Sie sind hier

Unser Land braucht eine Wertediskussion

Ende letzterWoche trafen sich 80 Persönlichkeiten aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Hilfswerke, um über Empfehlungen zur Expo.01 nachzudenken. Ihrer Meinung nach könnte die Landesausstellung als Gesprächsplattform für eine Wertediskussion...

<B>Worben: Auf dem Weg zur Expo.01<BR>
</B><P><FONT SIZE=+2><B>Unser Land braucht eine Wertediskussion</B></FONT><P><B>Ende letzterWoche trafen sich 80 Persönlichkeiten aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Hilfswerke, um über Empfehlungen zur Expo.01 nachzudenken. Ihrer Meinung nach könnte die Landesausstellung als Gesprächsplattform für eine Wertediskussion dienen. Denn der Schweiz fehle es an Orientierung und Visionen für die Zukunft.<BR>
</B><P>ste. «Die Nationale Schweizerische Unesco-Kommission (NSUK) wird beauftragt, das Engagement für die Wertediskussion fortzusetzen. Das Gespräch über die Werte und deren Wandel in unserem Land muss zu einem tragenden Thema der Landesausstellung Expo.01 werden.» Mit dieser Resolution endete die Tagung vom 2. und 3. Oktober in Worben. Das Kolloquium stand unter dem Motto «Unser Land braucht eine Wertediskussion», einer Aussage, die von Jacqueline Fendt, der Präsidentin der Generaldirektion derExpo.01, stammt.<BR>
<P><P><B>Schreckgespenst Globalisierung<BR>
</B><BR>Die Gespräche der 80 Persönlichkeiten vom In- und Ausland aus den Bereichen Ausbildung, Erziehung, Bund und EDA, Hilfswerke und Kirchen, Politologie, Politik, Publizistik, Versicherungswesen und Wirtschaftswissenschaft drehten sich um Stichworte wie wirtschaftliche Globalisierung und institutionelle Provinz, brüchiger Sozialstaat und bröckelnder Generationenvertrag, Einfluss der Medien und der globalen Menschenströme. Nach den Grundsatzreferaten vom Freitag, die einige Votanten als teils hoch geschraubt bezeichneten, erhitzten sich die Gemüter am Samstag, als es um das Zweigespann Wirtschaft und Politik ging. Die dabei strittigeThese war bereits in der schriftlichen Einladung formuliert worden: «Die Wirtschaft übernimmt angesichts der Globalisierung die Führung vor der Politik, welche hinterher hinkt. Dabei ist das Gleichgewicht zunehmend gestört. Die Wirtschaft stösst in Freiräume vor, ohne zusätzliche Verantwortung zu übernehmen, und die Politik ist wenig initiativ und anpassungsfähig.» Als etwa Uwe Zahn, ein Ingenieur aus Biel, bemängelte, die Denkart in den Köpfen vieler Wirtschaftsvertreter nehme zunehmend totalitäre Züge an, rief er den heftigen Unmut von FDP-Kantonsrat Hans-Jakob Heitz (Winterthur) und von Phlippe Lévy, dem Präsidenten des Schweizerischen Büros für Wirtschaftsexpansion (Zürich) hervor. Er musste sich sagen lassen, dass «an dieser Tagung viele Funktionäre sitzen, die nur dank einer blühenden Wirtschaft existieren können». Damit war einer der Gräben deutlich geworden, die an der Expo analysiert und überwunden werden sollten.<BR>
<P><B>Vom Krämergeist und Bürgersinn<BR>
</B><BR>Eine weitere Dissonanz wurde deutlich, als die Rolle der Schweiz und eine Wesensart vieler Bewohner dieses Landes thematisiert wurden. «Unser Land könnte von seiner zentralen Lage und als Ort von Demokratie und Bürgersinn zu einem Thinktank werden, von dem die umliegenden Länder profitieren könnten», gab Francesca Gemnatti, Anwältin und Präsidentin des NSUK (Bellinzona) ihrer Hoffnung Ausdruck. Umgekehrt aber bemängelte Professor Peter Ulrich vom Institut für Wirtschaftsethik, Universität St. Gallen, dass gerade der schweizerische Krämergeist zunehmend einen Anachronismus darstelle, denn «jetzt holen uns die verleugneten oder verdrängten ethisch-politischen Grundfragen wieder ein». Die Schweiz könne ihre gegenwärtige Krise nur überwinden, wenn sie sich auf ein «Stück nachholende Aufklärung ihres im 19. Jahrhundert stecken gebliebenen Wirtschaftsethos einlässt», folgerte Ulrich. Der Bürgersinn wurde wiederholt als eine grosse Tugend eingefordert.<BR>
<P><B>Vom Wert der Mitmenschlichkeit<BR>
</B><BR>Ähnlich unterschiedlich wurde je nach Warte der Gemeinsinn beurteilt. Während für Jürg Krummenacher von Caritas Schweiz (Luzern) die Werte wie Freiwilligenarbeit, Katastrophenhilfe und Spendenwille durchaus noch stark ins Gewicht fielen, war für den Unternehmensberater und Tagungsleiter Professor Ernst A. Brugger die viel gepriesene internationale Vermittlerrolle der Rolle der Schweiz nur noch «ein erbärmlicher Überrest angesichts des eigenen Mythos über dieselbe».<BR>
Jürg Krummenacher zeigte zum Schluss den Schwachpunkt der Tagung auf: «Ich weiss nicht, welche Ziele die Expo-Leitung verfolgt. In dieser Situation ist es schwierig, Empfehlungen abzugeben.» Die Tagung wurde immer wieder illustriert und mit Kontrapunkten versehen durch Einlagen des Kulturschaffenden Gusti Pollak (Boltigen). Eine seiner treffenden Aussagen lautete angesichts der Spannung zwischen Fortschritt und Verelendung einer unbestrittenermassen zunehmenden Zahl von Menschen in der Schweiz: «Der Fortschritt schreitet fort, immer weiter fort.»<BR>

Nachrichten zu Vermischtes »