri liessen nach
Das Spiel schien eine spannende Entwicklung zu nehmen und deutete auf eine torreiche, attraktive Partie hin. Nach 30 Minuten war jedoch der Ofen praktisch aus und der Match plätscherte unerklärlicherweise nur noch so dahin. «Wir haben in der ersten Halbzeit kaum Fussball gespielt und nur reagiert», musste Jimmy Grüter zugeben. Dabei habe man Glück gehabt, in der Startphase nur einen Gegentreffer kassiert zu haben.

Tatsächlich wollte das Linde-Team irgendwie zu viel des Guten, verhaspelte sich aber in seinen Aktionen immer mehr und zeigte kaum Durchschlagskraft. «Schade, dass wir nicht mehr Siegeswillen an den Tag zu legen vermochten», meinte Captain Loic Lippi nach der Partie. Heute habe man die Chance vertan, eine Überraschung zu schaffen und sich mit einem Punktgewinn die Tabellensituation zu verbessern.

Azzurri-Verteidiger Jimmy Grüter, der in der Winterpause von Grünstern auf die Champagne gewechselt hatte, war sich bewusst: «Auch wenn es das Derby war. Diesmal zählen nur die drei Punkte und die Tatsache, dass wir nun Leader sind.» Gleichzeitig warnte Grüter von einer Azzurri-Euphorie: «Wir haben noch gar nichts erreicht. Mit einer solchen Leistung würden wir an einem anderen Tag klar als Verlierer vom Platz.» Bereits im nächsten Training müssen einige Punkte besprochen werden, die man in Zukunft wieder besser machen wolle. Für den FC Aurore steht als Nächstes eine kapitale Partie auf dem Programm: Nächster Gegner ist der FC Aarberg. Eine weitere Niederlage könnte vorentscheidende Wirkung haben.

*****************************************

Die Szene
Der FC Aurore startet an diesem kalten Sonntagmorgen besser ins Derby gegen die Azzurri. Sofort übernehmen die Welschbieler das Spieldiktat und schiessen quasi aus allen Lagen auf das gegnerische Tor. Mit Erfolg: In der fünften Minute darf Verteidiger Luzubu aus gut 20 Metern einen direkten Freistoss ausführen. Er macht das gekonnt. Das Leder zischt an der gegnerischen Mauer vorbei, entwickelt etwas Drall und ist für einen Goalie sehr schwierig zu halten. Azzurri-Keeper De Almeida kann zwar intervenieren, muss das Geschoss in der Luft nach vorne wegboxen. Loan Lippi kommt herangebraust und braucht nur noch den Kopf hinzuhalten. 1:0 für den Underdog. Die Partie ist lanciert und der grosse Favorit in der Folge lange Zeit verunsichert. dmb

Nachrichten zu Aktuell »