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Reconvilier/Dornach

Swissmetal könnte doch noch gerettet werden

Es kommt Bewegung in die Leidensgeschichte der überschuldeten Baoshida Swissmetal: Schweizer Investoren haben ein Übernahmeangebot für den Buntmetallhersteller eingereicht.

Swissmetal: Werk in Reconvillier. Die Gewerkschaft zeigt sich skeptisch. Bild: Keystone
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Philippe Oudot/pl

Seit dem 14. Dezember steht die überschuldete Baoshida Swissmetal in Nachlassstundung. Doch nun gibt es wieder Hoffnung. Am Freitag verlängerte das Regionalgericht Berner Jura die Nachlassstundung bis zum 22 Mai. Präsident Gabriel Zürcher gab damit einem Gesuch von Sachwalter Andreas Bättig statt. Der richterliche Entscheid verheisst Gutes: Offenbar benötigt Bättig diese vier Wochen, um de Übernahmeprojekt von Baoshida Swissmetal den letzten Schliff zu geben.

Ursprünglich war die Nachlassstundung bis April 2019 begrenzt. Eine Reihe von Kunden und Mitbewerbern hatte Interesse an der Übernahme von Swissmetal bekundet. Während der Stundung können keine neuen Beitreibungen mehr eingereicht werden. Diese Verschnaufpause nutzten Sachwalter Andreas Bättig und Geschäftsführer Claudio Penna, um einen Übernehmer für die angeschlagene Traditionsfirma zu finden.

Die beiden Standorte in Reconvilier und Dornach sind weiterhin ausgelastet. «Die Auftragsbücher des Unternehmens sind für die kommenden Monate gefüllt», bestätigt der Sachwalter. Zudem konnten die schwankenden Lohnkosten dank eines flexiblen Arbeitsplans gesenkt werden.

Offiziell noch keine Namen von möglichen Interessenten
Am Freitag äusserten sich der Sachwalter und der Gerichtspräsident zum möglichen neuen Besitzer des Buntmetallherstellers. Namen wollten die beiden aber nicht verraten. Es handle sich um einen «soliden Schweizer Interessenten», der ein festes Übernahmeangebot eingereicht habe, so Bättig. Dieser wolle die Produktionsstandorte Reconvilier und Dornach erhalten. Aus diesem Grund habe der Sachwalter beim Richter die Verlängerung der Nachlassstundung beantragt.

Richter Gabriel Zürcher, der beim Regionalgericht Berner Jura für den Fall zuständig ist, bestätigt, dass tatsächlich ein ernsthaftes Angebot vorliege, das die Verlängerung der Stundung begründe. Bei dieser Gelegenheit würdigte er den grossen Einsatz des Sachwalters, der Geschäftsleitung und der Mitarbeitenden von Baoshida Swissmetal: «Alle geben ihr Bestes, obwohl niemand weiss, wie die Zukunft aussieht.» Auch der mögliche Übernehmer des Unternehmens hätte «alles unternommen, ein vertretbares Angebot zu unterbreiten», sagte der Richter.

Das letzte Wort haben die Gläubiger
Allerdings kann das Gericht nicht allein über den Zuschlag für den Anbieter entscheiden. Das letzte Wort haben nämlich die Gläubiger von Baoshida Swissmetal. Bis Donnerstag, 18. April müssen sie sich zur Übernahme der Aktiven durch den neuen Eigentümer äussern. «Dieses Votum ist entscheidend», so Zürcher.

Die Belegschaft des Metallherstellers setzt natürlich grosse Erwartungen in die laufenden Übernahmeverhandlungen. «Wir freuen uns über das Angebot, aber noch wissen wir nicht, was der neue Besitzer mit den beiden Standorten vorhat», erklärt Pierre-Alain Girard, der Präsident der Mitarbeiterkommission. Jedenfalls wollen die Angestellten von Baoshida Swissmetal alles daran setzen, damit der Neustart zum langfristigen Erfolg werde, so Girard.

Obwohl die Identität des Übernehmers noch vertraulich gehandelt wird, heisst es in Reconvilier, dass der Drehteilespezialist Lemco Précision SA ein Auge auf Swissmetal geworfen habe. Schliesslich ist Lemco ein gewichtiger Kunde des Unternehmens. «Falsch!», sagt André Rezzonico, Geschäftsführer von Lemco Précision: «Die Übernahmeofferte wurde nicht von uns, sondern von Swiss Team AG gemacht.» Es handle sich um eine neu gegründete Aktiengesellschaft mit drei privaten Aktionären. Bis auf einen Minderheitsaktionär, der über eine Niederlassungsbewilligung verfüge, handle es sich um Schweizer Kapitalgeber. «Ich bin allerdings Mehrheitsaktionär von Swiss Team AG und stehe dem Verwaltungsrat vor», verrät Rezzonico.

Hoffnung auf die Rückkehr des alten Glanzes
Der Unternehmer ist überzeugt, dass die neue Gesellschaft die angeschlagene Baoshida Swissmetal zum alten Glanz der ehemaligen Boillat zurückführen könne: «Dieses Unternehmen verdient es, wieder ein Flaggschiff der Schweizer Industrie zu werden», so Rezzonico. Er muss es wissen, denn seit einem halben Jahrhundert leitet er die Unternehmensgruppe Lemco Précision, die unter anderem Drehteile für die Hightech-Industrie herstellt. Deshalb meint André Rezzonico: «Es wird höchste Zeit, dass ein Industrieunternehmer die Führung von Swissmetal übernimmt und neue Prioritäten bei der Kundenbetreuung, der Mitarbeiterführung einräumt und eine langfristige Vision bei der Produktion verfolgt.»

Patrick Cerf ist bei der Gewerkschaft Unia Transjurane für den Industriesektor zuständig. Er mag noch nicht in Freudentaumel ausbrechen: Zu viele Enttäuschungen hat der Leidensweg von Swissmetal in den letzen 15 Jahren hinterlassen. Immerhin hofft Cerf: «Wir zählen auf die Ansage des neuen Eigentümers, der offenbar alle Mitarbeitenden übernehmen will. Zudem hoffen wir, dass sich die neue Führung hinter den Gesamtarbeitsvertrag stellt. Schliesslich erwarten wir eine unternehmerische Vision, die das Unternehmen dauerhaft auf die Beine stellt.»

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Früherer Geschäftsführer noch in Haft
Baoshida Swissmetal leidet seit Jahren an Überschuldung. Ende letzten Jahres wurde zuerst ein Konkursaufschub und später eine provisorische Nachlassstundung gewährt. Am 14. Dezember wurde eine reguläre Stundung für vier Monate ausgesprochen. Zu den wichtigsten Gläubigern gehört die China Development Bank. Bei diesem Institut hatte der ehemalige Geschäftsführer Xingjun Shang einen Kredit von 15 Mio. Franken im Namen von Baoshida Swissmetal erwirkt. Dafür sollten Shang selbst, seine Ehefrau und der Mutterkonzern Baoshida Holding geradestehen. Doch es zeigte sich, dass das Geld nicht in die Swissmetal geflossen war. Deshalb wurde gegen Xingjun Shang ein Strafverfahren eröffnet. Der Beschuldigte befindet sich immer noch in Untersuchungshaft. Er wird der ungetreuen Geschäftsführung, der Urkundenfälschung und des eventuellen Betrugs verdächtigt.  pho/pl

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