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Zahlungsverkehr

Biel will Zug nicht so rasch folgen

In Zug kann man mit Bitcoin Gebühren zahlen, in Biel noch nicht. Die Nachfrage dafür sei noch nicht gegeben,
sagt Finanzdirektorin Silvia Steidle. Die Wirtschaft beobachtet das Thema, doch erachtet sie die Spekulationsrisiken noch als zu gross.

Einkaufen per Bitcoin ist in diesem Weinladen in Zug möglich. Im Umgang mit den Behörden sind Bitcoin in Biel noch kein Thema. Bild: Keystone
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Tobias Graden

Bereits könne in der Schweiz in über 250 Firmen und Läden Bitcoin als Zahlungsmittel gebraucht werden, sagt Jürg Kradolfer, ehemaliger Treuhänder in Ipsach und Seeländer Bitcoin-Experte. In Zug akzeptiert gar die Stadt Bitcoin als Zahlungsmittel, allerdings nur bis zu einem Betrag von 300 Franken. Sie setzt die so erhaltenen Bitcoins auch nicht spekulativ ein, bewahrt sie also nicht auf in der Hoffnung auf Wertsteigerung und damit mögliche Verbesserung der Stadtfinanzen – sondern tauscht sie unmittelbar nach Erhalt in Schweizer Franken um.

In Biel ist so etwas derzeit noch kein Thema, wie Finanzdirektorin Silvia Steidle (PRR) mitteilt: «Die Einführung einer der aktuell hunderten bekannten Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ripple als Zahlungsmethode wurde bis jetzt aufgrund mangelnder Nachfrage in der Stadt Biel nicht geprüft.» Würde Biel es gleich handhaben wie Zug, so würde dies einen gewissen Aufwand mit sich bringen: Im Gegensatz zu Online-Zahlungsmethoden, bei denen in Schweizer Franken abgerechnet werde, würde in der entsprechenden Kryptowährung direkt fakturiert. Die Stadt müsste also jeweils den tagesaktuellen Preis ausrechnen und bei einer Verminderung des Wertes allenfalls warten, bis die Kryptowährung wieder zu einem besseren Kurs getauscht werden könnte. Nicht zuletzt darum ist der Einsatz von Bitcoin in Zug begrenzt, «dies auch um den möglichen Verlust in Grenzen zu halten», sagt Steidle.

 

Hayek: «Blase lässt grüssen»
Abwartend verhalten sich auch die Unternehmen in der Region. «Das Interesse und das Informationsbedürfnis sind gross», sagt Thomas Gfeller, Delegierter für Wirtschaft der Stadt Biel. Gleichzeitig bestehe eine gewisse Unsicherheit, «ob hinter dem Hype tatsächlich eine wichtige Veränderung kommt in der Art und Weise, wie wir insgesamt in der Volkswirtschaft zusammen Geschäfte machen».

Gilbert Hürsch, Geschäftsführer der Wirtschaftskammer Biel-Seeland, hat in den Mitgliedsunternehmen bislang kein dringendes Bedürfnis ausgemacht, den Bitcoin oder andere Kryptowährungen innerhalb der Organisation zum Thema zu machen. Das dürfte mehrere Gründe haben. Einerseits sei in der Region besonders die produzierende Industrie stark vertreten, und diese sei nicht Treiber der Entwicklung: «Sie ist derzeit eher mit Themen wie Industrie 4.0, der effizienteren Gestaltung von Prozessen und additiven Fertigungsverfahren beschäftigt.» Natürlich aber sei die Entwicklung im Banken-, aber auch im Versicherungswesen ein grosses Thema: «Das entsprechende Bankenkonsortium ist in kurzer Zeit von drei auf 76 Mitglieder angewachsen.» Allerdings werden solche globale Themen an den Hauptsitzen der Unternehmen behandelt, nicht an den Zweigstellen im Seeland. Kurz: Um als Wirtschaftskammer in dieser Sache aktiv zu werden, bestehe derzeit kein Bedarf. «Ich beobachte die Entwicklung», sagt Hürsch, «aber es gibt für die Firmen derzeit drängendere Themen.»

Theoretisch wäre bei einem breiten und einheitlichen Einsatz einer Kryptowährung wie dem Bitcoin denkbar, dass die Exportindustrie ihre Währungsrisiken vermindern könnte. Nick Hayek, Konzernchef der Swatch Group, rechnet aber nicht mit einem baldigen Einsatz in der Geschäftswelt: «Die Welt ist schon kompliziert genug mit den real existierenden Währungen, und da ist schon eine gute Portion Spekulation vorhanden. Da brauchen wir nicht noch Kryptowährungen, die bis jetzt quasi zu 100 Prozent nur Spekulationen sind. Die Blase lässt grüssen.»

 

Stadt als «Early Follower»
Doch was nicht ist, kann noch werden. Insbesondere die Blockchain-Technologie wird auch von Unternehmen in der Region genau beobachtet. Und die Stadt Biel verfolgt laut Silvia Steidle «alle neuen Technologiethemen und behält sich deren Einsatz vor, sollten diese interessant werden durch ein neues Bedürfnis oder neue Rahmenbedingungen». Biel verstehe sich in dieser Hinsicht als «Early Follower».

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