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Lieber klein anfangen als gar nicht

«X-Project», der grosse Jugendtreff im Masterplanareal, verliert im Laufe der Planung an Glanz. Dafür gewinnt der Magnet für Skater, Kickboxer und andere Jungdynamiker an Realitätsnähe.

<B>Jugendmagnet: «X-Project»<BR>
</B><BR><FONT SIZE=+2><B>Lieber klein anfangen als gar nicht<BR>
</B></FONT><BR><B>«X-Project», der grosse Jugendtreff im Masterplanareal, verliert im Laufe der Planung an Glanz. Dafür gewinnt der Magnet für Skater, Kickboxer und andere Jungdynamiker an Realitätsnähe.<BR>
</B><BR>Daniel Riesen<BR>
<BR>Viele Erwartungen lasten auf dem Vorhaben, das die einen «Projekt X» nennen, die Initianten selber aber am liebsten als «x-project» bezeichnen. Die Jugendlichen erhoffen sich eine Spielwiese als Ersatz für den Drahtwerk-Skaterpark. Die Verantwortlichen der Politik anderseits versprechen sich eine Abnahme der Sprayereien, mithin eine saubere Stadt im Expo-Jahr 01.<BR><BR>
Letzten Herbst haben Stadtrat und Volk dem Kauf von Liegenschaften im Masterplanareal beim Bahnof zugestimmt, darunter die Swisscom-Gebäude Nummern 68 und 72 an der Aarbergstrasse. Diese Hallen hat die Interessengemeinschaft (IG) X im Auge. Skater, Kickboxer, Hiphopper, junge Künstler, der Informatikclub Perceptron etc. - seit der Räumung der Drahtwerke-Hallen heimatlos - haben sich als Verein organisiert und der Stadt ihr ambitiöses Projekt vorgestellt (das BT berichtete).<BR>
<BR><B>Arger Dämpfer
</B><BR>Viel Lob und eine glasklare Zustimmung im Stadtrat, eine locker gewonnene Volksabstimmung: Bis kurz vor Weihnachten ritt «x-project» auf der Erfolgswelle. Bis der Gemeinderat den Rahmen enger steckte. Vorab zwei «bittere Pillen» hätten die Jungen zu schlucken gehabt, weiss Schulamtsvorsteher Willy Bernhard, der an den Vorbereitungsarbeiten massgeblich beteiligt ist. Nur ein Gebäude, die Nummer 72, wird zur Verfügung gestellt. Ausserdem sieht sich der Gemeinderat ausser Stande, einen Vertrag über mehr als fünf Jahre anbieten zu können.<BR><BR>
Die Enttäuschung steckt Joëlle Vésy, Präsidentin des Vereins, auch mehr als einen Monat nachder Negativmeldung in den Knochen. «Das zweite Gebäue hätten wir als polyvalente Halle für Anlässe, Turniere und Konzerte nutzen wollen», so Vésy. Damit wäre die erwünschte Wirkung nach aussen erzielt worden. So hätte man Sponsoren gewonnen und zusätzliche Einnahmen erzielt. «Die Nummer 68 war fast das Zentrum des Projekts.»<BR><BR>
<B>200 000 Franken gesucht
</B><BR>Schwer tun sich Joëlle Vésy und ihre Leute ebenfalls mit der beschränkten Nutzungsdauer. Auch wenn zu den zugesicherten fünf Jahren vielleicht einige weitere dazukommen, drücke diese Einschränkung auf die Bereitschaft, ins Projekt Zeit und Geld zu investieren. Investieren will «x-project» einiges, damit aus einer Swisscom-Lagerhalle ein Skaterparadies, Trainings- und Übungsräume, eine Bar (genannt «privilège») und ein Café Culture wird. Mit rund 200 000 Franken, die erst noch gesammelt werden müssen, rechnet Vésy.<BR><BR>
Für die Beschränkung auf ein Gebäude führt der Gemeinderat zonenrechtliche Probleme und das eventuelle Interesse der Expo am Haus Nr. 68 an. Schuldirektor Pierre-Yves Moeschler hat aber angedeutet, dass nach der Expo.01 auch das zweite Gebäude ein Thema werden könnte. «Ma foi, vielleicht ist es besser, klein anzufangen und später auszubauen», seufzt Joëlle Vésy.<BR><BR>
<B>Wie viel Nebenkosten?<BR>
</B>Doch auch wenn eine Mehrheit von «x-project» die zwei Kröten Platz- und Zeitbeschränkung zu schlucken bereit ist, bleibt gemäss Joëlle Vésy ein Hindernis. 40 000 jährlich verlange die Stadt als Fixbeitrag an die Nebenkosten. «Müssen wir so viel aufbringen, sind wir nach einem Jahr erschöpft und geben auf.»<BR><BR>
Klar ist hingegen, dass die Stadt das Haus kostenlos zur Verfügung stellt. Zudem steckt die Stadt mehrere hunderttausend Franken in den Erhalt der Bausubstanz. Das letzte Wort hat der Stadtrat. Parallel dazu müssen die Bau- und Gastwirtschaftsbewilligung beantragt werden.<BR><BR>
Für die Jugendlichen dauerts eine Ewigkeit. Allerdings sind ihre Vertreterinnen realistisch geworden. Bis im Herbst, so hofft Joëlle Vésy, werde «x-project» starten können. Da lässt Willy Bernhards Aussage, im Sommer sollte eigentlich alles bereit sein, schon fast auf jugendlichen Enthusiasmus schliessen. <BR>
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