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100-km-Lauf von Biel

Majestätische Kraft aus den Bergen

Franz Reist Mit 87 Jahren musste sich der «Vater des 100-km-Laufes von Biel» vor zehn Tagen aus dem Leben verabschieden. Gestern nahm in Brügg eine grosse Trauergemeinde am Gedenkgottesdienst teil.

«Vater des 100-km-Laufes»: Franz Reist löste in seinem erfüllten Leben viel aus. Nur so ist das grosse Echo anlässlich der gestrigen Abschiedsfeier zu erklären. BT/a

Beat Moning

Darauf konnte man eine Bank setzen: Am Montag nach dem 100-km-Lauf von Biel fanden die gut ausgeschlafenen Sportredaktoren einen feinen Kuchen auf dem Pult vor. OK-Präsident Franz Reist hat diesen schon früh am Morgen organisiert und auf die Redaktion gebracht. Es war sein Dank dafür, dass die Bieler Medien ausführlich über die Bieler Lauftage berichtet haben.
«Dankbarkeit». Dieses Wort war gestern anlässlich der Abschiedsfeier auf dem Friedhof Brügg und dem anschliessenden Gottesdienst im Kirchgemeindehaus von verschiedenen Seiten zu hören. Die Anwesenden erhielten ein umfassendes Bild eines Machers. Mit einem Merkmal, das ihn über das ganze Leben begleitet hatte: Die Berge, die ihm Kraft für seine Tätigkeiten gaben. Und das waren in einem bewegten und erfüllten Leben nicht wenige.

Via Genf, Wimmis, Zürich nach Biel
Franz Reist ist in Genf am 5. Juli 1930 geboren worden, aber in Wimmis mit zwei Schwestern aufgewachsen. Der Bauernhof, die Alphütte und nicht zuletzt der Niesen haben es ihm angetan. Nach der Pensionierung gehörte er über 20 Jahre lang dem Niesen-Verwaltungsrat an, und er war zuständig, dass heute alle schnell und bequem mit der Bahn den Berg hochkommen. «Alle sollen teilhaben an dieser wunderschönen Bergwelt», hat er gesagt. Er dachte immer für die Gemeinschaft. Franz Reist wurde lange zuvor zum «Bergler», zum Besteiger aller 4000er. Nicht nur im Berner Oberland, auch im Wallis, wo er einen Grossteil seiner Militärkarriere bis zum Oberstleutnant verbracht hatte.

Das beste je gesehene Marketing
Angetan war er vom Maschinenbau. Da machte er die Lehre in Thun und den Mechanikermeister in Zürich. Dies führte ihn schliesslich nach Biel in die Henri Hauser AG. Spuren hinterliess er im Zivilschutz: Erst baute er diesen in Biel auf, später im Kanton. Dies würdigte gestern sogar in der Person von Christian Rubin ein Regierungsstatthalter. «Er war ein Pionier. Er hat die notwendigen Änderungen gesehen und umgesetzt. Die Bevölkerung kann ihm dankbar sein.» Kurz nachdem seine beiden Söhne 1956 und 1958 geboren wurden, holte Franz Reist im Seeland zum ganz grossen Schlag aus. Er plante zusammen mit Offizierskollegen den 100-km-Lauf. Am 13. November 1959 gingen 35 Läufer an den Start, 22 erreichten das Ziel. Beat Müller, der OK-Präsident-Nachfolger ab der 41. Austragung und heutige Ehrenpräsident der Bieler Lauftage, sagte in seiner gestrigen Rede: «Dank dieser irren Idee hat er für die Stadt das beste Marketing aller Zeiten betrieben.» Die Lauftage seien weit über die Landesgrenzen bekannt geworden, und sie sind es heute noch. «Er hatte einfach Freude am Extremen. Für einen 50-km-Lauf hätte er sich nicht begeistern können.» Er wollte diesen Lauf von Biel nach Biel und die Strecke, die mit wenigen Veränderungen die gleiche geblieben ist, musste auf der 50000er-Landeskarte von Solothurn gezeichnet werden können. «Was zeigt, und das hat ihn geprägt, dass er ein Perfektionist in allen Belangen war.»
Beat Müller, selber ein Langstreckenläufer, gehörte zu den langjährigen Wegbegleitern von Franz Reist. Schockiert sei er von dieser traurigen Nachricht gewesen. «Wir haben einen liebenswerten Menschen verloren, der motiviert war und motivieren konnte. Nur so war es möglich, diese wachsende Organisation des 100-km-Laufes in den Händen zu halten. Er hatte ein grosses Verantwortungsbewusstsein und sein Wirken war von hoher Professionalität geprägt.» Er habe die Aufgaben aber auch fröhlich und mit viel Humor angegangen.

Er machte sich immer Sorgen
Dankbarkeit auch da: «Er forderte und er förderte. Schliesslich galt es eine ganze Helferschar zu führen. Das zeichnete ihn aus. Der erste Start beim Madretschschulhaus, dann ging es in die Linde, zum Battenberg und schliesslich, als der Lauf definitiv zu gross geworden ist, ins alte Eisstadion. Heute sind Start und Ziel beim Kongresshaus. Franz Reist, langjähriges Panathlon-Club-Mitglied und so mitverantwortlich für die Unterstützung zahlreicher Sportler in der Region, war stets dabei und hielt den Kontakt zu den Organisatoren aufrecht. «Er orientierte sich, ob alles zum Besten steht», weiss Beat Müller.Die finanziellen Schwierigkeiten lagen Reist auf dem Magen. «Wir mussten ihn immer wieder beruhigen. Die Nachfolger haben eine grosse Aufgabe. Sein einmaliges Lebenswerk darf nicht zerstört werden.»
Franz Reist wird in Erinnerung bleiben. Spätestens jeden Juni, wenn der Startschuss zum 100-km-Lauf in die Nacht der Nächte ertönt. Sein Wunsch, den 60. vor Ort zu erleben, geht nicht in Erfüllung. Der Brügger, der vor zehn Jahren eine Krankheit überwunden und eine zweite Geburt erlebt hatte, verschied am letzten 13. Februar im 87. Lebensjahr. Nach einer Veloausfahrt der Aare entlang, hörte sein Herz vor der eigenen Haustüre auf zu schlagen. Dort, wo er Kinder, Grosskinder und Urgrosskinder gerne bei sich hatte. Im Herzen all jener, die ihn kennenlernen durften, bleibt er allemal.

Kommentare

Binkert

Werte Redaktion, Vielen Dank für die interessante Würdigung von Franz Reist. Ich wohne seit über 70 Jahren in Brügg, habe Herrn Reist auch gekannt, da er in der gleichen Firma gearbeitet hat wie mein Vater. Der 100er ist weit über unsere Grenzen bekannt und soll es bleiben. Seinen grossartigen Leistungen zolle ich meinen Respekt.


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