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100-km-Lauf von Biel

Die Unermüdlichen

Am Freitag um 22 Uhr fällt der Startschuss. Unter den über 1000 Teilnehmern hat es einige, für die die Nacht der Nächte längst zur Sucht geworden ist.

Kurt Wyss: Unermüdlicher aus Port. Schliesst er zum 43. Mal ab?
  • Dossier

Beat Moning

Am Freitag erscheinen zum 60. 100-Kilometer-Lauf von Biel die bisherigen Sieger zu einem Apéro. Zumindest sind alle eingeladen. Einige davon sind weiterhin am Start, gar mit Siegesabsichten. Später werden die Jubilare geehrt. Läufer und Läuferinnen, die mehrmals den 100er schon absolviert haben, nun zum fünften, zehnten, 15. (wie der Täuffeler Christian Buch) oder 20. Mal. Oder gar zum 40. Mal wie Hans Habegger aus Utzigen, Franz Gut aus Stans oder Hermann Roduner aus Meilen. Dem gegenüber stehen Läufer und Läuferinnen, die den 100er erstmals in Angriff nehmen. Etwa der 19-jährige Ipsacher Severin Zurbuchen.


«Bin auch zum 51. bereit»
Dann sind Läufer und Läuferinnen im Feld, die längst schon mehrmals geehrt wurden. Rekordhalter Willi Fürst aus Hinwil etwa. Als hätte er sich im Dorf in der Sauber-Fabrik einen Motor einpflanzen lassen, erscheint der 68-Jährige nach dem 50. Lauf auch zum 51. «Eigentlich wollte ich aufhören. Aber es läuft mir gut, ich habe keine Probleme. Also warum nicht?», sagte ich mir. Ist er denn bereit? «Wenn ich jetzt ein paar Tage vorher nicht bereit bin, dann nie wieder», sagt er und macht sich auf einen langen Marsch gefasst. «Zwei- dreimal war es knapp, als ich nach einer Operation etwas länger regenerieren musste. Als «jugendlicher Leichtsinn mit 17 Jahren» bezeichnet er seine erste Teilnahme im Jahre 1974, als er zusammen mit dem Bruder aufgeben musste. «Es war dann kein Ziel, 50 Mal zu laufen, aber irgendwie wurde es halt zur Tradition, an jedem Jahr wieder dabei zu sein.» Nun erlebe er den 60. Jubiläumslauf und er freue sich riesig. «Ich hätte nicht gedacht, dass es noch einmal zu einem Fest reichen wird, nach dem ich doch schon letztes Jahr gefestet habe.» 9:58 beträgt seine Bestzeit aus dem Jahre 1993. Jetzt rechnet er mit gegen 16 Stunden, begleitet, wie immer, von seiner Partnerin. «Wenn im Wald die Vögel zwitschern, wenn es aus der Nacht heraus tagt, wenn man ins Ziel kommt, es sind unbeschreiblich schöne Momente», hält er zur Faszination fest.


«Bewegung ist Leben»
Da blasen andere erfahrene Läufer und Läuferinnen ins gleiche Horn. Etwa der Bettlacher Heinz Mäder. Mit 80 Jahren zusammen mit einem weiteren Läufer und zwei Läuferinnen der Älteste im gemeldeten Feld. Ob er allerdings starten kann, ist mehr als ungewiss. Seit Montag liegt er krank im Bett. Zuvor sagte er noch gegenüber dem BT: «Bewegung ist Leben.» So lautet auch das Motto seines früheren Arbeitgebers Mathys AG, dem Hersteller unter anderem von «Knochenersatz». Das brauche er zwar nicht, aber die Lendenwirbel musste er versteifen lassen. 1967 wollte er sich beweisen, dass 100 Kilometer möglich sind. «Mit einem Kollegen und ohne Training ging es an den Start. Bei der militärischen Aushebung hat man mich für untauglich erklärt. Man traute mir das Laufen nicht zu», schmunzelt er heute. 23 Mal hat er den 100er beendet, «fünf- sechsmal musste ich aufgeben.» Zwischen 1993 und 2008 legte er eine Pause ein. «Ich hatte eine Beinverletzung und konnte nur noch Velofahren. Doch auf einmal ging auch laufen wieder und meldete mich wieder an. Jeweils ohne Begleitung. «Früher gab es nur fünf Verpflegungsposten und nur Rivella, aber inzwischen ist das ja mit rund 15 Stellen kein Problem mehr. Ich laufe ja nicht auf Rekord...». Die Bestzeit liegt übrigens bei 9:58. Hoffen wir, dass es morgen mit dem Start klappt.


