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Ein ehemaliger Bieler Spieler trimmt heute Petkovics Männer fit

Das Schweizer Nationalteam tritt morgen in der EM-Qualifikation in Slowenien an. Oliver Riedwyl ist seit der WM Konditionstrainer der Auswahl – der 39-Jährige ist in der Berner Fussballszene sehr bekannt.

Mit einem Lachen im Gesicht: Der Schweizer Nationalcoach Vladimir Petkovic (links) schätzt Konditionstrainer Oliver Riedwyls Wissen, Selbstvertrauen und Humor. Bild: Urs Lindt/Freshfocus

von Fabian Ruch

Das Treffen findet in einem Gym im Marzili statt, was passend ist, denn Oliver Riedwyl sieht genau so aus, wie man sich einen Konditionstrainer vorstellt: athletisch, explosiv, fit. «Ich trainiere mal hier und mal da, weil ich immer an anderen Standorten arbeite», sagt Riedwyl, der gerade von einer Trainerausbildung des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) in Magglingen kommt – und seit der Weltmeisterschaft Fitnessverantwortlicher der Schweizer Nationalmannschaft ist. Man kennt den 39-Jährigen in der Berner Fussballszene, er spielte früher für Köniz, Bern und Bümpliz, Grenchen, Solothurn und Biel, und immer schon hat er viel Wert auf einen austrainierten Körper gelegt. «Das gibt mir einfach ein gutes Gefühl», sagt er.

Petkovics grosses Lob
Eigentlich schlug Oliver Riedwyl früh eine Trainerkarriere ein, aber er spürte bald, dass es «Trainer gibt, die das besser können als ich», wie er erklärt. Also spezialisierte sich der Berner vor ein paar Jahren als Fitnessinstruktor, besuchte Kurse bei Swiss Olympic und beim SFV, hospitierte bei Klubs, schrieb Diplomarbeiten, bildete sich weiter, indem er Fachliteratur verschlang – und geniesst heute als Experte einen ausgezeichneten Ruf. «Die ganze Trainingslehre ist komplex», sagt Riedwyl. Und: «Man kann sehr viel steuern, wenn man die Belastung für die Spieler individuell gestaltet, die Ernährung anpasst oder die Muskelbeschaffenheit genau berücksichtigt.» Insgesamt, sagt der frühere Stürmer, liege in diesem Bereich im Fussball noch einiges an Verbesserungspotenzial brach.

Als Konditionstrainer für die A-Auswahl arbeitet Riedwyl, weil er den neuen Nationalcoach Vladimir Petkovic im Sommer überzeugte. «Das ist ein positiver, guter, stolzer Mann», sagt Petkovic, «und genau das will ich. Wir haben im Nationalteam nicht viel Zeit, da braucht es aufrechte Trainer, die selbstbewusst und humorvoll sind. Und Oliver lacht viel, das passt mir.» Ursprünglich war Paolo Rongoni als Nachfolger von Dominik Baumgartner für den Posten des Athletikcoachs vorgesehen gewesen, doch der Italiener blieb lieber im Klubfussball und arbeitet jetzt für die AS Roma. Der SFV lud deshalb einige Kandidaten ein – und Riedwyl, der beim Verband zuvor schon Mandate besessen hatte, stach die Konkurrenten aus.

«Brutal» fitte Spieler
Er sei von den Nationalspielern fantastisch aufgenommen worden, sagt Riedwyl, der in Neuenegg aufwuchs. «Das sind alles coole, nette, unkomplizierte Typen.» Zudem sei er ja nicht der einzige Neue im Team, und seine Funktion sei zwar wichtig, aber nicht entscheidend. «Ich kenne meine Rolle. Ich bin ein Dienstleister für die Fussballer.»

Und wer ist denn jetzt der fitteste Nationalspieler? Ist es Stephan Lichtsteiner, ausdauernder Puncher auf rechts? Oder Valon Behrami, laufstarker Zweikämpfer im Zentrum?

