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Tanya Frei-Zürcher – Ehre dank Olympiasilber

Sportlerin des Jahres: Tanya Frei-Zürcher «Wir sind und bleiben die Grünschnäbel»

Tanya Frei-Zürcher – Ehre dank Olympiasilber

An den Olympischen Spielen in Salt Lake City schrieb das Schweizer Curlingteam Geschichte. Dank der Silbermedaille wurde Tanya Frei-Zürcher (30) nun Seeländer Sportlerin des Jahres 2002.<BR>

Interview: Beat Moning<BR>
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Tanya Frei-Zürcher, Seeländer Sportlerin des Jahres 2002. Wie hört sich das an?<BR>

Das hat mich im ersten Moment überrascht. Im zweiten freut es mich unheimlich. Damit habe ich ehrlich gesagt nicht
gerechnet. Das ist eine
Riesenehre.<BR>
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Nun, die Ehre ist das eine, es gibt auch noch ein Preisgeld von 1500 Franken. Gehen Sie jetzt auf Einkaufstour?<BR>

Nein, sicher nicht. Aber ich werde mir schon etwas gönnen. Nach den Schweizer Meisterschaften will ich Sonne tanken. In diesen Ferien leiste ich mir wohl einen Tauchkurs.<BR>
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Fast ein Jahr ist es nun her, seit Sie mit Ihrem Team diesen Exploit in Salt Lake City feiern konnten. Ist dieses Erlebnis rein gedanklich schon weit weg oder immer noch hautnah?<BR>

Ich habe seither so viel erlebt, dass es mir eher weit weg vorkommt. Trotzdem sehe ich noch jedes Spiel und jeden Stein vor mir. Vor allem der letzte. Die Erinnerungen sind da, aber im Sport schaut man voraus. Darum denke ich auch nicht immer zurück.<BR>
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Hand aufs Herz: Haben Sie den unvergleichlichen Silbermantel seither schon mal privat angezogen?<BR>

Nach den Olympischen Spielen gingen wir an verschiedene Empfänge, wo wir diesen Mantel trugen. Wenn wir bei uns zu Hause Besuch hatten, schlüpfte mal einer in den Mantel und liess sich fotografieren. Aber ich selber trug ihn sonst noch nie.<BR>
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Sind Sie denn mit der Medaille spazieren gegangen?<BR>

Auch nicht. Aber wir haben die Medaille an Vorträge oder an Schnupperkurse mit Schulen oder Firmen mitgenommen. Aber sonst bleibt das Erinnerungsstück in der Wohnung ausgestellt.<BR>
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Der Rummel hat sich gelegt. Was bleibt in schönster Erinnerung?<BR>

Die Medaillenübergabe vor 20 000 Leuten und das Einlaufen anlässlich der Eröffnungszeremonie. Da lief es mir kalt den Rücken hinunter. Die Warterei erzeugte eine grosse Spannung.<BR>
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In anderen Sportarten wird man mit einer Olympiamedaille reich. Konnten Sie oder das Team auch profitieren?<BR>

Gar nicht. Wir hatten diverse spezielle Einladungen an VIP-Anlässe. Von der Amag erhielt jeder Medaillengewinner für ein Jahr ein Auto. Aber die Sponsoren sind ausgeblieben. Immerhin konnten wir mit den bisherigen den Vertrag zu den gleichen Konditionen verlängern. Im Curlingsport sind und bleiben wir halt die Grünschnäbel.<BR>
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Aber der Bekanntheitsgrad ist zumindest in der Region doch deutlich gestiegen?<BR>

Das schon, vor allem aber bei Skip Luzia Ebnöther, die zu Recht auch bedeutend mehr in der Öffentlichkeit stand. Bis in den Sommer hinein fühlte ich mich schon ein wenig «verfolgt». Aber auch das hat sich normalisiert.<BR>
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Der Alltag ist also zurückgekehrt, auch im sportlichen Bereich. Spüren Sie, dass Sie auf den Schweizer Eisfeldern l'équipe à battre sind?<BR>

Ja, schon. Jedes Team will gegen uns eine Topleistung erbringen. Da sind auch wir gefordert. Der Druck lastet aber viel mehr auf den aktuellen Meisterinnen, die ebenfalls aus Bern kommen.<BR>

Nun, Ihr Team liegt nach den ersten Qualifikationsspielen vorne an der Spitze. Anders sieht es für die Olympiadritten um Skip Andy Schwaller aus. Haben die Männer den Olympiaerfolg, die Bronzemedaille, schlecht verdaut?<BR>

Ich habe da keine richtige Erklärung. Es ist auch schwierig, in das Innere eines Teams zu blicken. Sicher ist es möglich, mal ein schlechtes Wochenende einzuziehen. Aber gleich zwei? Dem Druck müssten sie eigentlich nach all den Erfolgen standhalten können. Ergo muss es andere Gründe geben.<BR>
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In einer Woche kommen die besten Frauenteams nach Biel zur SM-Qualifikation. Mit welcher Zielsetzung für Ihr Team?<BR>

Wir haben an diesem Wochenende in Wallisellen das zweite Qualifikationsturnier, in Biel dann das dritte und letzte vor den Schweizer Meisterschaften. Wir wollen eine gute Ausgangslage für das Finalturnier von Anfang März in Bern schaffen. Entschieden werden die Meisterschaften dann aber sowieso an den allerletzten Tagen. Diese bittere Erfahrung mussten wir im letzten Jahr machen.<BR>
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Und dann geht es schon bald um die Teilnahme für die nächsten Olympischen Winterspiele 2006 in Turin. <BR>

