Sie sind hier

Abo

Serie

Zweiter Bordbericht von der Costa Luminosa

Die BT-Korrespondentin berichtet von ihrer dreimonatigen Kreuzfahrt. Zweiter Teil.

Der Pico del Teide ist mit 3718 Metern der höchste Berg auf spanischem Staatsgebiet. ls
  • Dossier

Auf dem Kreuzfahrtschiff Costa Luminosa sind die Fahrgäste zu 90 Prozent Rentner. Einige leiden an Gelenkschmerzen, Diabetes, Herzbeschwerden oder an Einsamkeit. Auf dem Schiff werden sie liebevoll umsorgt, verwöhnt und betreut und die Einsamen finden Kontakt zu Mitmenschen. Ihre Zeit für Reisen mit Ross und Wagen, Zelt und Rucksack, Schlafen im Stroh, Radtour der Donau entlang oder Bergtouren mit Übernachtung in der Berghütte ist vorbei. Die Touristen auf einem Kreuzfahrtschiff bevorzugen eindeutig den Luxus mit ein paar Sternen.

Fernweh und Reisefieber

Auf dem Schiff gibt es kaum einen Schönheitswettbewerb, das Äussere verliert mit zunehmenden Alter an Stellenwert. Ob dick oder dünn, klein oder gross, hübsch oder hässlich, alle sind freundlich und nett zueinander. Eine Gemeinsamkeit haben viele: Sie leiden an Fernweh und Reisefieber. Da erfährt man doch in den ersten zehn Minuten von einem Ehepaar, dass beide bereits zum 33. Mal auf Kreuzfahrt sind oder dass das Check-In bei der MSC viel besser geklappt habe und das Essen auf dem andern Schiff hervorragend gewesen sei.

Auch wer Ruhe sucht, findet sie auf einem Kreuzfahrtschiff. Denn laute und schreiende Kinder finden sich kaum auf einem Schiff, auf welchem viele Rentner eine dreimonatige Weltreise unternehmen.

Delfine vor Gibraltar

Eine besonders lockere und amüsante Stimmung herrscht meistens auf Deck neun, ganz hinten. Dort treffen sich die stets gut gelaunten Raucher. Kommt hinzu, dass auf diesem Deck ab elf Uhr Apéros gratis ausgeschenkt werden. Dabei heitern die zahlreichen Franzosen die gute Stimmung noch mehr auf. Es ist ein tägliches feucht fröhliches Amüsement.

Nun befindet sich die Costa Luminosa bereits auf hoher See mitten im Atlantik. Nach dem Auslaufen aus dem Hafen von Malaga begleiten uns die ersten neugierigen Delfine, und der Schiffsverkehr nimmt zu, je mehr wir uns der Meerenge bei Gibraltar nähern. Kreuzfahrtschiffe, Tanker beladene und leere Containerschiffe gleiten an uns vorbei, ebenso Segelboote, welche wie verlorene kleine Nussschalen auf dem Wasser dahinschaukeln.

Boote, welche auf dem Bielersee zu den grösseren Modellen gehören, wirken auf dem Meer wie vom Wind weggeblasene Blätter.

Die Seele baumeln lassen

Auf dem afrikanischen Kontinent ist die marokkanische Hafenstadt Tanger zu erkennen. Nur 17 Kilometer trennt hier Europa von Afrika.

Beim Gedanken an das grosse Elend Afrikas beschleicht uns ein eigenartiges Gefühl, wobei wir unsere Blicke doch lieber gegenüber auf die Spitze Südeuropas richten. Die Kanarische Insel Teneriffa mit ihren eindrücklichen Vulkanlandschaften liegt jetzt hinter uns.

Wer will, kann sich amüsieren, gut essen und trinken. Man kann auf dem Schiff Sport treiben, tanzen, Sprach- und Bastelkurse besuchen oder einfach die Seele baumeln lassen.

Wir beide bevorzugen die Ruhe auf dem eigenen Balkon und die Sicht auf das unendlich weite Meer. Lotti Studer

* * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Der Kapitän informiert

  • Während der Fahrt erklärt Kapitän Matteo Fava, wo wir uns gerade befinden. Der Name des Ozeans, aus der griechischen Mythologie abgeleitet, bedeutet «Meer des Atlas».
  • Der Atlantik scheint der jüngste der Ozeane zu sein. Er entstand vor 150 Millionen Jahren. Die Bewegung der Kontinentalplatten dauert bis heute an.
  • Nord- und Südamerika verschieben sich von Europa und Afrika um mehrere Zentimeter pro Jahr. ls

Nachrichten zu Vermischtes »