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«Schäfchen im Trockenen» gewinnt in Leipzig

Literatur Gestern öffnete die Leipziger Buchmesse. Höhe-punkt des ersten Tages war die Verleihung der Buchpreise in drei Kategorien.

Unter grossem Andrang der ersten Besucher hat die Leipziger Buchmesse gestern ihre Tore geöffnet. Bis Sonntag zeigen 2547 Aussteller aus 46 Ländern Neuheiten. Höhepunkt des Tages war die Verleihung der Buchpreise für Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung.

Wut, Zorn, Stolz

Die Schriftstellerin Anke Stelling hat den Belletristik-Preis für ihren Roman «Schäfchen im Trockenen» (Verbrecher Verlag) gewonnen. Stelling erzählt darin von der Mittvierzigerin Resi, die mit ihrer Freundesclique nicht mithalten kann und sich angesichts einer Wohnungskündigung mit der harten und enttäuschenden Wirklichkeit konfrontiert sieht. «In Anke Stellings Roman einer Aufsteigerin werden die starken Affekte – Wut, Zorn, Stolz – literarisch produktiv. Im Rückblick auf verlorene Illusionen entsteht eine verstörend uneindeutige, scharf belichtete Momentaufnahme der Gegenwart», hiess es von der Jury.

Anke Stelling (*1971 in Ulm) lebt als Autorin in Berlin. Sie hat ein Kinderbuch sowie sieben Romane, zwei davon gemeinsam mit Robby Dannenberg, verfasst. «Bodentiefe Fenster» (2015) stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Stelling setzte sich gegen die ebenfalls nominierten Romanautoren Kenah Cusanit («Babel»), Matthias Nawrat («Der traurige Gast»), Jaroslav Rudiš («Winterbergs letzte Reise») und Feridun Zaimoglu («Die Geschichte der Frau») durch.

Ein Land nach der Stunde Null

Weitere Preisträger sind Harald Jähner für das Werk «Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945-1955» in der Sparte Sachbuch/Essayistik. «Von Trümmern, Schwarzmärkten und ‹Persilscheinen›: Harald Jähner zeigt auf beeindruckende Weise, wie sich nach der ‹Stunde Null› ein ganzes Land neu erfunden hat. Eine Zeitreise durch die deutschen Nachkriegsjahre, voller Anschauung und Empathie», hiess es von der Jury. Jähner ist Journalist und Kritiker und war bis 2015 Feuilletonchef der «Berliner Zeitung». Seit 2011 ist er Honorarprofessor für Kulturjournalismus an der Universität der Künste Berlin.

Höhenflüge und Abstürze

Eva Ruth Wemme gewann für die Übertragung des Werks «Verlorener Morgen» von Gabriela Adamesteanu aus dem Rumänischen in der Sparte Übersetzung. «Rumäniens Höhenflüge und Abstürze im 20. Jahrhundert, gespiegelt in einem epischen Bewusstseinsstrom. Wemme hat Adamesteanus Hauptwerk aus dem Jahr 1973 mit grossem Gespür für den lästerlichen Ton seiner Erzählerin Vica übersetzt», hiess es von der Jury. Wemme arbeitet als Übersetzerin aus dem Rumänischen, als Autorin, Regisseurin und Migrationsberaterin in Berlin.

Der Preis der Leipziger Buchmesse zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland. sda