«Ich bin einfach happy»
Apropos Rekord: Einen solchen stellte die Bieler Ultraläuferin Rosmarie Marolf auf. Kürzlich beim 24-Stundenlauf in Basel, der 30. Ausgabe des Self-Transcendence. Knapp 140 Kilometer, genau 13 Kilometer und 745 Meter lief sie, soweit wie noch nie eine 75-jährige Schweizerin in dieser Kategorie. Sie machte persönlich das Dutzend voll. «Bei 30 Grad hatte ich allerdings etwas Mühe», blickt sie zurück. Nun geht es zum 32. Mal an den Start des Bieler 100ers. Nur zweimal musste sie nach einem Sturz und nach einem Zeckenbiss vorzeitig aufgeben. 1982 war sie erstmals dabei. 1988 und 1992 lief sie in 11:52 und 11:47 ein. «Jetzt rechne ich etwa mit 16 Stunden. Aber das ist weitgehend wetterabhängig.» Sie hoffe einfach nur, dass diese Gewitter aufhören. Da bekomme sie in den Wäldern richtig Angst.» «Ich bin einfach dankbar, noch so laufen zu können. In diesem Alter ist das keine Selbstverständlichkeit. Alles was jetzt noch kommt, ist eine schöne Zugabe.» Ausdauerlaufen sei ihr Leben. «Ich bin immer zufrieden. Das ist mein Geheimnis. Absolut happy, wenn ich unterwegs bin.» Voller Erinnerungen seien diese 100-km-Lauf-Teilnahmen. Vor ihr haben nur die Deutsche Angelika Steinborn mit 38 absolvierten Läufen und Marianne Egger aus Krattigen mit 42 Zielankünften die Nase vor Marolf.


Rosmarie Marolf


«Es hat weniger aus der Region»
Der Seeländer mit den zweitmeisten «Finishern» ist der Porter Kurt Wyss. 42 Mal ist der 65-Jährige ins Ziel gekommen. «Es ist ein alljährliches Wiedersehen, auch mit vielen Läufern. Ich freue mich auf den Freitag», sagt er. 1975 hat er den Lauf erstmals bestritten und sein Motto immer gleich: «Durchkommen.» Nur 1985 gelang ihm das nicht. Ob er es dereinst auch auf 50 Teilnahmen bringt? «Warum nicht. Es hängt wohl auch davon ab, ob es den Lauf noch lange gibt.» Es wäre schade darum, «aber diskutiert hat man schon in früheren Jubiläumsausgaben.» Und Wyss erwähnt nicht nur die sinkenden Teilnehmerzahlen, sondern auch das Startgeld. «Von 28 Franken auf 140 Franken, das ist halt schon ein grosser Schritt.» Er stelle fest, dass vor allem aus der Region zunehmend weniger Teilnehmer an den Start gehen, etwa aus Nidau oder La Heutte hatte es doch einige mehr.» Er hoffe nun auf angenehmes Wetter. «Ich habe es lieber, wenn es leicht regnet, als wenn es zu heiss ist. Dann muss man halt mal bei einem Bauernhof Schutz suchen, was bei mir auch schon vorgekommen ist.» 8:38 ist seine Bestzeit aus dem Jahre 1982, 2016 kam er in 19:03 ins Ziel.

 

 

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30 und mehr Läufe

Willi Fürst, Hinwil     50
Werner Höhl, Speyer/De     47
Felix Robadey, Epagny     47
Fritz Scheidegger, Zwieselberg     46
Rudolf Schneider, Ammerzwil     46
Rudolf Schneider     46
Hansueli Fäh, Uznach     45
Hans Mathys Kirchberg     45
Marianne Egger, Krattigen     42  (1. Frau)
Alfred Dietiker, Hirschthal     41
Gerd Presser, Ottweiler, De     41
Kurt Wyss, Port     41
Weitere Seeländer:
Aribert Hannappel, Péry     37
Jean-Pierre Beuchat, Nidau     35
Hugo Möri, Ipsach     35
Reto Calderari, Nidau     34
Kurt Vögeli, Biel     34
Franz Reist, Brügg         33
Roland Tschanz, Tüscherz-Alfermée     33
Rosmarie Marolf, Biel             31
Alfred Mathys, Walperswil     31
Hans-Rudolf Weber, Biel     31
Adrian Dreyer, Busswil     30
Fritz Jost, Walperswil     30
Werner Vuilleumier, Biel     30

Stichwörter: 100-km-Lauf von Biel

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