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„Krawattenzwang“

Der heimliche Weltmeister

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Der heimliche Weltmeister.

Krawattenzwang: Bernhard Rentsch
  • Dossier

Da sitze ich doch einem aktuellen Weltmeister gegenüber – und weiss es gar nicht. Es ist Heinz Keller, der zwischen 1985 und 2005 in Magglingen an der Sportschule und später am Bundesamt für Sport als Direktor tätig war. Und er ist amtierender OL-Weltmeister in der Kategorie der Über-75-Jährigen.

Keller ist auf allen OL-Pisten im In- und Ausland ein viel- und gerngesehener Gast. Mit dem Ehrgeiz eines Spezialisten, der sich während seinem ganzen Leben mit Sport befasst hat – allerdings nach eigenen Aussagen im Verlaufe seiner Berufskarriere in Magglingen immer mehr zum Passivsportler wurde –, etablierte er sich in den letzten Jahren in seinen Altersklassen ganz an der Spitze.

An die Weltmeisterschaften in Neuseeland reiste er dann im Frühjahr quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit – und natürlich auch mit privaten (Reise)Interessen. Einen zusätzlichen Ausflug zusammen mit seiner Frau liess er dann allerdings zugunsten der direkten Rennvorbereitung platzen. Ein klares Zeichen für erweiterte Ambitionen. Schliesslich gehört er, der eben erst im März dieses Jahres in die Altersklasse M75 „aufstieg“, zu den Jungen in dieser Kategorie. Er habe die Favoriten aus Skandinavien im Vorfeld genau studiert und sich mit ihrer Taktik auseinandergesetzt. Im Gegensatz zu den Nordeuropäern, die mit „Vollgas“ jeweils den kürzesten Weg zum nächsten Posten wählten, entschied sich Heinz Keller dafür, die kaum durchdringbaren und kräfteraubenden natürlichen Hindernisse zu umlaufen. Mit Erfolg: Das Seeland hat einen aktuellen Weltmeister mehr. Gratulation!

Nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf: Die Vorbereitungen auf die Titelverteidigung im nächsten Jahr laufen. Es sei an dieser Stelle versichert, dass ein neuerlicher Erfolg nicht quasi heimlich und unter Ausschluss der Öffentlichkeit passieren wird. Bescheidenheit in Ehren: Es gilt zu feiern, wenn die Erfolge da sind.


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

 

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