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Vornamen

Kurz oder lang, normal oder exotisch?

Wie soll unser Kind heissen? Einen passenden Namen für das Baby zu finden, ist oft nicht einfach. Das BT gibt Tipps und erklärt die Regeln in der Schweiz.

Prominente glänzen gerne damit , ihren Kindern ausgefallene Namen zu geben: Die beiden Söhne des Schauspielers Uwe Ochsenknecht heissen Wilson Gonzalez (rechts) und Jimmy Blue. Das dritte Kind, eine Tochter, heisst Cheyenne. Bild: Keystone

Rahel Mösch

Hans oder Oakden-Kenneth? Emma oder Za-Lala? Kurz oder lang, ausgefallen oder einfach, altmodisch oder modern - wie soll er sein, der Name fürs Kind? Früher erhielten die Jungen oft den Namen des Vaters oder Grossvaters, die Mädchen den der Mutter oder Grossmutter. Heute investieren werdende Eltern viel Zeit für die Namenswahl. Einige lassen ihrer Fantasie und Kreativität freien Lauf und kreieren eigene Namen (und müssen in Kauf nehmen, dass die Leute nachfragen). Andere greifen auf die Spitzenreiter der letzten Jahre zurück (und müssen damit rechnen, dass ihr Kind in der Klasse nicht das einzige mit diesem Namen sein wird).

Zahlreiche Bücher mit Namensvorschlägen sind auf dem Markt, im Internet gibt es viele Home-pages, die sich nur den Vornamen und deren Bedeutung widmen. Eine Mutter aus Biel erzählt, sie habe damals sogar im Abspann der Kinofilme nach passenden Namen gesucht.

 

Das sind die Regeln

«In der Schweiz sind die Menschen bei der Vornamenswahl grundsätzlich frei», sagt die Leiterin des Zivilstandskreises Seeland, Sandra Glanzmann. Das Interesse des Kindes dürfe laut der Zivilstandsverordnung nicht offensichtlich verletzt werden, das sei der wichtigste Punkt, den zukünftige Eltern beachten müssten. «Wollen Eltern ihr Mädchen Hans oder Fritz nennen, wäre das sicher nicht zum Wohl des Kindes. Diese Wahl müssten wir ablehnen», erklärt Sandra Glanzmann.

Sind die Eltern miteinander verheiratet, wählen sie gemeinsam die Vornamen des Babys. Ansonsten bestimmt die Mutter die Vornamen, sofern die Eltern die elterliche Sorge nicht gemeinsam ausüben. Die Vornamen sind dem Zivilstandsamt mit der Geburtsmeldung innert drei Tagen mitzuteilen. Übrigens muss man dem Kind bei nicht eindeutig geschlechtsbezogenen Namen (wie Sascha oder Lou) nicht mehr zwingend einen zweiten Vornamen geben.

In den letzten Jahren wurden die Vornamen in der Schweiz immer kürzer. Kurze, ein- bis zweisilbige Namen mit den Anfangsbuchstaben L und M sind im Trend. Auch greifen Eltern vermehrt auf alte Namen zurück wie Emma oder Anna.

 

Auf Namenssuche

Bei der Namenssuche sollten Sie vor allem auf den Klang achten, und darauf, dass der Name gut aussprechbar ist. Und je einfacher er geschrieben wird, desto weniger muss er buchstabiert werden. Schön klingt es, wenn der Vorname zum Familiennamen passt. Dazu gibt es ein paar Tipps: Bei langen Familiennamen ist ein kurzer Vorname von Vorteil. Beginnt der Familienname mit einem Vokal, sollte der Vorname eher nicht mit einem Vokal aufhören (Beispiel: Lara Amsel oder Luca Uhu), sonst verschwimmen die beiden Namen zu einem. Ist der Familienname so häufig wie Müller, wird ein weniger gebräuchlicher Vorname empfohlen - und umgekehrt. Denken Sie auch daran, nachzuschauen, woher der Name stammt und was er bedeutet. Ist es Ihnen wichtig, dass mit dem Namen die Herkunft des Kindes oder seine Religionszugehörigkeit bekannt wird oder möchten Sie eine Familientradition weiterführen und dem Kind den Namen eines Familienmitglieds geben?

Das sind alles Tipps, keine Regeln. Am wichtigsten ist, dass der Name Ihnen gefällt (und nicht den Freunden oder der Familie). Schliesslich sagen Sie ihn in den nächsten 15 Jahren wohl mehr als 50 000 Mal. Am besten sprechen Sie Ihre Favoriten mehrmals laut, um den Klang - auch zusammen mit dem Familiennamen - zu testen. Manchmal liest man einen Namen und denkt «wow, so schön!». Dann sagt man ihn ein paar Mal laut, und schon gefällt er einem nicht mehr halb so gut...

