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Studenten-Bude auf dem Zentralplatz

aus dem In- und Ausland haben sich mit der Frage beschäftigt, wo dereinst die Studierenden des Campus in Biel leben sollen. Die Antworten sind überraschend – und wenig realistisch.

Studenten-Bude auf dem Zentralplatz<br />

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EVA BERGER<br />
Während drei Wochen haben sich fünf Iren, zwei Deutsche, drei Tschechen, eine Spanierin und zwei Schweizer im Rahmen der «Summerschool» der Berner Fachhochschule mit Biel auseinandergesetzt. Die Aufgabe für die Architekturstudenten lautete, in Biel Wohnraum für Studierende zu schaffen. Hintergrund ist der Campus der Berner Fachhochschule, welcher dereinst in Biel zu stehen kommen und junge Leute mit kleinem Budget in die Stadt ziehen soll.<br /><br />

Der Fantasie zur Erfüllung dieser Aufgabe waren Grenzen gesetzt. So mussten neue Wohneinheiten, welche auf 15 Quadratmetern alles beinhalten, was man zum Studentenleben braucht, in bestehende Gebäude integriert, angehängt, oder aufgesetzt werden. Am Schluss der «Summerschool» waren fünf solche Projekte erarbeitet, sowie eine übergeordnete Skizze davon, wie sich Campus und Studentenleben in Biel am besten verbinden lassen. Gestern präsentierten die Studierenden die Projekte.<br /><br />

<b>«Es ist provokativ»</b><br />

Innovativ sind die Arbeiten alle. Ungewöhnlich auch. Die Studierenden – welche zum allergrössten Teil Biel vorher nicht kannten – machten zu Beginn der «Summerschool» mit Stadtwanderer Benedikt Loderer eine Tour durch die Stadt. Dabei haben sie jene Gebäude oder Bauten ausgewählt, in denen oder an welchen sie Studenten-Buden anfügen wollen. Eine Gruppe quartiert mehrere Wohncontainer im obersten Stock des Coop Centre Bahnhof ein. Eine andere hängt eine Wohneinheit beim Hochhaus des Kongresshaus zwischen die Fassade und die Betonwand in luftige Höhe. Wiederum andere wollen auf einem Dach einen «Garten» mit den flachdächigen Häuschen als «Beete» einrichten.<br /><br />

Besonders ins Auge sticht das Projekt «Bus Stop» von Andries Burger aus Irland und Christopher Irlbeck von der Technischen Universität München. Ihr Häuschen steht auf dem Dach der Bushaltestelle auf dem Zentralplatz. Das Haus selber lehnt sich an die Architektur von Scheunen in den Alpen an und ist über eine hydraulische Leiter im Boden erreichbar. «Es ist provokativ», gibt Christopher Irlbeck zu. Gerade das habe aber ihm und seinem Teamkollegen an der Idee gefallen. Er könne sich durchaus vorstellen, dass es umgesetzt werden kann, jedoch müsste der Bewohner des Hauses wohl «eine spezielle Person sein».<br /><br />

<b>Sackmesser in der Wand</b><br />

Irlbeck und Burger haben ihr Häuschen funktional eingerichtet. Weil der Platz knapp ist, haben sie ein Möbel entworfen, welches sie «Swiss Army Knive» nennen: In der Wand befinden sich unterschiedliche Elemente, welche sich in den Raum ziehen lassen und als Esstisch, Arbeitsplatz oder TV-Konsole verwendet werden können. Auch das Bett ist hochklappbar, der Platz damit optimal genutzt.<br /><br />

So weit so gut. In der Realität seien die Projekte aber kaum umsetzbar, erklärt Benedikt Loderer. So stimmten Aufwand und Ertrag nicht überein, die Räume seien etwa – das war Teil der Aufgabe – vollständig eingerichtet. Sehr unrealistisch seien die Orte, an welchen die Häuser stehen sollten, findet Loderer, niemals würde man sie an so prominenten Plätzen hinstellen. Damit sei auch klar, worum es bei dieser «Summerschool» gegangen sei. «Die Idee ist nicht, irgendein Wohnungsproblem zu lösen, sondern eine Schulaufgabe zu erfüllen», so Loderer. Die Resultate seien radikal, müssten irritieren und auffallen. In drei Wochen ein solches Projekt zu entwerfen sei eine Herausforderung, somit sei die Schulaufgabe erfüllt. Umsetzbar seien die Projekte in dieser Form aber kaum.
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Architekt Mariàn Brunzel von der Berner Fachhochschule hat die Studierenden als Assistent der Dozentin Nandita Boger mitbetreut. Er bestätigt die Eindrücke Loderers. Natürlich sei die Absicht gewesen, «etwas zu spinnen» und Utopien für die Stadt zu entwerfen. Einen Anspruch auf Realität gebe es nicht.
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<b>Aktuelles Thema</b><br />

Dem Bieler Stadtplaner François Kuonen ist aufgefallen, dass die Studierenden vor allem Objekte für ihr Projekt auswählten, welche für die Stadt eine gewisse Symbolik haben. «Es ist spannend, zu erfahren, wie Aussenstehende unsere Stadt sehen», findet er. Akutell sei das Thema trotz der schweren Umsetzbarkeit: Knapper und bezahlbarer Wohnraum sei immer wieder ein Problem für grössere Städte, Lösungen wie Wohnungen auf den Dächern von bestehenden Häusern würden andernorts bereits diskutiert.<br /><br />

<b>«Summerschool» der Fachhochschule</b><br />

Die Abteilung Architektur der Berner Fachhochschule führt jährlich einen Sommerkurs für Studierende aus dem In- und Ausland durch.
In diesem Jahr war sie während drei Wochen in Biel.
Die Modelle, Skizzen und Visualisierungen der Arbeiten sind zur Zeit im Foyer des Communication Center am Robert-Walser-Platz ausgestellt.

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