Oliver Riedwyl schmunzelt, dann antwortet er: «Ich kann kein Ranking abgeben, weil alle Spieler brutal fit sind, das ist wirklich beeindruckend. Auf diesem hohen Niveau kann man sich keine Nachlässigkeiten leisten.»

Sportbegeisterter Topgolfer
Das Aufgabengebiet Riedwyls, der im Berner Breitenrainquartier wohnt und einen fünf Monate alten Sohn hat, ist vielfältig. Er trimmt beispielsweise die SFV-Schiedsrichter in Trainingslagern, ist verantwortlich für die Spitzensportler-RS in Magglingen, übernimmt als Instruktor Aufgaben in der Trainerausbildung. Riedwyl ist ohnehin äusserst sportbegeistert, er liebt alle Balldisziplinen, und wenn es die Zeit zulässt, kickt er zum Spass noch mit den Senioren des FC Wabern. Seinen (bestimmt sehr tiefen) Körperfettanteil verrät Riedwyl nicht, aber seine Golf-Leidenschaft ist bekannt, das Handicap (3.3) unverschämt tief.

Ursprünglich machte der Berner vor zwei Jahrzehnten eine Ausbildung zum Elektriker, ehe er ein Managementstudium absolvierte und bald merkte, dass er «unbedingt im Sport» arbeiten will. Als Fitness-Personal-Trainer würde er heute zwar vermutlich mehr Geld verdienen, aber dann wäre seine Aufgabe kaum so spannend. «Es ist toll, darf ich auf höchstem Level im Fussball arbeiten», sagt Oliver Riedwyl vor den Schweizer EM-Qualifikationsspielen morgen in Slowenien und am Dienstag in San Marino. «Und Vladimir Petkovic ist ein Trainer, der seinen Mitarbeitern viele Freiheiten lässt.»


"Das Duell zweier Verlierer"
Heute fliegt das Schweizer Nationalteam nach Maribor, wo es morgen Abend im zweiten EM-Qualifikationsspiel auf Slowenien trifft (20.45 Uhr, SRF 2 live). Der neue Nationaltrainer Vladimir Petkovic will jeweils möglichst lange in der Schweiz bleiben und erst einen Tag vor den Auswärtspartien das Land verlassen. In Slowenien steht die Schweiz nach der 0:2-Startniederlage gegen England bereits ein wenig unter Druck – allerdings qualifiziert sich auch der Gruppenzweite in jedem Fall für die Euro 2016. Und alles andere als eine problemlose Qualifikation für die EM in zwei Jahren in Frankreich wäre eine Enttäuschung für die ambitionierte Schweiz.

Die Slowenen verloren ihre erste Partie in Estland überraschend 0:1. «Das wird kein einfaches Spiel in Maribor», sagt Vladimir Petkovic, «gerade zu Hause ist Slowenien unberechenbar .» Im Schweizer Team sind einige Leistungsträger wie Xherdan Shaqiri, der bei Bayern nur sporadisch eingesetzt wird, nicht in Bestform. Zudem agierten die Innenverteidiger wie Steve von Bergen von den Young Boys in den letzten Wochen teilweise äusserst fehlerhaft. «Ich mache mir keine Sorgen deswegen», sagt Petkovic. «Die Nationalspieler werden am Donnerstag bereit sein.»

Vier Punkte aus den zwei Partien morgen in Slowenien sowie am Dienstag beim krassen Aussenseiter San Marino dürften das Minimalziel der Schweizer sein. Morgen wird die Begegnung des Nationalteams von einem prominenten Schiedsrichter geleitet. Der Deutsche Wolfgang Stark, 44 Jahre alt, wird seit 1997 in der Bundesliga eingesetzt. Stark ist nicht unumstritten, auch der grosse FC Barcelona ärgerte sich schon über den Referee. Vor ein paar Jahren beschwerte sich der spanische Topklub, dass Stark das Regelwerk nicht kenne. fdr

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