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Gebühren

So kam es zum Adresschaos

Hunderte Serafe-Rechnungen sind falsch verschickt worden. Der Fehler liegt bei den Gemeinden – aber nicht nur. Betroffene müssen sich selber um die Richtigstellung kümmern.

Serafe zieht neu die TV- und Radiogebühren ein. Bild: Urs Jaudas

Franziska Kohler

Die Billag-Nachfolgerin Serafe kämpft mit Schwierigkeiten. Hunderte oder mehr Haushalte haben eine falsch adressierte Rechnung für die TV- und Radio-Gebühren erhalten. In vielen Fällen wurden mehrere Wohnungen zu einer zusammengefasst, Nachbarn bekamen also eine gemeinsame Rechnung. Anfangs sagte Serafe, das liege an fehlerhaften Adressdaten, die von den Gemeinden geliefert worden seien. Betroffene sollten sich bei der Einwohnerkontrolle melden, welche die Daten anpassen müsse.

Allerdings: Bei der Gemeinde geht das Chaos in einigen Fällen weiter. Das zeigt der Bericht einer Leserin aus Köniz im Kanton Bern. Sie hatte letzten Donnerstag eine Serafe-Rechnung im Briefkasten, auf der auch ihr Nachbar aufgeführt war. Weil auf der Rechnung stand, man solle sich bei Problemen an den Einwohnerdienst wenden, tat sie genau das. «Doch dort sagte man mir, mein Haushalt sei im System richtig erfasst. Man könne nichts für mich tun.»

Die Frau meldete sich also bei Serafe, wo sie aber wieder an die Einwohnerkontrolle verwiesen wurde. Erst nach langem Diskutieren sei ihr zugesichert worden, dass sie im Februar eine korrigierte Rechnung erhalte.

Zahlungen werden
auch rückwirkend fällig
Wie kommt es zum Hin und Her zwischen Serafe und den Behörden? Offenbar gab es nicht nur beim Erfassen der Daten, sondern auch bei der Inkassostelle selber Schwierigkeiten. Laut Serafe-Sprecher Erich Heynen gibt es drei Fehlerquellen. Entweder sind die Daten zur Haushaltsbildung «nicht perfekt». Dieses Problem kann nur die Einwohnerkontrolle beheben, indem sie die Daten korrigiert. Auch kürzliche Umzüge können zu fehlerhaften Daten führen. Schliesslich gebe es auch einzelne Fälle, in denen das Problem bei Serafe liege, sagt Heynen. Die Einwohnerkontrollen liefern die Daten an die Kantone, welche sie wiederum an die Inkassofirma weiterleiten. «Es besteht die Möglichkeit, dass es auch bei der Erhebungsstelle zu Fehlern kam.»

Besonders gross ist das Durcheinander offensichtlich im Kanton Basel-Stadt. Dort musste das Einwohneramt laut der «Aargauer Zeitung» zusätzliche Mitarbeiter aus anderen Bereichen im Callcenter einsetzen, um den Ansturm zu bewältigen.

Ines Brunner von der Fachstelle Kantonales Personenregister Baselland ist laut dem Bericht nicht überrascht über das Chaos. Die Angaben aus den Einwohnerregistern seien nur bedingt dafür geeignet, einzelne Haushalte zu bilden. Denn die Daten seien bisher noch nie so zusammengefasst worden.

Billag hatte ein 
anderes System
Die Serafe-Vorgängerin Billag, die bis letztes Jahr die TV- und Radio-Gebühren einzog, arbeitete mit einem anderen System. Die TV- und Radio-Nutzer mussten sich selber bei der Billag an-, ab- oder ummelden. Schöpfte die Billag Verdacht, dass jemand nicht korrekt angemeldet sein könnte, schickte sie Mitarbeiter zur Kontrolle vorbei. Bei Serafe entfällt das, da die Daten für die Haushaltsbildung automatisch an die Inkassofirma geliefert werden.

Übrigens: Wer mit dem Nachbarn zusammen erfasst ist und nun glaubt, Geld sparen zu können, sollte sich vorsehen. Früher oder später werde die Behörde den Fehler bemerken, sagt Serafe-Sprecher Heynen. Und nicht gezahlte Beträge rückwirkend einfordern. Bussen werde es aber keine geben.

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