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Kunstturnen

Giulia Steingruber an der EM in drei Finals dabei

Giulia Steingruber schafft an den Europameisterschaften in Basel in der Qualifikation den Einzug in drei Finals. Am Sprung und am Boden kämpft sie um die Medaillen.

(sda) Mehr als 17 Monate war es her, seit Giulia Steingruber im November 2019 am Swiss Cup Zürich ihren letzten Wettkampf bestritten hatte. Dementsprechend aufgeregt war die 27-jährige Ostschweizerin in der zwar leeren, aber dennoch stimmungsvollen St. Jakobshalle. Viele Athleten unterstützten ihre Kolleginnen auf der Tribüne, zudem waren auf drei grossen Bildschirmen Zuschauer in Echtzeit von zuhause zugeschaltet.

Steingruber enttäuschte diese nicht. Nach einem verhaltenen Start an ihrem schwächsten Gerät Stufenbarren und einem Sturz am Schwebebalken drehte die fünffache Europameisterin im zweiten Wettkampfteil auf. Am Boden zeigte sie ein ebenso spektakuläres wie ausdrucksstarkes neues Programm zu irischer Musik. Und am Sprung konnte sie sich den Luxus leisten, nicht alles riskieren zu müssen. Nach einem sauberen Tschussowitina zeigte sie den Jurtschenko nur noch mit einer Schraube.

Auch so erreichte Steingruber an ihrem Paradegerät als Drittbeste den Final. Nur die Britin Jessica Gadirova und die Mehrkampf-Beste Angelina Melnikowa aus Russland waren minim besser als die Schweizerin, die - wenn ihr im Final auch der Jurtschenko mit einer doppelten Schraube gelingt - die Topfavoritin auf Gold ist. Es wäre ihr vierter EM-Titel am Sprung nach 2013, 2014 und 2016.

Nur als Aussenseiterin im Kampf um die Medaillen startet sie am Boden. "Das Niveau ist sehr hoch", so die St. Gallerin, die als Fünfte die Qualifikation abschloss. Die Landungen glückten zwar vorzüglich, "aber ein wenig besser geht es immer". Während Gold die Russinnen Melnikowa und Viktoria Listunowa unter sich ausmachen dürften, ist der Kampf um Bronze offen.

Den Auftakt in die Finals macht am Freitag der Mehrkampf, in dem Steingruber als Einzige den STV vertreten wird. Kommt sie ohne Sturz durch ihr Programm, liegt sogar ein Platz in den Top 8 drin. Im Gegensatz zu ihrer Teamleaderin verpassten Lilli Habisreutinger, Stefanie Siegenthaler und Anina Wildi den Einzug in den Final der besten 24 klar.

Habisreutinger feierte dennoch ein gelungenes Debüt an internationalen Titelkämpfen bei der Elite. Die 16-Jährige aus Frauenfeld konnte zwar eine gewisse Nervosität nicht verbergen, kam aber mit Ausnahme eines Sturzes am Schwebebalken ohne groben Fehler durch ihr Programm. Sie sei sehr unsicher gewesen, sagte die Thurgauerin. Dennoch könne sie für die Zukunft viel von diesem Anlass mitnehmen. Ihr nächstes grosses Ziel sind die Weltmeisterschaften im Oktober. Eine Teilnahme in Japan strebt auch Wildi an.

Für Aufsehen sorgte die Deutsche Sarah Voss. Die 21-Jährige absolvierte ihren Wettkampf in einem schwarzen Ganzkörperanzug als Zeichen des Protests gegen die Sexualisierung im Kunstturnen. Am Freitag im Mehrkampf-Final wollen auch ihre Teamkolleginnen Elisabeth Seitz und Kim Bui mit langen Gymnastikanzügen antreten. Jüngst hatte Seitz kritisiert, dass immer wieder Fotos von ihr mit anzüglichen Motiven veröffentlicht werden.

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