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Wochenkommentar

Höchste Zeit für den Videobeweis

Die Schiedsrichterleistung im Spitzenkampf zwischen dem FC Basel und GC hat die Diskussionen um elektronische Hilfsmittel neu entfacht.

Sportredaktor Francisco Rodriguez, Bild: bt/a

Am letzten Sonntag gewannen die Zürcher in Basel mit 3:2, wobei sie durch diverse Schiedsrichterfehlentscheide begünstigt wurden, beziehungsweise Basel benachteiligt wurde. Vor allem die Aktion kurz vor Schluss, als Embolo im Sechzehnmeterraum von Pnishi gefoult wurde, erhitzte die Gemüter. Der Schiedsrichter liess weiterlaufen, ehe er sich nach der Partie die Aufzeichnung noch einmal anschaute und zugeben musste, dass es ein Penalty gewesen wäre. Er zog den Zorn der Basler auf sich, wurde von den Boulevardmedien verrissen. Der Wirbel über die Fehlentscheide drängte die spielerischen Inhalte dieses packenden Spitzenkampfes in den Hintergrund. Dabei gäbe es sinnvolle Helferlein, um den Schiedsrichter zu unterstützen und aus der Schusslinie zu nehmen.

Noch selten hat im Fussball eine Frage so polarisiert, wie die Zulassung elektronischer Hilfsmittel. Traditionalisten sagen, dass Fehlentscheide seit jeher zum Fussball gehören, ihn spannender machen und für noch mehr Emotionen sorgen. Befürworter betonen, dass der Bessere gewinnen soll, nicht der Glücklichere, und dem Schiedsichter sinnvolle Hilfsmittel nicht vorenthalten bleiben dürfen. Technisch ist inzwischen vieles machbar. Die Torlinientechnik hat sich an den grossen Turnieren und in einigen europäischen Ligen bewährt. Überquert der Ball die Torlinie, erhält der Schiedsrichter auf seiner Uhr sofort ein akustisches und optisches Signal. Umsetzbar wäre auch die elektronische Offsidetechnik, die sofort alle Zweifel über eine mögliche Abseitsposition ausräumen würde. Der Schiedsrichter und seine Assistenten hätten damit mehr freie Kapazitäten, um ihre Aufmerksamkeit im Spiel auf andere Aktionen zu richten.

Eine sinnvolle Ergänzung wäre der Videobeweis. Wie in anderen Sportarten könnten sich die Unpartei-ischen strittige Szenen noch einmal anschauen und dann ihren Entscheid fällen. Allerdings sollten die Interventionsmöglichkeiten auf bestimmte Situationen und in ihrer Anzahl beschränkt werden, um den Spielfluss nicht zu fest zu hemmen. In sogenannten «Challenges», zum Beispiel je eine pro Team und Halbzeit, könnten Trainer vom Schiedsrichter verlangen, dass er eine Spielaktion noch einmal beurteilt. Erlaubt wären nur torentscheidende Szenen im Strafraum, wie das Foul von Pnishi an Embolo. Die genaue Umsetzung würde viel Abstimmungsaufwand bedingen und auch Geld kosten. Doch letztlich wäre es für den Fussball ein bedeutender Schritt in Richtung Fairness.

E-mail: frodriguez@bielertagblatt.ch

Schiedsrichterfehlentscheid: Basels Embolo (vorne) wird von Pnishi gefoult, erhält aber den fälligen Penalty nicht zugesprochen. Bild: Keystone
 

Kommentare

Geni

.Mein Kommentar bezieht sich auf den Schreiber Resand !


Geni

Kann Ich und viele andere nicht Zustimmen. Es wäre höchste Zeit in diesem Sinne etwas zu machen aber nicht wieder etwas "Zwischendurch". Wenn mich nicht alles täuscht läuft in Holland versuchsweise schon sowas .Die ganz grossen Clubs Profitieren am meisten von diesen Fehlentscheiden und das würde diesen sicher nicht passen.ÜBRIGENS wieso geht das eigentlich im Eishockey ?


Resand

Schiedsrichter-Fehlentscheide sind ärgerllich, das ist unbestreitbar, wobei ich nicht unterstellen mag, dass sie absichtlich passieren. Ob jedoch ein Videobeweis hier Abhilfe zu schaffen vermag, ist jedoch zu bezweifeln. Vorallem, wenn er nur einmal pro Halbzeit zulässig sein sollte. Denken wir an die doch häufig vorkommenden Offside-Situationen: Was, wenn ein Offside agepfiffen wird, das keines ist? Sollte da auch der Video-Beweis gelten? Wenn ein zweites Mal in der gleichen Halbzeit ein Tor aus einer nicht geahndeten Offside-Situation fällt, oder wenn ein nicht geahndetes Foul im 16-Meterraum passiert? Also müsste der Video-Beweis aus Gründen der Gerechtigkeit unbeschränkt zulässig sein. Und das führt dann zu noch grösseren Spielverzögerungen, als sie ohnehin schon sonst vorkommen! Lassen wir den Schiedsrichtern doch den "Tatsachen-Entscheid". Es genügt doch schon, dass ihre Entscheide im Fernsehen im "slow motion" aus allen Perspektiven seziert werden! Sie müssen halt damit leben, dass sie danach in der Presse "verrissen" werden!


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