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Was von den 1980ern übrig geblieben ist

Die Schweizer Hardrock-Band Shakra hat kürzlich ihr neues Album «Fall» veröffentlicht. Der Bieler Sänger Mark Fox hat sich dabei stärker eingebracht als zuvor.

Was von den 1980ern übrig geblieben ist

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Tobias Graden<BR>

Mark Fox reibt sich die Augen. «Ich habe etwas wenig geschlafen», sagt der Bieler Sänger der Hardrock-Band Shakra. Shakra probt in Trub, im tiefsten Emmental, Mark Fox fährt nicht Auto und ist darum nach dem Proben jeweils erst sehr spät zuhause. <BR>

Tiefpunkt im Herbst<BR>

Den Interviewtermin am Morgen danach nimmt er aber pünktlich und ohne zu Murren wahr. Solche Dinge gehören eben dazu, mehr denn je: Shakra hat kürzlich das neue Album «Fall» veröffentlicht, und Mark Fox ist grösstenteils für die Promotionsarbeit zuständig. «Wir sind zu einem neuen, grösseren Label gewechselt, das mehr Mittel in die Werbung für uns inves-tieren kann», sagt Fox, der darum jüngst etwa auch in Spanien Interviews gegeben hat. «Die Zeitungsartikel fallen eben deutlich grösser aus, wenn man persönlich vorbeigegangen ist», fällt ihm auf.<BR>

Dabei war vor einem Jahr nicht einmal sicher, ob es denn überhaupt ein weiteres Shakra-Album geben würde. «Wir hatten im letzten Herbst grosse Probleme in der Band», so Fox, fünf verschiedene Charaktere seien dauernd aufeinander gehockt, die kleinen störenden Details hätten sich summiert, bis es zum Eklat gekommen sei. Das war eine «heavy Zeit», sinniert Fox, die Frage nach der Bandauflösung sei im Raum gestanden. <BR>

Sattsam bekannte Stärken<BR>

Geholfen hat, so Fox, schliesslich die Einsicht, «dass wir eigentlich alle das Gleiche wollen: zusammen tolle Musik machen». Musikalisch habe es denn auch nie Probleme gegeben, und nachdem die menschlichen Probleme beigelegt waren, funktionierte die Band wieder bestens.<BR>

«Fall» ist aber, zumindest was den Albumtitel anbelangt, noch dieser schwierigen Zeit gewidmet. Er ist als «Herbst» zu verstehen und steht damit nicht in direktem Zusammenhang zum Vorgängeralbum «Rising». Dennoch: «Fall» ist trotz der düsteren Herbstblätter auf dem Titelbild kein Depro-Album. Vielmehr will es die Shakra-Fans mit den sattsam bekannten Stärken der Band überzeugen: Kantige Riffs, melodiöser Gesang, jaulende Soli. Wie klassischer Hardrock eben zu sein hat. «Allzu viel kann man daran nicht verändern», sagt Mark Fox, «sonst vergrault man die Fans. Die möchten nicht, dass das, was von den 1980ern noch übrig geblieben ist, ganz verschwindet.» Immerhin: Auf «Fall» wagte sich Shakra ab und zu an modernere Gitarren-
sounds oder an eine verfremdete Gesangsstimme. <BR>

«Fall» ist nun auch das Album, in dem der kreative Anteil von Mark Fox erstmals richtig zum Tragen kommt. Der Bieler ist nun seit vier Jahren in der Band und konnte sich bei «Rising» allein aus zeitlichen Gründen noch nicht voll einbringen. Jetzt stammt der allergrösste Teil der Texte von ihm, ein selbst geschriebener Song dagegen hats nicht auf die Platte geschafft. «Ich bin eher ein bisschen melancholisch», umschreibt Fox seinen Schreibstil - zudem beschreibt er lieber selber erlebte Situationen denn erfundene Geschichten: «Das Songschreiben ersetzt mir das Führen eines Tagebuchs.» Mark Fox konnte dieses Mal befreiter an die Aufnahmen gehen. «Der Druck, jemanden ersetzen zu müssen, ist weg», so der Sänger, «die Fans haben mich akzeptiert.» <BR>

Ein Plätzchen für Shakra<BR>

Shakra sind in der Schweiz im Hardrock-Business die klare Nummer 3, hinter Gotthard und Krokus, obwohl sie den musikalischen Vergleich mit Gotthard jedenfalls überhaupt nicht fürchten müssen. Frustrierend sei diese Situation aber nicht, sagt Mark Fox: «Es hat sich immerhin gezeigt, dass der Schweizer Hardrockmarkt auch ein Plätzchen für uns bereithält, das ist doch schön.» Shakra geniesse einen «gehobenen Newcomerstatus» und wolle durch harte Arbeit weiter Schritt für Schritt nach vorne kommen. <BR>

Dazu geht die Band im November zusammen mit den einschlägig bekannten Formationen Hammerfall und Stratovarius auf Europa-Tournee. Fox freut sich: «Wir spielen so zum Beispiel erstmals in London - ich bin gespannt, wie das dortige Publikum auf uns reagieren wird.» Sicher ist, dass nach dem Tiefpunkt im letzten Herbst auf Shakra weitere Höhepunkte zukommen werden - mit den Konzerten am Sweden Rock Festival oder in Uster als Anheizer für Iron Maiden kann Mark Fox ohnehin schon einige davon aufzählen. Die Nächte mit wenig Schlaf dürften jedenfalls nicht geringer werden.
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Zum aufrechten Rock die richtige Pose: Shakra mit dem Bieler Sänger Mark Fox (Mitte). Bild: zvg
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Mark Fox<BR>

Der Bieler Sänger der
Emmentaler Hardrock-Band Shakra heisst eigentlich Markus Fuchs. Den Künstlernamen Mark Fox hatte er sich zugelegt, weil er anfänglich zusätzlich ein Soloprojekt verfolgte - eine CD mit Gölä-ähnlichen Mun-dartrock-Songs. Ein Lied war ein AC/DC-Cover auf Mundart, das die Musiker von Shakra derart überzeugte, dass sie Fox/Fuchs als ihren neuen Sänger bestimmten. Der vorherige Sänger Pete Wiedmer musste seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen abbrechen.
Fuchs lebt mehr oder weniger von seinem Engagement als Shakra-Sänger, über
allfällige Durststrecken
helfen Aufträge im Webpublishing-Bereich. (tg)
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