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«3.-Liga-Spiele sind am schwierigsten zu pfeifen»

Von den Junioren C bis in die Champions League: Wie machen Schiedsrichter am schnellsten Karriere? Der Seeländer Ausbildungschef Konrad Rey zeigt den Weg bis in die Königsklasse auf.

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von Patric Schindler

Wer als Jugendlicher eine erfolgreiche Fussballer-Laufbahn einschlagen will, schafft heute früh den Sprung vom Dorfklub in die Nachwuchsabteilung eines Vereins der Swiss Football League. Das Scouting-System im Schweizer Profifussball ist inzwischen derart professionell, dass Talente selten unentdeckt bleiben. Wie ist es aber bei den Schiedsrichtern? «Ab 15 Jahren kann jeder seine Karriere lancieren», sagt Konrad Rey, Ausbildungschef der Schiedsrichter in der Schiedsrichterkommission des Fussballverbandes Bern/Jura und früher selbst Schiedsrichter-Assistent in der damaligen Nationalliga A und B. Allerdings kann sich nicht jeder Fussballfan nach Lust und Laune für einen Grundkurs im Schiedsrichterwesen anmelden. «Die Vereine müssen Schiedsrichteranwärter beim Verband melden. Dadurch werden die Klubs in die Pflicht genommen», erklärt Rey. Werden die Kurse vom Anwärter nicht lückenlos besucht oder nicht beendet, müssen die Vereine für die Kosten aufkommen. Die Anfängerkurse werden im Fussballverband Bern/Jura in deutscher (Mundart) oder in französischer Sprache durchgeführt.

Um das erste Spiel pfeifen zu können, haben die Anwärter ein paar Bedingungen zu erfüllen. Zuerst erfolgt ein schriftlicher Eintrittstest. Der Aspirant muss beweisen, dass er in der Lage ist, einen Rapport zu schreiben. Auch im physischen Bereich gilt es, auf einem guten
Niveau zu sein. Beim 12-Minuten-Lauf muss mindestens die 2000-Meter-Marke geknackt werden. Last but not
least gilt es die Schlussprüfung zu bestehen, um als Schiedsrichter brevetiert zu werden. Bei diesem Examen steht das Regelwerk im Vordergrund. Wer die Prüfung nicht besteht, kann die Grundausbildung maximal einmal wiederholen.

Zweimal ein «Götti» an der Linie

Wer diese Hürden übersprungen hat, darf zum ersten Mal das Trikot des Unparteiischen überziehen. «Bei zwei Junioren-C-Spielen wird der brevetierte Schiedsrichter von einem Unpartei-ischen begleitet», sagt der 51-Jährige. Dann sind die Referees bei den Junioren-Spielen auf sich alleine gestellt. «Sie werden in Folge regelmässig inspiziert und ihre Leistungen analysiert. Wer gut ist, kann schon nach wenigen Monaten eine Junioren-Klasse höher pfeifen.»

Danach kann es innerhalb von wenigen Jahren schnell vorwärtsgehen.
5. Liga, 4. Liga und 3. Liga heissen die nächsten Stationen auf der Karriereleiter. «Letztere Spielklasse ist für einen jungen Schiedsrichter die schwierigste. Dort wird schnell und auf einem technisch guten Niveau Fussball gespielt. Wer sich in dieser Liga durchsetzen kann, wird dies erst recht in der 2. Liga regional tun», ist der Ausbildungschef überzeugt. Denn ab der 2. Liga regional hat ein Schiedsrichter zwei Assistenten zur Verfügung. «Ohne Assistenten Offside-Situationen korrekt zu bewerten, ist ein äusserst schwieriges Unterfangen», weiss der Seeländer.

2. Liga interregional, 1. Liga, Promotion League, Challenge League und als Krönung die Super League. So hiessen für die talentiertesten Refeeres die nächsten Eckpfeiler in ihrer Laufbahn. Und was, wenn ein Schiedsrichter gar von der Champions League träumt? «Im besten Fall könnte ein Anfänger innerhalb von zirka acht Jahren den Sprung von den Junioren C bis in die Super League schaffen.» Dieses Szenario sei aber nur rechnerisch möglich, in der Realität müsse er sich noch ein paar Jahre mehr Zeit geben. Bis zur höchsten Stufe als Fifa-Referee benötigt er dann noch einmal 4 bis 5 Jahre. Wer mit 15 Jahren anfängt zu pfeifen, hat viel Zeit, den nationalen und internationalen Durchbruch zu schaffen. In der Super League und bei internationalen Wettbewerben müssen die Schiedsrichter ihre Pfeife mit 45 Jahren an den Nagel hängen.

95 Prozent waren Fussballer

Die Alterslimite bei den Unparteiischen im Profibereich erklärt auch, weshalb kaum Spitzenfussballer nach ihrer Karriere auf hohem Niveau pfeifen. «Wenn ein Spieler Anfang oder Mitte 30 seine Laufbahn beendet, reicht die Zeit kaum mehr aus, um als Schiedsrichter den Durchbruch zu schaffen», sagt Rey.  Muss ein guter Unparteiischer selber einmal Fussball gespielt haben? «Es ist sicher von Vorteil. Aber eine Bedingung ist das nicht. Wer selber Fussball gespielt hat, kann Zweikampfsituationen besser beurteilen.» Rey schätzt, dass 95 Prozent aller Unparteiischen Fussball gespielt haben. Gespannt blickt Rey auf den Meisterschaftsstart im Regionalfussball vom kommenden Wochenende. Inwiefern beeinflusst das Verhalten der Schiedsrichter an der WM die Seeländer Unparteiischen? «Meiner Meinung nach wurde an der WM grundsätzlich zu wenig konsequent durchgegriffen. Es hätten mehr Karten gezeigt werden müssen», sagt Rey.                   

Konrad Rey

• Wohnort: Port

• Beruf: El._Ing. HTL, Produktmanager im Bereich Telekommunikation

• Werdegang als Schiedsrichter: 1984 Anfängerkurs und erste Spiel-leitung bei den Junioren D, anschliessend Aufstieg bis zum 2. Liga-inter-regional-Schiedsrichter. Heute aktiver Schiedsrichter in der 4. Liga. Als Schiedsrichter-Assistent vier Jahre in der Nationalliga A und B tätig.

• Heutige Funktion im Schiedsrichterwesen: Mitglied der Schiedsrichterkommission im FVBJ. Verantwortlicher Schiedsrichter-Ausbildung.
Zusätzlich: Schiedsrichter-Instruktor, Schiedsrichter- und Schiedsrichter-Assistenten-Inspizient bis zur 2. Liga interregional.

• Hobbys: Skifahren, Langlauf und Sport allgemein

pss

Stichwörter: Schiedsrichter

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