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Ein "Chlapf a Gring" für die Berner Grossklubs

Angesichts der schnell steigenden Corona-Fallzahlen verbietet der Kanton Bern ab Montag Grossveranstaltungen ab 1000 Personen. Die Profiklubs zeigen sich verärgert.

(sda) Davon betroffen sind insbesondere die Young Boys aus der Super League sowie die National-League-Vereine Bern, Biel und SCL Tigers. Sie dürfen damit trotz Schutzkonzepten nicht mehr wie seit dem 1. Oktober bis zu zwei Drittel des Stadions mit Zuschauern füllen. Der SC Bern bringt für den Entscheid kein Verständnis auf und Liga-Direktor Denis Vaucher spricht von einem "Chlapf a Gring". Die Signale der Gesundheitsdirektorenkonferenz und des Bundesrats gingen eigentlich in eine andere Richtung. Vor allem befürchtet er einen gewissen Domino-Effekt - dass nun andere Kantone nachziehen. "Das wäre fatal", so Vaucher.

Laut dem Sprecher der Berner Gesundheitsdirektion, Gundekar Giebel, geht es beim Verbot von Grossveranstaltungen über 1000 darum, die Ansteckungsgefahren ausserhalb der Sportstadien zu verringern. Auch wenn innerhalb der Stadien die Distanzen eingehalten werden können, sei dies ausserhalb nicht immer der Fall. Der Kanton Bern hatte Ende September für die Bewilligung von Grossveranstaltungen ein Ampelsystem eingeführt. Nun wird die Ampel bis auf weiteres auf Rot gestellt.

Der Schweizer Meister YB schreibt in einer Mitteilung, er sei - wenige Tage vor den Heimspielen am Donnerstag in der Europa League gegen die AS Roma und am Sonntag gegen Luzern - überrascht worden. "In den letzten Wochen standen wir in engem Austausch mit den Behörden, nun wurden wir vom Entscheid auf dem falschen Fuss erwischt."

Der SC Bern erinnert daran, dass er über eine halbe Million Franken in das Schutzkonzept investiert habe. "Den Schutzkonzepten der Sportklubs wird attestiert, dass sie erstens sehr gut geplant und zweitens bisher sehr gut umgesetzt worden sind", schreibt der Verein, der seine Zuschauerkapazität wegen der Schutzmassnahmen schon von gut 17'000 auf 6750 reduzieren musste. "Es sind zudem nachweislich keine Covid-Fälle bekannt, die in Zusammenhang mit den Spielen des SCB stehen. Entsprechend empfindet der SCB den Entscheid der Kantonsregierung als unverhältnismässig."

Der Grossklub kommt zum Schluss: "Die Durchführung der Spiele mit weniger als 1000 Zuschauern ist für den SCB mittelfristig Existenz bedrohend." Das gilt in ähnlichem Ausmass auch für den EHC Biel und die SCL Tigers. Und YB, das finanziell sehr solide da steht, warnt: "Wir plädieren dafür, Mass zu bewahren und die grossen Anstrengungen der Schweizer Profiklubs zu anerkennen. Wir sehen die Existenz des Schweizer Profifussballs in Gefahr, sollte es den Klubs erneut über einen längeren Zeitraum nicht möglich sein, Zuschauer in den Stadien zu begrüssen."

Das gilt im Eishockey eher noch mehr. "Es ist fraglich, ob alle Berner Klubs das überstehen, wenn es länger andauert", befürchtet Denis Vaucher. Am Dienstag stehen in Biel (gegen Bern) und Langnau (gegen Rapperswil-Jona) gleich die nächsten Heimspiele an, für die die Klubs nun innert kurzer Zeit entscheiden müssen, wer von den Ticketinhabern ins Stadion darf.

Wo die Schmerzgrenze liegt, wenn weitere Kantone eine Beschränkung der Grossveranstaltungen beschliessen sollten, konnte Vaucher nicht sagen. "Wir werden das diese Woche sicher aufmerksam beobachten." Die National League hatte ihren Saisonstart extra um gut zwei Wochen auf den 1. Oktober verschoben, um wieder von mehr als 1000 Zuschauern profitieren zu können.

Am Abend nahm auch der Schweizer Sport-Dachverband Swiss Olympic "mit Erstaunen und Unverständnis" vom Berner Entscheid Kenntnis. "Grundsätzlich erwartet Swiss Olympic von den Kantonen, dass sie keine weiteren Einschränkungen für den Sport beschliessen", schrieb der Verband in einer Medienmitteilung.

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