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Neue dubiose Teppichreiniger im Seeland

Sie wollen nicht verschwinden: Nachdem im Februar die umstrittene «Orientteppich-Galerie Schwadernau» leergeräumt wurde, hat in Kerzers eine neue Teppichreinigungsfirma eröffnet. Die Ähnlichkeiten der beiden Unternehmen sind unübersehbar.

Neue dubiose Teppichreiniger im Seeland

Esthy Rüdiger

Sie sehen sich zum Verwechseln ähnlich: Der Flyer des «Orient-Teppichhaus», das kürzlich in Kerzers eröffnet wurde, und dasjenige der «Orientteppich-Galerie Schwadernau». Letztere führte Janosz Malinowski. Das Geschäft wurde nach nur wenigen Monaten Geschäftstätigkeit eingestellt, mehrere Kunden klagten, sie fühlen sich wegen der massiv überhöhten Preise über den Tisch gezogen (das BT berichtete). Und bereits diese Flyer wiesen starke Ähnlichkeit zu jenen des «Orientteppichhaus Solothurn» und der «Teppich Werkstatt Behrens» in Zuchwil auf.

Das Logo ist auf jedem Flyer grundsätzlich dasselbe: Zwei sich gegenüberstehende Löwen, in der Mitte ein gekrönter Buchstabe, die Initiale des Familiennamens. Dieser passt sich dem jeweiligen Geschäftsführer an. Im Fall des «Orient-Teppichhaus» in Kerzers ein C, abgeleitet von der Geschäftsführerin Ivonne Cyryl. Auch einige Fotos wurden ausgetauscht, die Texte verändert. Das Layout, insbesondere die prominenten Aktionen, hingegen ist unverkennbar.

Die Aktionen sind – typisch für jene Teppichreiniger – sehr unklar und entsprechen wegen ihrer unkonkreten Formulierungen nicht der Preisbekanntgabe-Verordnung des Seco. So verspricht die Teppichreinigungs-Firma in Kerzers generell 10 bis 35 Prozent auf Teppichwäsche. «19.50 Franken jetzt für 17.50 Franken oder 19.50 jetzt für 12.50 Franken», heisst es auf dem Prospekt. Dabei bleibt unklar, wofür der Erlass tatsächlich zählt. Gültig ist die Aktion «ab heute für 5 Tage» – ohne Datum.

Ein Haus der Teppichhändler

Die Firma in Kerzers ist seit März dieses Jahres im Handelsregister eingetragen. Auffällig ist: Das Lokal an der Vorderen Gasse 4 wurde zuvor von der «Teppichwerkstatt Berger» genutzt. Auf www.local.ch etwa ist lediglich die frühere Firma unter dieser Adresse eingetragen, samt Telefonnummer, nicht aber jene von Cyryl. Dennoch scheint das Telefon nicht mehr in Betrieb zu sein. Wer die Nummer wählt, bekommt lediglich die direkte Ansage einer Sunrise-Mailbox zuhören.

Ausgerechnet die ehemalige Teppichwerkstatt Berger aber scheint im Zusammenhang mit dem Gomann-Clan zu stehen, eine der berüchtigtsten «Familien» schweizweit, wenn es um dubiose Teppichreinigungsfirmen geht.

Eine «Teppichwerkstatt Berger» nämlich gibt es auch im bündnerischen Rothenbrunnen, wo Daniel Gomann zeichnungsberechtigt ist. Im luzernischen Ebikon hingegen gab es bis 2014 ein «Orientteppichhaus Berger», wo ebenfalls zwei Herren mit dem Namen Gomann zeichnungsberechtigt waren.

Im selben Jahr wurde an derselben Adresse eine neue Firma gegründet, das «Teppichhaus Berger, Inhaber Gomann», welches von einem der beiden Herren weitergeführt wurde. Dieser führt zudem seit 2014 im aargauischen Othmarsingen das «Teppichhaus Gomann». Der andere seit März 2014 das «Teppichhaus Berger, Inhaber Gomann» in Rorschach, St. Gallen.

Diversen Schweizer Regionalzeitungen haben bereits kritisch über die dubiosen Geschäftspraktiken von Teppichhändlern und -reinigern mit dem Namen Gomann geschrieben.

Bei Fragen wird aufgelegt

Ob die neue Teppichreinigungsfirma in Kerzers tatsächlich mit der zuvor einquartierten Teppichreinigungsfirma, der «Teppichwerkstatt Berger», in Verbindung steht, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Zumindest aber entspricht das scheinbare Geflecht stark den Erläuterungen des Präsidenten der Interessensgemeinschaft für Orientteppiche Schweiz (Igot), Bruno Meier.

Gegenüber dem BT sagte dieser im Dezember letzten Jahres: «Es scheint, als dass es sich um sippenhafte Organisationen handelt.» Die Teppichhändler und -reiniger eröffnen laut Meier häufig Geschäfte und bleiben einige Monate. «Und wenn es brenzlig wird, verschwinden sie wieder» – und eröffnen ein neues Geschäft. In einer anderen Region, unter ähnlichem Namen.

Meier wies auch darauf hin, dass die meisten dieser Teppichhändler aus dem süddeutschen Raum stammen, ihre Herkunft jedoch bis zum Balkan geht. Tatsächlich sind sowohl der einstige Inhaber des «Orienthaus Berger», die Angehörigen der Familie Gomann, Ivonne Cyryl wie auch Janosz Malinowski deutsche Staatsangehörige mit osteuropäisch anmutenden Namen.

Fest steht: Das Haus gehört weder einem der vorherigen noch der heutigen Geschäftsführern. Laut Grundbuchamt des Bezirks See im Kanton Freiburg sind drei Personen mit dem Familiennamen Salihi als Besitzer eingetragen. Für eine Stellungname war aber keiner von ihnen zu erreichen.

Auch beim Orient-Teppichhaus in Kerzers selbst will niemand Auskunft erteilen. Im Gegenteil: Will man eine Frage stellen, wird einfach aufgelegt. Ob die Geschäftspraktiken sich tatsächlich mit jenen umstrittenen der genannten Teppichreinigern und -händlern decken, ist nicht klar. Der Verdacht aber liegt nahe.