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Haufenweise Holz zum Heizen

Die Seeländer Firma Lignocalor beliefert die neue Berner Energiezentrale im Forsthaus mit Holzschnitzeln. Hergestellt und gelagert wird der Brennstoff in einer riesigen Halle im Westen von Bern.

Bild: Beat Mathys

(ms) Noch ist die 80 Meter lange und 25 Meter breite Halle im Berner Industriegebiet Rehhag fast leer. In einer Ecke lagern zwei bescheidene Haufen Holzschnitzel, ein Bagger steht bereit. Die Maschine wirkt in der Betongrube wie ein Spielzeug. Immerhin: Mit diesen Holzschnitzeln könnten zwei Schulhäuser einen Winter lang geheizt werden, erklärt Gottfried Bossi, Geschäftsführer der Firma Lignocalor, die ihren offiziellen Firmensitz in Aarberg hat.

Grossauftrag Forsthaus

Das Seeländer Unternehmen beliefert seit zwanzig Jahren Heizanlagen mit Holzschnitzeln. So zum Beispiel die Anstalten Witzwil, das Alters- und Pflegeheim Frienisberg oder in Bern das Einkaufszentrum Westside und die Waldau, die Psychiatrische Klinik der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD).

Nun hat die kleine Firma (370 Stellenprozent) einen Grossauftrag: Lignocalor wird auch die neue Berner Energiezentrale im Forsthaus mit Holzschnitzeln versorgen. Damit der Nachschub ständig gewährleistet ist, lagern die Holzschnitzel in der eigens dafür umgebauten Lagerhalle im Westen von Bern. «Hier müssen wir ständig so viele Holzschnitzel am Lager haben, dass wir die Energiezentrale Forsthaus für 20 Heiztage beliefern können», erklärt Lignocalor-Geschäftsführer Bossi.

Seit dem 20. August wird das Holzheizkraftwerk im Forsthaus sukzessive in Betrieb genommen. Frühestens ab dem Jahreswechsel läuft es im Normalbetrieb. «Das erlaubt uns, auch unseren Betrieb stetig hochzufahren», sagt Bossi weiter.

«Ungenutzte Energie»

60 000 sogenannte Schüttraummeter fasst die Halle, wenn sie voll ist. Das heisst Holz, welches bereits geschreddert worden ist. Um die Energiezentrale Forsthaus zu beliefern, sind jährlich 280 000 Schüttraummeter Holzschnitzel nötig. Diese werden auch in der neuen Halle hergestellt. Verarbeitet werden Sägereirestholz, Schwemmholz, aber auch Holz aus der Landschaftspflege oder von Privaten: Äste und Sträucher, Baumschnitt oder Wurzelstöcke können inzwischen auf dem Aufarbeitungsplatz Rehhag abgeliefert werden. Man bezahlt eine Entsorgungsgebühr von 80 Franken pro Tonne. «Holz aus Gartenunterhalt oder Landschaftspflege wird bisher häufig gehäckselt und ausgestreut, damit es vermodert. Das ist ungenutzte Energie», erklärt Geschäftsführer Bossi. Damit sich die Anlage an der Rehhagstrasse betreiben lässt, wurde sie umgebaut. Früher diente sie dem Lehmabbau. Nun hat sie einen Betonboden, die Wände wurden stabilisiert und Boxen für die Lagerung eingerichtet. Die Holzschnitzel laufen über ein Förderband hoch und werden auf Lastwagen geschüttet. Diese fahren den Brennstoff zur Energiezentrale. Den Standort Bern-West habe man auch deshalb gewählt, weil er nahe am Forsthaus liege, sagt der Geschäftsführer von Lignocalor.

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