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Die Schweiz nach verrückter Wende im Final Four

Die Schweiz spielt im nächsten Juni in Portugal um den Titel in der Nations League. Sie setzt sich in Luzern nach einem 0:2-Rückstand und einer fantastischer Wende gegen Belgien mit 5:2 durch.

Symbolbild: Keystone

(sda) Am Ende war die Swissporarena in Luzern eine Festhütte. Als Dreifach-Torschütze Haris Seferovic in der Nachspielzeit von Nationalcoach Vladimir Petkovic ausgewechselt wurde, bekam er die verdiente Standing Ovation. Ein Jahr und sechs Tage nach den bitteren Pfiffen von Basel in der WM-Barrage gegen Nordirland durfte der Stürmer den Rasen nach seiner ersten Triplette für die Schweiz als Held verlassen.

Seine Treffer brachten die Schweiz ins "Final Four", das vom 5. bis 9. Juni 2019 in Portugal stattfindet. Gegner sind dort neben dem Gastgeber auch England sowie Frankreich oder die Niederlande. Dabei wird es um den ersten Titel der Nations League gehen - und um einen schönen Batzen Geld. Neben den 3 Millionen Euro als Startgage und für den Gruppensieg gibt es für den Turniersieger nochmals 4,5 Millionen Euro zu gewinnen.

Wenn der letzte Eindruck tatsächlich bleibend ist, dann hat die Schweizer Mannschaft aus einem schwierigen Jahr doch noch ein sehr gutes gemacht. Sie war ab der 25. Minute so gut, wie man sie seit der Startphase im EM-Qualifikationsspiel gegen Portugal vor mehr zwei Jahren nicht mehr gesehen hatte. Gemessen am Niveau des Gegner, dem WM-Dritten und Nummer 1 im FIFA-Ranking, war es vielleicht sogar das beste Spiel seit Jahren. Ein Spiel, von dem man auch in Jahrzehnten noch reden wird. So wie beispielsweise vom 4:1-Sieg an der WM 1994 gegen Rumänien. Tempo, Kreativität, Entschlossenheit und Effizienz: Es stimmte alles.

Auf das Penaltytor durch Ricardo Rodriguez zum Anschluss nach einem diskutablen Pfiff von Schiedsrichter Daniele Orsato folgten noch vor der Pause zwei sehenswert herausgespielte Tore von Haris Seferovic. Beim 2:2 verwertete er eine Kopfballvorlage von Xherdan Shaqiri, der von Rodriguez brillant angespielt wurde (31.), beim 3:2 schloss er einen Konter über Steven Zuber und Edimilson Fernandes ab (43.). Seine Show schloss der Stürmer in der 84. Minute mit dem 5:2 nach Flanke von Kevin Mbabu ab. Zuvor hatte Nico Elvedi mit seinem ersten Tor im Nationalteam das 4:2 erzielt; bereits mit diesem Resultat wäre die Schweiz für das Finalturnier qualifiziert gewesen.

An ein solches Ende hätte knapp anderthalb Stunden zuvor kaum mehr jemand geglaubt. Früh hatten sich die Schweizer nämlich ein 0:2-Handicap eingehandelt. Zwei Gegentore, die sie zwangen, das Spiel mit zwei Treffern Differenz zu gewinnen. Bis sich die wegen der Absenzen von Stephan Lichtsteiner, Fabian Schär und Manuel Akanji neu formierte Verteidigung mit Kevin Mbabu auf der rechten Seite sowie den Innenverteidigern Nico Elvedi und Timm Klose gefunden hatte, war sie bereits mehrmals düpiert worden.

Ein kapitaler Rückpass von Elvedi auf Thorgan Hazard führte bereits nach zwei Minuten zur belgischen Führung, ein Ballverlust von Klose und zu zögerliches Einsteigen von Elvedi ermöglichten wieder Thorgan Hazard das 2:0 schon in der 17. Minute. Es waren die Minuten, in denen man um die Schweizer Angst haben musste. Weil nicht nur die Abwehr überfordert war, sondern auch das Mittelfeld um Captain Granit Xhaka keinen Zugriff auf Ball und Gegner bekam. Eine womöglich krachende Niederlage zum Jahresabschluss lag in dieser Phase näher als der umjubelte und überragende Schlusspunkt.

Auch wegen dieser schwierigen Anfangsphase sind der Sieg und die Leistung der Schweizer in den folgenden rund 70 Minuten umso höher einzustufen. Nicht nur die Innenverteidigung gewann von Minute zu Minute an Sicherheit. Vor allem die beiden Leader im Team, Xhaka und Shaqiri steigerten sich auf ein hohes Niveau. In ihrem Sog überzeugten andere ebenfalls. Etwa Edimilson Fernandes, der auf auf dem rechten Flügel ein belebendes Element war. Oder Mbabu, der ab der 20. Minute mit seinem mutigen und stürmischen Spiel seinen Beitrag zur Wende leistete - er war es, der vor dem wichtigen Anschlusstor den Penalty herausgeholt hatte.

Schweiz - Belgien 5:2 (3:2). - Luzern. - 15'000 Zuschauer (ausverkauft). - SR Orsato (ITA). - Tore: 2. Thorgan Hazard 0:1. 17. Thorgan Hazard 0:2. 26. Rodriguez (Foulpenalty/Foul an Mbabu) 1:2. 31. Seferovic (Shaqiri) 2:2. 44. Seferovic (Edimilson Fernandes) 3:2. 62. Elvedi (Shaqiri) 4:2. 84. Seferovic (Mbabu) 5:2.

Schweiz: Sommer; Mbabu, Elvedi, Klose, Rodriguez; Xhaka, Freuler (79. Zakaria); Edimilson Fernandes, Shaqiri, Zuber (87. Benito); Seferovic (92. Ajeti).

Belgien: Courtois; Alderweireld, Kompany, Boyata; Meunier (90. Origi), Tielemans, Witsel, Chadli (65. Batshuayi); Thorgan Hazard, Mertens, Eden Hazard.

Bemerkungen: Schweiz ohne Lichtsteiner, Akanji, Embolo, Djourou, Mehmedi und Bürki (alle verletzt), Belgien ohne De Bruyne, Lukaku, Vermaelen, Vertonghen, Benteke, Dembele (alle verletzt) und Carrasco (abwesend). 86. Lattenschuss Eden Hazard. Verwarnungen: 38. Xhaka (Foul). 79. Mbabu (Foul). 87. Seferovic (Foul).

1. Schweiz 4/9 (14:5). 2. Belgien 4/9 (9:6). 3. Island 4/0 (1:13). - Schweiz am Final Four, Island steigt ab.

 

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