Wenn wir Meisterinnen werden, bleibt es ein grosses Thema. Die Schweizer-Meister-Teams zwischen 2002 und 2005 nehmen am internen Olympiaausscheidungsturnier teil. Je eher wir also Meister werden, desto besser können wir uns auf ferne Ziele festlegen. <BR>
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Die Chancen sind also intakt, dass Tanya Frei-Zürcher noch drei Jahre im Spitzencurling vertreten ist? <BR>

Es wäre falsch, jetzt zu weit nach vorne zu blicken. Unser Ziel ist es, wieder auf dem internationalen Parkett Curling zu spielen. Dazu brauchen wir vorerst Erfolge im eigenen Lande. Ich möchte mich da im Moment wirklich nicht festlegen. Im Sport ist heute richtig, was morgen falsch ist. Also warten wir mal
ab und geben einfach unser Bestes.<BR>

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Tanya Frei über ...<BR>

<B>... Olympische Winterspiele in der Schweiz:</B> Ich war sehr dafür und habe auch aktiv mitgekämpft. Aber die Abstimmung kam nach den fehlenden Expo-Millionen zu einem falschen Zeitpunkt. Ich habe Verständnis dafür, dass das Volk eine abneigende Haltung hatte. In zehn Jahren sieht das möglicherweise wieder anders aus. Denn ich bin überzeugt, dass Olympische Spiele unserem Land sehr viel bringen würden.<BR>
<B>... Sportminister Samuel Schmid:</B> Ich habe ihn mehrere Male getroffen. Ein aufgestellter und sympathischer Mann. Einmal setzte er sich an unseren Tisch. Das habe ich sehr geschätzt, denn das macht er sicher nicht überall.<BR>
<B>... Skispringer Simon Ammann:</B> So kann es gehen. Der Junge tut mir leid. Bei allem was er macht, wird er von einer Kamera begleitet. Das kann nicht spurlos an einem so jungen Sportler vorbeigehen. Aber ich glaube an Simon Ammann.<BR>
<B>... Ski-WM in St. Moritz: </B>Schade, dass ich keine Ferien habe. Ich wäre gerne dabei. Ich hoffe, dass das Schweizer Team von den Zuschauern inspiriert wird. Aber die Österreicher bleiben die grosse Macht. Medaillengewinne werden für uns Schweizer schwer.<BR>
<B>... EHC Biel: </B>Die Mannschaft ist doch vorne dabei? Ich bin überrascht über diese Diskussionen und kann eigentlich nicht verstehen, dass man mit diesem Trainer nach nicht einmal einer Saison nicht weiter arbeiten will.<BR>
<B>... Kiffen im Sport:</B> Davon halte ich gar nichts. Längerfristig bringt es sicher keinen Erfolg.
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Fachjury
bestimmte <BR>

Bei der Wahl zum Seeländer Sportler des Jahres nahm auch eine Fachjury teil. Das Urteil fiel deutlich aus.<BR>

bm. Gegen 3500 Meldungen gingen über Internet oder Post beim «Bieler Tagblatt» ein. Die Leser bestimmten dabei jene Sportler und Sportlerinnen, die für die engere Auswahl in Frage kamen. Über 100 Stimmen erhielten - in dieser Reihenfolge - Diana Schwab (Karate), Manuela Weingart (Voltige), Tanya Frei-Zürcher (Curling), Jürg Wasem (Gigathlon), Mirja Jenni-Moser (Läuferin) und Priska Glarner (Geräteturnen). Die Leser, die BT-Sportredaktion (Reihenfolge: Frei-Zürcher, Wasem, Weingart, Schwab, Jenni-Moser, Glarner) und eine Fachjury (Reihenfolge: Frei-Zürcher, Wasem, Schwab und Glarner, Jenni-Moser und Weingart), bestimmten zu je einem Drittel den Sieger.<BR>

Die Fachjury setzte sich mit Werner Günthör (Ex-Kugelstösser), Arturo Albanese (Nachwuchschef FC Biel), Urs Mürner (Tennislehrer, Ex-Swiss-Tennis), Jochen Müller (Chef Sport CTS Biel, zugleich Hauptsponsor des Wettbewerbs) sowie Janine Geigele (neu Sportjournalistin bei Radio DRS) zusammen. Am Ende ergab sich folgende Schlussrangliste: Tanya Frei-Zürcher, Jürg Wasem, Diana Schwab, Manuela Weingart, Mirja Jenni-Moser, Priska Glarner. Von jenen Lesern, die Tanya Frei-Zürcher wählten, wurde Ursula Schmucki aus Biel gezogen. Sie holt die 1000 Franken ab. «Ich kenne
Tanya nicht persönlich. An den Olympischen Spielen verfolgte ich den Curlingwettbewerb und die Spielerin war mir stets sympathisch. Darum habe ich sie auch bestimmt», so Ursula Schmucki, die selber nicht Curling spielt, dafür umso mehr auf den Skipisten anzutreffen ist.
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<B>Die Sportlerin des Jahres 2002:</B> Curling-Vizeolympiasiegerin Tanya Frei-Zürcher (30) aus Täuffelen anlässlich des gestrigen Interviews mit dem «Bieler Tagblatt.» Bild: Manuel Friederich
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