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Titanic oder die Erotik der Lüge

«La Femme de chambre du Titanic» ist alles andere als ein Katastrophenfilm. Der jüngste und vielleicht schönste Wurf von Bigas Luna ist eine gelungene , mit der sich der Katalane endgültig aus Almodovars Schatten schifft.

<B>Bigas Luna: La femme de Chambre du Titanic</b><BR><BR>
<FONT SIZE=+2><B>Titanic oder die Erotik der Lüge</B></FONT><BR><BR>
<B>«La Femme de chambre du Titanic» ist alles andere als ein Katastrophenfilm. Der jüngste und vielleicht schönste Wurf von Bigas Luna ist eine gelungene , mit der sich der Katalane endgültig aus Almodovars Schatten schifft.</b><BR><BR>
David Tucker<BR><BR>
Da riskiert es ein mittlerweile zum Kultregisseur Avancierter doch tatsächlich als Trittbrettfahrer verdächtigt zu werden: kurz nach dem letzten pompösen Untergang lässt Lunas - bisher eher bekannt für schräge Erotomaniedramen wie «Jamon, Jamon» - die Titanic wieder auftauchen.<BR><BR>
Nun, das Risiko ist gering. Gemäss der Literaturvorlage von Didier Decoin reduziert Lunas in «La femme de chambre du Titanic» den Dampfer auf das, was er genau genommen auch bei James Cameron ist: das Vehikel einer Liebesgeschichte. Dabei setzt die französich-spanische Koproduktion denn auch eher auf Tiefgang, als auf Untergang: der Film ist eine raffinierte Abhandlung über die Erotik der Lüge und des Erzählens - der stählerne Mythos dagegen ist nur für respektlos kurze Zeit zu sehen. Auch für Horty (Olivier Martinez).<BR><BR>
Der junge Schwerarbeiter aus Lothringen hat im Grubenwettlauf den ersten Preis gewonnen - eine Reise zum Stapellauf des Traumschiffes - welches ihn allerdings kaum interessiert. Das einzige, was ihn beim Anblick der auslaufenden Titanic berührt, ist eine Zufallsbekannte (Aitana Sanchez), die als Kammermädchen mit dem Dampfer fährt. Wieder zu Hause fällt Horty aus allen Wolken: denn seine Frau Zoe (Romane Bohringer), so flüstern ihm Arbeitskollegen zu, soll es in der Zwischenzeit mit dem Direktor getrieben haben. Der doppelt Liebesverkümmerte rächt sich mit einer pikanten Lüge, indem er eine wilde Liebesnacht mit dem Kammermädchen erfindet. Die Schilderung berauscht. Stammtischfreunde, und immer mehr Fremde drängen Horty, weitere Details seiner Amour fou preiszugeben - und dieser phantasiert mit jedem weiteren Tag gekonnter.<BR><BR>
Als schliesslich die Nachricht der Katastrophe das Proletennest erreicht - die Heissgeliebte soll in den Fluten ertrunken sein - bricht der Damm endgültig. Hortys erotische Einfälle überschlagen sich.<BR><BR>
Bald tritt er mit seiner Geschichte in Theaterhallen auf. Dabei stimuliert ihn jeweils das Foto des adrett gekleideten Kammermädchens - der einzige, vermeintliche Beweis für die dramatische Geschichte. Die notwendige Erfahrung dagegen liefert ihm seine Frau. So wandelt sich der fingierte Ehebruch mehr und mehr zur Liebeserklärung an Zoe. Das lustvolle Pendel zwischen Leidenschaft und Eifersucht kommt erst zum Stillstand, als das totgeglaubte Kammermädchen plötzlich auftaucht...<BR><BR>
Deftig-schräge Liebeszenen, bisher Lunas Markenzeichen, bietet der Film keine. Dafür umso subtilere Liebesbilder, reale und erträumte, zu einem wunderschönen Ganzen vermischt - zu einem überzeugenden Plädoyer für die Erotik der Lüge!<BR><BR>

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