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Schwadernau

Dubioser Teppich-Laden ist leergeräumt

Die Orientteppich-Galerie Schwadernau hat ihre Tätigkeit offenbar seit Montag eingestellt. Zuvor gab es mehrmals Unmut von Kunden, die sich über den Tisch gezogen fühlten.

Geisterladen: Die Orientteppich Galerie-Schwadernau ist verlassen – zurück bleibt nur der Schriftzug am Schaufenster. Tanja Lander

von Esthy Rüdiger

«Erfahrungsgemäss bleibt ein Teppich-Reinigungsgeschäft dieser Art maximal sechs Monate am selben Ort. Dann ist die Wiese abgegrast», sagte Gutachter Ralf Koller*, ein Mitglied der Schweizerischen Orientteppichhändler-Vereinigung, gegenüber dem «Bieler Tagblatt». Dies war Anfang Dezember. Er sollte recht behalten. Heute, nur vier Monate nach seiner Eröffnung, ist das Geschäft bereits geschlossen.

Die Orientteppich-Galerie Schwadernau zählt zu jenen Teppichreinigern und -händlern, die in der Kritik stehen, ihre Kunden systematisch zu täuschen. Dies tun sie gemäss der Schweizerischen Interessensgemeinschaft für Orientteppiche (Igot) mit Scheinrabatten und überhöhten Preisen für ihre Dienstleistungen.
Bruno Meier, Präsident der Igot, spricht von «sippenhaften Organisationen», die schweizweit Geschäfte eröffnen und überteuerte Teppichreinigungen anbieten. Von diversen Teppich-Reinigungsfirmen werden fast identische Flyer verteilt – obwohl diese vorgeben, nichts miteinander zu tun zu haben (das BTberichtete).

Kunden wurden getäuscht

Von den zweifelhaften Geschäften der Orientteppich-Galerie Schwadernau zeugen auch zwei Leser, die dem BTunabhängig voneinander ihre Erfahrung mit dem Reinigungsunternehmen mitteilten. Beide bezahlten sie für die Reinigung nicht sehr hochwertiger Teppiche mehr als das Doppelte vom marktüblichen Preis. Beide wurden sie gelobt für die «wertvollen» Teppiche, weshalb sie auf die überrissenen Preise eingingen. Sie wurden enttäuscht:Nach der «Spezial»-Reinigung fiel in beiden Fällen noch immer Dreck aus den Teppichen. «Ich fühle mich über den Tisch gezogen», so die Kundin Ingrid Meyer* damals.

Seit Montag ist das Geschäft an der Hauptstrasse 40 geschlossen. Mehr noch:Es ist komplett leergeräumt. Nur noch die Schriftzüge am Schaufenster weisen darauf hin, dass hier von wenigen Tagen Orientteppiche ausgestellt waren und Teppiche zur Reinigung entgegengenommen wurden.

Es hängt kein Zettel. Kein Hinweis, weshalb die Teppichhändler vom einen Tag auf den anderen abgezogen sind. Es passt in das von Bruno Meier beschriebene Muster. Im Dezember erklärte er:«Diese Teppichhändler eröffnen häufig Geschäfte, sind dann einige Monate da und wenn es brenzlig wird, verschwinden sie wieder.»

Auffallend ist:Das Firmengebäude steht zwar leer. Noch ist das Unternehmen aber nicht liquidiert. Im Handelsregister ist die Orientteppich Galerie Schwadernau noch aktiv.

Kein juristischer Druck

Die Geschäftsbetreiber, allen voran der Inhaber Janosz Malinowski, sind nicht mehr zu erreichen. Ein Anruf auf die Geschäftsnummer wird auf eine Handynummer umgeleitet. Kein Läuten, es folgt sofort eine automatische Combox-Ansage.

Der Hausbesitzer, der sich über die Berichterstattung zur Orientteppich-Galerie Schwadernau enerviert hatte, nimmt den Anruf entgegen. Er bestätigt zwar, dass das Geschäft geschlossen wurde, will jedoch nichts dazu sagen. Bei der Nachfrage, weshalb der Laden denn geschlossen wurde, bricht er das Telefonat abrupt ab.

Obschon die Geschäftspraktiken bei den Kunden für Unmut sorgten, stand das Teppichgeschäft kaum unter jur istischem Druck:Wie die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern mitteilt, sind gegen den Inhaber Janosz Malinowski keine Verfahren hängig.

Dem Gutachter Ralf Koller zufolge liegt aber ein Verdacht für die plötzliche Schliessung nahe: Die Wiese «Seeland» ist abgegrast.

* Die Namen wurden geändert und sind der Redaktion bekannt.

Kommentare

Georges

Die Haltung der Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern: Zurücklehnen und Tee trinken! Weiterzirkulieren, da gibt es nichts zu sehen. Wichtig ist, dass wir unseren Monatslohn erhalten. Pfff...


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