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Schwadernau

Erneut: Schmutzige Geschäfte mit dreckigen Teppichen

Die Geschäftspraxis der «Orient-Teppich Galerie Schwadernau» wird erneut kritisiert. «Ich fühle mich über den Tisch gezogen», sagt eine Kundin.

Die «Orient-Teppich-Galerie Schwadernau steht in der Kritik. zvg/a

von Esthy Rüdiger

Ingrid Meyer* nervt sich noch heute über ihre Gutgläubigkeit. Auch sie hat sich auf den Prospekt der «Orient-Teppich Galerie Schwadernau» (das BT berichtete) gemeldet, um ihren Teppich reinigen zu lassen. Und hat dafür viel Geld bezahlt. Sie wurde mit den dreissig Prozent Rabatt auf eine Reinigung gelockt.

Ihren Teppich brachte sie direkt nach Schwadernau. Dieser wurde gelobt, er sei mindestens 20'000 Franken wert. «Das konnte ich kaum glauben. Wir haben damals kaum 3'000 Franken für den Perserteppich bezahlt», sagt Ingrid Meyer. Für die Reinigung des Teppichs verlangten die Geschäftsmänner 1'600 Franken.

Das schien ihr zu viel. Sie verhandelte mit den Teppichreinigern und erreichte den Preis von 1'500 Franken. «Sie sagten mir, ein neuer Teppich sei viel teurer als die Reinigung meines alten.»

Obwohl Ingrid Meyer ein ungutes Gefühl beschlich, liess sie sich zum Geschäft überreden. Sie brauche eine Woche Geduld, hiess es. Nach einer Woche wurde sie vertröstet. Beim nächsten Termin auch. «Ich befürchtete, meinen Teppich nicht mehr zurückzuerhalten.»

Schmutzig, trotz Reinigung

Nach gut eineinhalb Wochen erhielt Ingrid Meyer einen Anruf von der Teppich-Reinigungsfirma. Der Teppich sei gereinigt. Meyer wollte ihn abholen, doch der Gesprächspartner bestand darauf, den Teppich selbst vorbeizubringen. Gesagt, getan.

Der Teppich roch frisch. Die dreissig Prozent erhielt Meyer nicht – «das sei bereits abgezogen, sagte man mir».

Ingrid Meyer willigte ein. Liess die Herren gehen. Und führte – zu spät – den Schmutztest durch:Sie klopfte eine Ecke des Teppichs auf ein weisses Papier. «Es fiel so viel Schmutz auf das Papier, als ob er nicht gewaschen wurde.» Sie ist überzeugt, dass der Teppich nicht richtig gereinigt wurde. Womöglich sei er nur ein wenig schamponiert worden.

Meyers Erlebnis mit der «Teppich-Galerie Schwadernau»deckt sich mit dem der Familie Kugler* aus Biel, über die das BTvergangene Woche berichtete. Auch sie liessen ihre Teppiche zu einem Preis von 1'500 Franken reinigen und erhielten nur oberflächlich gereinigte Teppiche zurück. Gemäss der Preisliste des Teppichreinigungs-Unternehmens Knecht in Gais entspricht dies knapp dem dreifachen des gängigen Quadratmeterpreises für eine Reinigung.

Rechtliche Schritte möglich

Die Firma, welche von Janosz Malinowski geführt wird, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Als Malinowski vergangene Woche mit dem Fall der Familie Kugler konfrontiert wurde, betonte er, dass seine biologische Reinigung nicht mit der industriellen, chemischen Reinigung verglichen werden könne. In seiner Firma sei dies Handarbeit, was sich eben auch im Preis niederschlage. Und er betonte:«Von meinen 50 Kunden waren sonst alle zufrieden.»

Dem widerspricht nun Ingrid Meyer. Auch sie ist unzufrieden. Sie überlegt sich, rechtliche Schritte einzuleiten. «Ich fühle mich über den Tisch gezogen.»

Überhöhte Preise

Immer wieder machen Reinigungs- und Restaurationsfirmen für Teppiche negativ auf sich aufmerksam. Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, die Kunden systematisch zu täuschen. Dies tun sie gemäss der Schweizerischen Interessensgemeinschaft für Orientteppiche (Igot) mit Scheinrabatten und überhöhten Preisen für ihre Dienstleistungen.

Die Firmen rechtfertigen sie laut Igot häufig mit dem angeblich hohen Wert des alten Teppichs. Oftmals werde dieser deshalb als viel wertvoller bezeichnet, als er tatsächlich ist. Dies scheint auch im Fall von Frau Meyer zuzutreffen.

*Namen geändert

Kommentare

Georges

Ich glaube, dass diese Firma und noch ein Paar andere "Teppichreinigungsfirmen" (auch im Kt. Solothurn) nur Strohfirmen für andere dubiose Geschäfte sind.


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