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Zweifel sind noch nicht ausgeräumt

Heute Nachmittag schreiten die bernische Baudirektorin Barbara Egger und Stadtpräsident Hans Stöckli zum Spatenstich für den A5-Ostast.

Zweifel sind noch nicht ausgeräumtWährend im Osten Biels die Bauarbeiten für die A5-Umfahrung beginnen, ringen Behörden, Planer und Anwohner um eine stadtverträgliche Autobahn im Zentrum.
<BR><BR>Mike Sommer
<BR><BR> Im Bözingenfeld wird nach langer Planung und Vorbereitung jetzt der Bau des Tunnels durch den Büttenberg in Angriff genommen. 2015 wird die Verbindung ins Brüggmoos dem Verkehr übergeben. «Endlich gehts im Osten der Stadt los», freut sich der Bieler Baudirektor Hubert Klopfenstein. Und wie stehts mit dem Westast, also der Fortsetzung der Umfahrungsautobahn vom Brüggmoos bis zum Seefels? Klopfenstein wiegelt ab: «Im Westen nichts Neues. Es sind noch keine Entscheide gefallen.»
Im Westen nichts Neues? Tatsächlich wird man sich noch gedulden müssen, bis klar ist, wie die A5 im Gebiet Mühlefeld-Bahnhof das Zentrum durchqueren wird. Die Frage, ob es gelingt, ein «stadtverträgliches» Bauwerk zu realisieren, brennt insbesondere den Anwohnern unter den Nägeln. Hubert Klopfenstein gibt sich zuversichtlich: «Alle wollen eine optimale Lösung. Die Stadt und der Kanton arbeiten eng zusammen, um dieses Ziel zu erreichen.» Als Grundlage diene die Variante C, die der Gemeinderat bevorzugt, weil sie die geringsten Auswirkungen für die angrenzenden Gebiete zur Folge hat.
Schon 1500 Unterschriften
Nicht alle Bielerinnen und Bieler sind aber überzeugt, dass optimal auch gut bedeuten wird. Denis Rossel hat mit anderen Bewohnern des Mühlefeldes bereits rund 1500 Unterschriften für eine Petition gesammelt, die sich gegen die «inakzeptablen» Variantenvorschläge des Kantons wehrt. Der Widerstand richtet sich vor allem gegen den offenen Streckenabschnitt von mindestens 200 Meter Länge. Das generelle Projekt sah noch eine vollständigen Überdeckung vor.
Denis Rossel hat Zweifel, ob eine durchgehend unterirdische A5 mit den neuen Sicherheitsvorschriften des Bundes unvereinbar ist, wie das Bund und Kanton behaupten: «Wir wollten es genauer wissen, erhielten aber beim Bundesamt für Strassen Astra keine befriedigende Auskunft.» Da entstehe der Eindruck, das Astra spiele nicht mit offenen Karten. Immerhin habe die Unterschriftensammlung aber ein Ziel erreicht. Man habe sich mit Baudirektor Klopfenstein und dem Nidauer Stadtpräsidenten Bernhard Stähli getroffen und sei nun besser informiert.
Verkehr wird «umgelagert»
Mehr und bessere Informationen zum Anschluss Biel-Zentrum hat auch die Begleitkommission Städtebau und Verkehr verlangt. Sieben Fach- und Schutzorganisationen sind in diesem Gremium vertreten und werden vom Kanton jeweils über die A5-Planung auf dem Laufenden gehalten. Letzte Woche erhielt die Kommission nun Informationen zu den Verkehrsmodellen. Markus Rebmann vom VCS zeigt sich nach der Sitzung eher ernüchtert: «Dank dem Anschluss Biel Zentrum werden zwar einige Quartiere und Gebiete vom Durchgangsverkehr entlastet - allerdings nicht wahnsinnig stark.» Insgesamt gebe es aber nicht weniger Verkehr, sondern eine Umlagerung und Konzentration.
Ob die Mehrheit der in der Begleitkommission vertretenen Organisationen an ihrer Forderung festhält, es sei der Verzicht auf den Anschluss Biel Zentrum zu prüfen, werde man nun diskutieren, so Rebmann. Auch die Gründung eines Komitees, das sich gegen den Anschluss zur Wehr setzt, stehe noch nicht fest. Die Vetreter des Kantons hätten an dem Treffen klargemacht, dass ein Verzicht nicht in Frage komme, da der Anschluss Teil des genehmigten generellen Projekts sei. Andererseits hätten die Planer aber versichert, dass eine «Randbebauung» (vgl. Skizze des Stadtplanungsamtes) zum Schutz des angrenzenden Mühlefeld-Quartiers «dringend nötig» sei, wenn die A5 teilweise offen geführt werde. Für Markus Rebmann eine «neue, klare Aussage», aber: «Fragt sich nur, ob diese riesige Randbebauung für Biel realistisch ist.»
Eine Frage des Perimeters
Realistisch ist die vollständige Umgestaltung der Gebiete entlang der A5 wohl, wenn die Stadt Biel nicht für einen Grossteil der Kosten aufkommen muss. Deshalb setze sich die Stadt jetzt für eine «Vergrösserung des Perimeters» ein, sagt Baudirektor Hubert Klopfenstein. Anders gesagt: Wenn die Neuplanung des Gebiets und die Randbebauung als Bestandteil des A5-Baus anerkannt werden, muss sich der Bund auch an den Kosten beteiligen.
Fazit: Nichts ist entschieden, der Ball liegt jetzt wieder einmal bei den Planern. Die Zweifel, ob eine stadtverträgliche Lösung möglich ist, sind zwar nicht ausgeräumt. Fundamentalopposition gegen die A5 oder einen Anschluss Biel Zentrum hat Hubert Klopfenstein jedoch nicht ausgemacht: «Die Gespräche mit den Kritikern verliefen konstruktiv.»A5-Westast
? Gesamtlänge (ohne Vingelz-Tunnel): 2,8 km
? Abschnitt Biel Zentrum: 1,5 km
Terminplanung:
? Januar 2008: Varianten-Antrag (Anschluss Biel Zentrum) des Kantons an Bund
? 2008 (?): Varianten-Entscheid des Bundesamtes für Strassen
? anschliessend öffentliche Auflage des Abschnitts Westast, Bereinigung Einsprachen
? 2012-2018/19: Bau A5-Westast
Falls eine Änderung des generellen Projekts nötig ist, muss mit einer Verzögerung von mehreren Jahren gerechnet werden. (ms)Autobahnidylle: Eine Randbebauung als Lärmschutz, ein grüner Park und eine Autobahn in Tieflage (Blick von Nidau her): So könnte der Idealfall aussehen. Bild: zvg

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