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Rudern

Auf dem See fühlt er sich zuhause

Kaum zurück von der Schweizer Meisterschaft, geht es für den Täuffeler Nils Schneider heute weiter ins Trainingslager. Nach einem anstrengenden Jahr folgt mit der Junioren-WM im August der krönende Abschluss.

Bild: Peter Samuel Jaggi

Sinja Gräppi

Nils Schneider blickt auf eine durchzogene Schweizer Meisterschaft auf dem Rotsee bei Luzern zurück. Zusammen mit Lucas Moseler gewann er im Zweier ohne Steuermann Silber. Nur zwei Sekunden haben gefehlt für Gold. Im Vierer ohne Steuermann lief es im Final weniger gut. So resultierte am Schluss der fünfte Schlussrang. «Ein bisschen enttäuscht bin ich schon. Ich hätte mir mehr erhofft», meint Schneider. Anfang August an der WM in Trakai, Litauen, bestreitet er die zwei Kilometer im Vierer mit Steuermann. Bis zur Abreise weilt Schneider ab heute im Trainingslager in Sarnen. Diese fünf Wochen werden sehr intensiv, doch der 18-Jährige glaubt, dass man sich mit der Zeit daran gewöhnt.

In Litauen verfolgen die Schweizer Ruderer kein Rangziel. Da sie sich nur sehr knapp qualifizieren konnten, ist das Hauptziel, die Zeit ohne jeglichen Druck zu geniessen. An der letzten EM waren die Erwartungen des Trainers gross, was sich negativ auf die Leistung der Ruderer auswirkte. Sie wurden immerhin Erste im B-Final, doch ohne Druck wäre mehr möglich gewesen.

Besonders für Schneider ist es sehr speziell, an der WM dabei zu sein. Vor drei Jahren hätte er nie gedacht, dass er einmal so erfolgreich sein würde, obwohl er damals in der U15 Vize-Schweizer-Meister wurde. Aus diesem Grund macht er keine Sportlehre. Bis zum Aufgebot für die Schweizer Ruder-Nationalmannschaft war das alles kein Problem. «Mein Hobby und die Ausbildung konnte ich immer gut miteinander vereinbaren. Wenn ich in der Schule aufpasse, muss ich zuhause weniger lernen.» Zudem falle ihm die Berufsschule leichter als die obligatorische Schule. Auch mit den Ferien ging es immer auf. Jetzt aber bräuchte er fünf Wochen Ferien für das Trainingslager und die anschliessende WM. Die paar wenigen verbliebenen Ferientage reichen da keineswegs. Doch der angehende Polymechaniker hatte Glück und sein Betrieb gewährte ihm die Sonderferien. Auch mit der Berufsschule passt alles. Seit dieser Woche sind Sommerferien.

 

Rudern liegt in der Familie

Das Rudern liegt bei der Familie Schneider hoch im Kurs. Schon die Eltern des Teenagers haben gerudert. Und auch seine Schwester hat es versucht. Durch seine Familie ist Schneider auch auf die langen Boote aufmerksam worden. Mit 13 besuchte er den Anfängerkurs. Weil er zu diesem Zeitpunkt noch Klarinette spielte und aufgrund dessen jeden Mittwoch fehlte, besuchte er den Kurs noch ein zweites Mal.

Schon nach der ersten Regatta war er Feuer und Flamme für das Rudern. Die Anstrengung und das Gefühl, kurz vor dem Umfallen zu sein, spornten ihn an.

Kurz darauf ersetzte er die Klarinette definitiv durch ein Ruder. Schneider sagt von sich, dass er nicht sehr musikalisch sei – er habe mit der Klarinette auch immer Mühe gehabt. Weil er sich nun ganz auf den Sport konzentrieren konnte, wurde er auch immer besser. Im ersten Jahr in der U15 wurde das Rudertalent an den Schweizer Meisterschaften Zweiter im Doppel ohne Steuermann.

 

Rückschlag verdaut

Mit 15 wurde er von einem Handbruch gebremst. Eine ganze Saison musste der Täuffeler aussetzen. «Nach einer Saison ist es natürlich sehr schwierig, am Erfolg anzuknüpfen. Die Muskelkraft bildet sich extrem zurück. Diese ist zwar nach ein paar Wochen wiederhergestellt, doch der Rückstand bleibt.»

Bevor Schneider das Rudern für sich entdeckt hat, probierte er viele andere Sachen aus. Wie fast jeder kleiner Junge spielte auch Schneider Fussball. Nach zwei Jahre verleidete es ihm jedoch. Weiter übte er sich als Hornusser. Auch dieser Sport überzeugte ihn nicht. Im Sommer segelte er oft mit seinem Götti auf dem Bielersee. Die Zeit auf dem See hat er jeweils sehr genossen. Er hätte sich auch vorstellen können, hobbymässig zu segeln. Dann kam aber das Rudern dazwischen, was ihm besser gefiel.

Wieso Schneider ausgerechnet das Rudern so fasziniert hat, kann er selber nur schwer beantworten. Mittlerweile sei es einfach ein Teil seines Lebens. «Wenn ich im Boot sitze und auf dem See bin, fühle ich mich zuhause.»

 

Selektion Junioren-WM

Einer Juniorinnen: Mattea Wüthrich (Zürich).

Einer Junioren: Jan Schäuble (Stansstaad).

Doppelvierer Juniorinnen: Eline Rol (Genf), Emma Kovacs (Fribourg), Lisa Lötscher (Luzern), Jana Nussbaumer (Zug).

Vierer-ohne Juniorinnen: Lia Walser (Thalwil), Olivia Nacht (Baden), Olivia Negrinotti (Ceresio), Nina Libal (Lausanne).

Doppelvierer Junioren: Linus Copes (Thalwil), Andrin Gulich (Küsnacht), Dominic Condrau (Rapperswil-Jona), Valentin Huehn (Vésenaz).

Vierer-mit Junioren: Nico Müller (Luzern), Nils Schneider (Seeclub Biel), Oliver Gisiger (GC Zürich), Anton Flohr (Baden), Nicolas Mamassis, Steuermann (Vevey). sgm

Stichwörter: Sport, Rudern, See, Bielersee, Biel

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