Mit der grossen Auswahl hat man auch die Qual der Wahl. Eine viel erprobte und für gut befundene Vorgehensweise ist die Erstellung einer Namensliste. Mann und Frau schreiben unabhängig voneinander ihre Favoriten auf. Sie tauschen die Listen aus, und streichen die Vorschläge, die ihnen nicht gefallen, bis nur noch einer bis drei übrig bleiben. Über diese Vornamen kann man nun diskutieren. Eltern von Zwillingen geben ihren Sprösslingen am besten keine ähnlichen Vornamen. Also nicht Lina und Mina, damit klar ist, welches Kind angesprochen wird. Übrigens: Wenn sie nicht wollen, dass Ihr Lieblingsname im Vorfeld «verhunzt» wird oder Freunde und Familie ihren Senf dazu geben, verraten Sie ihn nicht, oder erst wenn Sie sicher sind. Am besten ist, Sie einigen sich bis vor der Geburt auf einen bis drei Namen.

 

In den Ferien war es klar

Beim ersten Kind schrieben auch Babs Liniger und ihr Mann ihre Lieblingsnamen auf. «Jedoch gefiel meinem Mann auf meiner Liste kein einziger, deshalb konzentrierten wir uns auf seine Auswahl.» Schliesslich fanden sie - noch lange vor der Geburt des Kindes - ihren Namen: Tatjana. Beide sind heute noch sehr zufrieden mit ihrer Wahl.

Beim zweiten Kind war die Suche schwieriger: «Ich war hochschwanger und wir hatten immer noch keinen Namen für das Baby. Bis wir Ferien auf Mallorca machten und unsere Tochter mit einem blonden Bub namens Noah spielte. Der Kleine war so süss. Mein Mann und ich schauten uns an, und es war wortlos klar: Unser Bub soll Noah heissen», erzählt die Porterin.

Eine kleine Umfrage des «Bieler Tagblatts» unter Seeländer Eltern ergab, dass alle anders an die Namenssuche herangingen, aber alle Eltern auch sechs bis zwölf Jahre nach der Geburt des Kindes mit dem Namen sehr zufrieden sind. Die meisten arbeiteten mit einer Namensliste. Während die einen sich schnell einig wurden, suchten andere lange und wählten zum Teil sogar einen Kompromiss-Namen. Ehestreit habe es aber deswegen nie gegeben, gaben alle an. Ein Paar machte ab, dass er den Namen für einen Jungen aussuche und sie einen Namen für ein Mädchen. Dem dritten Jungen durfte dann doch die Mama den Namen geben. Bei einem anderen Paar wählte die Frau den Namen für das erste Kind, der Mann den für das zweite.

 

Promi-Namen

Dass Promis ihren Sprösslingen oft alles andere als alltägliche Namen geben, ist bekannt. So lesen sich die Namen der Kinder von Bob Geldof wie Protagonisten eines Fantasy-Romans: Fifi Trixibelle, Peaches Honeyblossom, Pixie, Heavenly Hiraani Tiger Lily. Starkoch Jamie Oliver ruft seine Tochter Poppy Honey und Schauspieler Jason Lee seinen Sohn Pilot Inspektor. Aber auch in der Schweiz gibt es fantasievolle Vornamen, wie Journalist Bänz Friedli in seinen Hausmann-Kolumnen fürs Migros-Magazin schrieb. Er berichtete von Geschwistern namens Elvis und Priscilla oder Praise und Blessing. Die ausgefallensten Namen haben laut Friedli aber Geschwister aus dem Kanton Bern: Lycra Nike Caterpillar Stella Cosma, ihre Schwester Leica Electra Oktavia Viola und ihr Bruder Polydor Sturmius Osran Faust.

Wie sagt eine Mutter aus Lyss so schön: «Ich finde, wenn ein Kind einmal einen Namen hat, kann man sich nie mehr einen andern zu dieser Person vorstellen.»

Ob Sie einen beliebten oder seltenen Vornamen ausgewählt haben, können Sie auf der Homepage des Bundesamtes für Statistik nachschauen. Im Vornamentool sind die Vornamen der letzten 100 Jahre der Schweiz gespeichert (bis 2011).

 

Links: www.bfs.admin.ch; www.vornamen.ch; www.familienleben.ch

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